Von düsteren Charakteren fasziniert

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Schauspieler Sascha Nathan wurde in Darmstadt geboren.

Sascha Nathan arbeitet gern mit jungen Menschen zusammen. Der in Darmstadt aufgewachsene Schauspieler war zuletzt am Schauspielhaus Bochum engagiert. Dort inszenierte er mit Schülern Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Von Astrid Biesemeier

In Frankfurt hat Nathan eine Dozententätigkeit an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst angenommen, um Studenten im Schauspiel zu unterrichten.  Eine Aufgabe, die ihm viel Freude bereitet, in der er seine eigene Rolle aber auch kritisch hinterfragt: „Ich arbeite erst seit zehn Jahren im Beruf des Schauspielers. Und ich kann nur weitergeben, was ich gelernt habe. Da komme ich natürlich mal in etwas absurde Situationen. Im Unterricht sage ich den Studenten, was sie machen sollen, und am Abend stehe ich auf der Probe und weiß selbst nicht, wie es geht.“

In Patrick Marbers „Hautnah“ steht Sascha Nathan am Samstag zum ersten Mal auf der Frankfurter Bühne. In dem Stück um zwei Paare, die einander belügen und betrügen, lieben und verlassen, spielt er den Arzt Larry, der sich in Nacktbars und mit Drogen tröstet. Zwar will das Team nach einer Probe auch mal eine Nacktbar aufsuchen, denn eine der Kolleginnen muss eine Stripperin spielen, „aber ansonsten“, sagt Nathan grinsend, „ist es natürlich nicht so, dass ich kokse und rauche, nur um mich an die Figur zu tasten. Ich gehe da eher über die Situation. Schließlich geht es in dem Stück auch um Gefühle die man kennt, wie Liebe und Eifersucht.“

Als Vorbereitung habe er alte Filme von Claude Chabrol gesehen, in denen es um Beziehungen geht, „Die untreue Frau“ beispielsweise. Überhaupt mag Sascha Nathan Filme. Und nach einem anstrengenden Probentag lenkt er sich gern mal im Kino oder vor dem Fernseher ab. Zurzeit, erzählt er, sei er auf einem Hitchcock-Trip. Und vom neuen Tarantino-Film und Schauspieler Christoph Waltz ist er begeistert. Er freut sich, dass die deutschsprachigen Schauspieler in „Inglourious Basterds“ gegen Hollywood-Größen „anstinken“ können.

Ihn persönlich würde die Figur Richards III. reizen. „Im Sommer war ich in London und habe mir den Tower angesehen. Dort hatte Richard ja immerhin zwei Kinder einmauern lassen. Aus heutiger Sicht klingt das schlimm. Aber damals war das gar nicht so unüblich. Für mich als Schauspieler wäre es interessant, mich zu fragen: Spielt man Richard als reinen Schurken? Oder spielt man ihn als einen, der einfach tut, was er tun muss?“

Solche Ambivalenzen reizen Nathan. „Ich finde die Vielfalt sehr interessant. Aber ich spiele schon gern böse Menschen.“ Besonders gern spiele er natürlich, so fügt er scherzend hinzu, Hauptrollen. Und lacht.

Quelle: op-online.de

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