Im Wald der Triebe

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Fürstlich: Till Krabbe und Sabine Fleischmann als Theseus und Hypolyta bei den Dreieicher Burgfestspielen.

Dreieichenhain - Partnertausch und Herzensnöte, Ehekrach und Zauberei, mittendrin eine dämliche Laientheatertruppe: Aus William Shakespeares „Sommernachtstraum“ lassen sich komödiantische Funken schlagen. Auf der Bühne der Burgfestspiele Dreieichenhain sorgte das Stück für beste Unterhaltung. Von Carsten Müller

Sabine Fischmann, Till Krabbe, Markus Neumeyer und Berthold Posseneyer haben den Stoff als „durchtriebenes Kammermusical“ inszeniert: Ein Laken, eine giftgrüne Decke, Stühle, einen Tisch, viel mehr braucht das barfuß angetretene Quartett nicht, um im Burggraben Athens Zauberwald auferstehen zu lassen und darin fliegend Rollen zu wechseln. Den meisten Text hat Sabine Fischmann zu bewältigen, die unter anderem nicht nur vier Frauen, sondern auch den viel beschäftigten Puck mimt, der mit seiner Liebespflanze Verwirrung stiftet. Männlicher Gegenpart ist Till Krabbe, mit dem Sabine Fischmann auch die Textfassung besorgte.

Die leicht modernisierten Charaktere haben die beiden Erzkomödianten derart zugespitzt, dass es leicht fällt, in dem Gefühlsirrgarten den Überblick zu behalten. Demetrius gibt Krabbe als prolligen Tom-Gerhardt-Verschnitt, Lysander als versponnenen Intellektuellen, Oberon als Potenzprotz. Helena entpuppt sich als handfeste Heulsuse, Hermia als schlichtes Gemüt, und Hippolytas Wortfindungsstörungen sabotieren Theseus’ Herrscherglanz. Allenfalls wechselt man das Brillenmodell, um den Rollentausch zu bezeugen.

Zauberblumen und Liebesvögel

Grundiert werden die körperlich intensiv gespielten Szenen-Häppchen vom jazzig-groovenden Markus Neumeyer am Klavier, auch musikalisch verantwortlich, und einem bestens disponierten Berthold Posseneyer, der in Liedern von John Dowland und Thomas Morley sowie Felix Mendelssohn Bartholdy und Gerald Finzi das Geschehen treffend illustriert – und sich überdies auf die Kunst des Papierfaltens versteht, woraus Zauberblumen und Liebesvögel entstehen.

Auf hohem musikalischen und schauspielerischen Niveau entwickelt das Quartett zündende Pointen. Dass bei all dem Kalauern und Herumalbern auch mal ein Profi wie Sabine Fischmann die Fassung verliert, macht die Angelegenheit umso sympathischer.

Quelle: op-online.de

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