Jan Costin Wagners „Das Licht in einem dunklen Haus“

Echo eines Sommers

Jan Costin Wagner Foto: Yenmez

Offenbach - Freunde der Krimis von Georges Simenon unterscheiden gern zwischen Maigrets und Non-Maigrets. Bei Jan Costin Wagner gibt es Joentaas und Nicht-Joentaas. Sein Roman „Das Licht in einem dunklen Haus“, der heute erscheint, ist ein Joentaa, ein sehr gelungener. Von Markus Terharn

Mit dem grüblerischen finnischen Kommissar Kimmo Joentaa hat der im Kreis Offenbach lebende Wagner eine einprägsame, unverwechselbare Figur geschaffen und sich in der Literaturwelt einen glänzenden Namen gemacht: Die preisgekrönten, in viele Sprachen übersetzten Bände „Eismond“ (2003), „Das Schweigen“ (2007, fürs Kino verfilmt 2010) und „Im Winter der Löwen“ (2009) etablierten einen melancholischen Ermittler, den der Krebstod seiner Frau Sanna traumatisiert hat.

Im neuen Fall spielen Namen eine große Rolle. Da ist eine Prostituierte, die sich Larissa nennt, was nicht ihr richtiger Name ist, im vorigen Buch in Kimmos Leben getreten und jetzt wieder daraus verschwunden. Dann Polizeipräsident Nurmela, den sie August nennt, obwohl er nicht so heißt. Eine unidentifizierte Komapatientin, die in dem Krankenhaus ermordet wird, in dem Sanna gestorben ist, wobei der Täter Tränenflüssigkeit zurücklässt. Und ein Foto, das bei einem Getöteten entdeckt wird und auf dem der ominöse Satz steht: „Alle sind wie immer, und R. sagt, dass ich mir keine Gedanken machen soll.“

Wer ist das Opfer in der Klinik? Gibt es einen Zusammenhang mit weiteren unnatürlichen Todesfällen? Wer ist R.? Und welches Geheimnis steckt hinter dem grausigen Geschehen? Der Leser ist der Polizei ein Stück voraus; er kennt Auszüge aus dem Tagebuch eines Unbekannten. Sie deuten auf ein Ereignis im Sommer 1985, das mit männlicher Gewalt zu tun hat. Der Roman beginnt mit den Worten: „Es ist etwas passiert. Ich muss es aufschreiben. Alles aufschreiben, um mich später daran erinnern zu können. Alles genau beschreiben, damit sich im Kopf ein Bild entwickeln kann.“

Genau das erweist sich erneut als Wagners Stärke: Der knappe Stil des 38-Jährigen erzeugt Bilder, die sich im geistigen Auge festsetzen. Da wird nicht weniger gemetzelt als bei Henning Mankell – doch der Schrecken, der kein geringer ist, findet in der Vorstellungskraft statt. Auch der Aufbau ist raffiniert, die Geschichte stimmig, die Dialoge sind präzise, die Charaktere schlüssig. Und am Ende, wenn alles geklärt scheint, zeigt Wagner Mut zu einer kühnen, aber eingangs subtil vorbereiteten Wendung...

Zusätzliche Spannung erzeugt die Frage, ob der noch immer um Sanna trauernde Held wenigstens Larissa wiedersieht. Darauf bezieht sich der Titel: Beim Verlassen des Hauses lässt Kimmo das Licht brennen. Wenn es bei seiner Rückkehr erloschen ist, weiß er, dass sie da ist.

Geboren in Langen, absolvierte Wagner ein Studium in Germanistik und Geschichte in Frankfurt sowie ein Volontariat bei unserer Zeitung, ehe er 2002 mit „Nachtfahrt“ als Autor debütierte. 2005 erschien „Schattentag“, auch ein Nicht-Joentaa. Mit seiner Frau Niina, einer Künstlerin, lebt Wagner als freier Schriftsteller im Kreis Offenbach sowie in ihrer Heimat Finnland.

Wer den Erfolgsautor im Rhein-Main-Gebiet erleben will: Jan Costin Wagner liest aus seinem aktuellen Thriller am Freitag, 26. August, in der Hainburger Bücherstube Klingler sowie am Dienstag, 20. September, in der Frankfurter Romanfabrik.

‹ Jan Costin Wagner: Das Licht in einem dunklen Haus. Galiani Berlin, 312 S., 19,99 Euro

Quelle: op-online.de

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