Dr. Eckart von Hirschhausen in Offenbach

Lachen wirkt wahre Wunder

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Auch Kunststücke hatte Hirschhausen auf Lager.

Offenbach - Für viele Menschen ist er der Inbegriff des perfekten Mediziners: Ein Mann, dem man sein Herz ausschütten kann. Ein Arzt, der seinen Patienten zuhört. Und das ist heutzutage selten. Von Maren Cornils

Sprechstunden hält Dr. Eckart von Hirschhausen zwar schon lange nicht mehr, dafür zieht er mit seinen Aufklärungsshows Fans in Scharen an. So auch in der Offenbacher Stadthalle, wo Hirschhausen mit „Wunderheiler“ dazu einlud, sich mit dem eigenen Körper, weit verbreiteten Zipperlein wie auch alternativen Heilmethoden auseinanderzusetzen. Die nämlich nimmt der Mediziner in seinem neuen Programm ins Visier, ohne sie als Humbug abzutun. Im Gegenteil. Wenn von Hirschhausen spottet, dann tut er das über Schulmedizin und esoterische Heiler gleichermaßen: „Es gibt keine gesunden Menschen. Nur solche, die noch nicht lange genug untersucht wurden. “.

Doch auch das Publikum kommt nicht ungeschoren davon. Ohne sich darum zu kümmern, dass in einer Show jeder Satz vorgeplant ist, unterbricht Hirschhausen gleich am Anfang die Vorführung, um von der Bühne zu steigen, sich in aller Seelenruhe zwei Nachzüglern zu widmen und ihnen einen Sitzplatz zu arrangieren. Freilich nicht, ohne sich einen Spaß mit den beiden zu erlauben.

Worin unterscheiden sich alternative Heilmethoden und die Schulmedizin? Ist Murphy oder nicht doch eher Newton dafür verantwortlich, dass der Toast immer auf der gebutterten Seite landet? Und welche Parallelen weisen Medizin und Unterhaltungsmedizin auf? „Wunderheiler“ widmet sich diesen Fragen pointenreich und mit intelligenten Erklärungsansätzen. Mal wirbt der Mediziner für Verständnis, dass in der Akutmedizin ganzheitliche Heilmethoden weniger von Bedeutung sind, gesteht aber auch, dass er selbst durchaus schon seine Rettung in Akupunktur und Bio-Resonanzverfahren gesucht hat. Ohne Erfolg zwar, aber immerhin bereichert um so schöne Anekdoten, dass sich die Erfahrung - zumindest für sein Publikum - gelohnt hat.

Das nimmt an diesem humorigen Abend ohnehin allerhand neues Wissen mit nach Hause, erklärt Hirschhausen doch auf unterhaltsame Art, wie die Magenspiegelung entdeckt wurde, wann man darauf kam, dass Viagra nicht nur die Herzkranzgefäße erweitert - und er widmet sich dem Thema „Nocebo“-Effekt. Ein Exkurs, den er mit einer Erkenntnis beschließt, die auch Tenor jeder seiner Shows ist: Mit welcher Methode letztlich geheilt wird, ist sekundär. Hauptsache, sie hilft!

Das hält ihn von der Kritik an Missständen im Gesundheitswesen nicht ab. Ob Hüft- und Knie-OPs, Meridian-Lehre oder Wundermittelchen Umckaluabo - Scharlatanerie und Geldmacherei deckt der Arzt erbarmungslos in beiden Heilschulen auf, und er hat auch keine Hemmungen, seinem Publikum zum besseren Verständnis den Begriff „Regression zur Mitte“ vorzutanzen oder einem ahnungslosen Zuschauer unter Einsatz von viel Kunstblut ein gelbes Quietsche-Entchen aus dem Bauch zu operieren. Ein Abend, der Vertreter der Schulmedizin ebenso erheitert wie deren Kritiker - eine Wissens- und Aufklärungsshow, die einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitssystem leistet. Schließlich ist Lachen gesund.

Quelle: op-online.de

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