Was für Musicalfans: „Nine“

„What the hell is wrong with me?“ – Diese Frage stellt sich nicht nur Guido Continia (Daniel Day Lewis) - auch dem Zuschauer erschließt sich nicht, was nun eigentlich das Problem des kettenrauchenden Regisseurs sein soll. Von Margret Brüning

Schließlich es gibt nichts, was er nicht zu haben scheint, egal ob Ruhm, Geld oder Frauen. Die Frauen, das sind seine Ehefrau (Marion Cotilliard), seine Geliebte (Penelope Cruz), seine Muse (Nicole Kidman), eine Prostituierte aus seiner Jugend (Fergie), seine Kostümdesignerin (Judy Dench) und seine Mutter (Sophia Loren): Dem „Maestro“ scheinen alle zu Füßen zu liegen - und doch sinkt sein Stern allmählich.

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Es sind noch zehn Tage bis zum Drehbeginn seines neuesten Films, mit dem simplen Titel „Italia“. Doch dieselben Journalisten, die Contini einst feierten, gehen jetzt davon aus, dass der „Maestro“ seine Kreativität eingebüßt hat. Damit schienen sie recht zu haben, denn Guido hat weder ein Drehbuch, noch den Hauch einer Ahnung, worum es in seinem neuesten Kunstwerk eigentlich gehen soll. Dieses Musical nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch das Leben eines Mannes, dessen Leben so verwirrend wie verführerisch ist – und ihn schließlich in die Knie zwingt.

Ja und Nein sagen: Eine Kunst für sich

„Directing is easy – you just have to say yes or no,“ sagt Judy Dench in ihrer Rolle der Kostümdesignerin Liliane La Fleur. Und „Nine“-Regisseur Rob Marshall hat Ja gesagt. Ja zu einem Cast, dass sich wie das Who-is-Who der Hollywood-Schauspielerriege liest. Ja zu eingängigen Songs, bei denen vor allem die Darstellerinnen brillieren. Ja zu aufwendigen, glamorösen, schillernden Kostümen und Bühnenbildern. Ja zu Choreografien die Spaß machen.

Aber Marshall hat – und das ist das problematische an dem Film – auch Nein gesagt. Nein zur einer durchdachten Handlung, geschweige denn einer wirklich nachvollziehbaren Entwicklung. Denn eine Frage bleibt während des ganzen Films unbeantwortet: Was genau stimmt nicht mit Contini? Und woher rührt diese Schreibblockade, die fast zwei Stunden lang das Geschehen auf dem Bildschirm dominiert?

Weil die Geschichte fehlt, schafft es Daniel Day Lewis - der sich die Seele aus dem Leib spielt und singt - nicht, Contini zu einer sympatischen Hauptfigur werden zu lassen. Im Gegenteil, die selbstzerstörerische, egozentrische und manchmal sogar kindische Figur des „Maestro“, dessen wahres Problem seine chronische, fast schon zwanghafte Untreue gegenüber seiner entzückenden Frau Luisa ist, strapaziert die Geduld des Zuschauers bis zum äußersten.

Fazit

Und trotzdem: Der Film ist sehenswert. Gerade weil „Nine“ ein Musical ist, lässt sich die Abwesenheit einer erkennbaren Handlung verschmerzen. Denn Rob Marshall, der bereits 2002 mit „Chicago“ einen Welterfolg feierte, hat es trotz allem geschafft bildgewaltige Unterhaltung zu liefern. Besonders hervorragend sind die Soloauftritte der Frauen: Während Kate Hudson, Penelope Cruz und Sängerin Fergie sich in schmeichelnden Kostümen sinnlich und verführerisch räkeln, präsentieren sich Nicole Kidman und Marion Cotilliard als eher zurückhaltende, klassische Schönheiten. An die Wand gespielt werden sie jedoch alle: Und zwar von den beiden Grand Dames des Films, Judy Dench und Sophia Loren. Durch Witz, Charme und eimerweise Charisma zeigen beide, dass es mehr als ein schönes Gesicht braucht um zur Legende zu werden.

Fazit: Für einen gemütlichen Filmabend mit einigen hellen Momenten reicht „Nine“ zwar – für mehr aber auch nicht.

Quelle: op-online.de

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