Claus Guth inszeniert Strauss’„Daphne“ an der Frankfurter Oper.

Dunkles Geheimnis

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Liebt Kontroversen: Der Frankfurter Claus Guth ist ein gefragter Mann an deutschen Opernbühnen.

Eine „Bukolische Tragödie“ nennt Richard Strauss seine Oper „Daphne“. Der in Bayreuth und Salzburg erfahrene Regisseur Claus Guth hat den zu Grunde liegenden griechischen Mythos einer Analyse unterzogen und dabei versucht, ein dunkles Geheimnis der göttlichen Dame zu lüften. Seine Inszenierung, der Strauss-Musik Takt für Takt folgend, hat am Sonntag um 18 Uhr im Frankfurter Opernhaus Premiere.

Für den Frankfurter Claus Guth ist „Daphne“ die Geschichte einer starken Verstörung – und daher ein zeitloses Drama. Er hat lange über die Oper nachgedacht, seit er sie bei seiner ersten Regie-Hospitanz in München kennen lernte. Damals unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Sawallisch und „in einer gruseligen, urgriechische Welten beschwörenden Inszenierung“, so Guth, bei dem sich jedoch die Strauss-Musik tief eingeprägt hat.

Zentrales Thema sei die Sexualität, das Phänomen Pubertät, für den Regisseur ein „Schritt in eine andere Bedeutungswelt“, den Daphne, menschliche Verkörperung der Natur, verweigere. Das Dionysosfest, Fruchtbarkeitsritual der Schäfer und Fischer, ist ihr zuwider. Als der junge Leukippos ihre Freundschaft in Liebe umwandeln will, kommt es zum Bruch. Erst dem Gott Apoll, „einem erfahrenen Mann mit höherer Intuition“ (Guth), der ihre Natur-Sehnsucht benutzt, um sie zu verführen, gibt sie sich hin, was in eine Katastrophe mündet. Guth erforscht, woher Daphnes Verstörung rührt, den Fokus auf die dominante Vaterfigur richtend – ein Inzest scheint nicht ausgeschlossen.

Solch Kontraste erkennt der Regisseur auch in Straussens Opernklang; lyrischer Sog, mit einer Daphne, die sich in Fantasiewelten singt, robust-archaische Klänge des Volkes, vielstimmig zärtliche Hingabe des Leukippos und wahrhaft göttliche Strahlkraft, wenn Apollo auftritt.

Musik spielte in Guths Frankfurter Elternhaus eine große Rolle. Zwar habe er, der schon als Zehnjähriger Klavierunterricht bekam, als Bassist einer Band eher dem Rock, Jazz und Funk zugespielt und sei noch heute ein leidenschaftlicher Film-Fan, doch Opernbesuche waren obligat. Und dies zur überaus fruchtbaren Gielen-Zehelein-Ära am Main. Wie da Oper gespielt und kontrovers diskutiert wurde, das habe ihn regelrecht schockiert – im positiven Sinn. So beschloss Guth damals, neben vielen anderen Fächern auch Regie zu studieren - und wurde zum weltweit geschätzten Protagonist des Regietheaters, wie schon seine Vorbilder Ruth Berghaus oder Axel Manthey geliebt, aber auch geschmäht.

„Da muss man sich fragen, warum man nicht verstanden wird“, sagt der zweifache Familienvater und leidenschaftliche Bergsteiger Guth, der sich über emphatische Zustimmung ebenso freut wie über umstrittene Publikumsreaktionen. „Ein Buh-Konzert allerdings schockt dann doch ...“

KLAUS ACKERMANN

Quelle: op-online.de

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