Hirschhausen in der Frankfurter Festhalle

Visite mit dem „Wunderheiler“

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Dr. Eckart von Hirschhausen

Frankfurt - Ein junger Mann liegt auf dem OP-Tisch, neben ihm steht der Arzt – ohne Kittel, ohne Desinfektionsmittel und ohne Narkosespritze. Dafür aber mit Skalpell, einem äußerst scharfen, wie das viele Blut beweist, das plötzlich über den Bauch des Patienten läuft. Von Lena Marie Jörger

Gut, dass der Schnitt nicht echt, das Blut künstlich und der Patient wohlauf sind. Einzig der Doktor, der in der Frankfurter Festhalle auf der Bühne steht, ist real: Dr. Eckart von Hirschhausen, Mediziner und Kabarettist. In seinem neuen Programm „Wunderheiler“ geht er alternativen Heilmethoden auf den Grund und macht dabei keinen Hehl daraus, dass er nur wenig bis gar nichts davon hält. Dabei verknüpft er in der ihm eigenen Weise Humor mit Wissenschaft. Immer wieder streut er medizinische Fakten ein, gut dosiert, sodass man sie beinahe nicht bemerkt.

Routiniert schäkert der gebürtige Frankfurter mit dem Publikum, fragt nach dessen Erfahrungen mit Esoterik und Homöopathie. Einige Unerschrockene müssen als Testperson herhalten, die Wirkung von Globuli oder die Zuverlässigkeit von Horoskopen überprüfen. So wie ein Zuschauer aus der ersten Reihe, der auf von Hirschhausens OP-Tisch landet, um sich vor aller Augen einer Blinddarmoperation zu unterziehen – dank alternativer Behandlungsmethode ist danach sogar nicht einmal ein Schnitt zu sehen.

Ab und an greift der Kabarettist, der einst als Zauberer erste Erfahrung auf der Bühne sammelte, zur Magie, verdeutlicht mit kleinen Tricks, wie einfach es ist, den Geist durch Ablenkung zu manipulieren. Ähnlich funktioniere auch das Kinderlied „Heile, heile Gänschen“, das er sogleich mit seinem Pianisten Christoph Reuter und dem Publikum anstimmt. Der Titel des Programms, „Wunderheiler“, scheint in jedem Fall berechtigt, denn von Hirschhausen schafft es, dass sein Publikum zumindest einen Abend lang die Alltagssorgen und damit auch kleinere und größere Zipperlein vergessen kann.

Dabei nimmt er Globuli, Bachblüten, Akupunktur, Bioresonanz und Schüssler-Salze so augenzwinkernd auf die Schippe, dass ihm selbst die überzeugtesten Gegner der Schulmedizin nicht lange böse sein können. „Ich will auch niemanden belehren“, gibt er gleich am Anfang zu.

So bleibt am Ende der gut dreistündigen „Behandlung“ die Erkenntnis, dass Alternativmedizin zwar keine Wunder vollbringen kann, es im Leben aber immer wieder solche zu finden gibt. Von Hirschhausens Universalrezept gegen jegliche Art von Beschwerden ist jedenfalls denkbar einfach: Lachen.

Quelle: op-online.de

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