Tod ist wie eine Raufasertapete

Wer Matthias Egersdörfer zum ersten Mal erlebt, fragt sich: Wie will der Mann mit diesem Phlegma, dieser Leidensmiene und dem an Rüdiger Hoffmann erinnernden Redetempo zwei Stunden Kabarett machen? Von Maren Cornils

20 Minuten nach dem Beginn von „Ich mein’s doch nur gut“ in der Frankfurter Käs ertappt sich der Zuschauer dabei, überrascht und ein wenig amüsiert zu sein. Spätestens nach einer halben Stunde aber zeigt das „Prinzip Egersdörfer“ Erfolg, ohne dass der Franke sein Tempo erhöht, mehr Leidenschaft gezeigt oder einen anderen Gesichtsausdruck aufgelegt hätte.

Da sinniert Egersdörfer beispielsweise über die Zubereitung von Königsberger Klopsen – „das ist wie Buletten mit a weng Kapern“ –, lässt sich über die mit dem Kirchgang verbundene Langeweile aus oder philosophiert mit ungewohnt vielen Worten über den Tod („Der Tod ist, wie wenn’st a Raufasertapete schwarz anstreichst und dann 20 Minuten drauf schaust“).

Dazwischen wird mal kurz das Publikum beleidigt, Yoga-Swimming als Weg zu innerer Erleuchtung angepriesen und mit „das leicht gebaute Fräulein“ eine sinnfreie, dafür mit ekligen Adjektiven gespickte Ode an übergewichtige Frauen rezitiert.

„Ich mein’s doch nur gut“ ist ein so aberwitziges wie faszinierendes Programm, in dem es dem „mittelfränkisch leidenschaftlichen“ Unterhalter mit der zum Markenzeichen gewordenen Leichenbittermiene gelingt, sein Publikum mit so gut wie keinem Inhalt bestens zu amüsieren. Egersdörfer macht keine Witze, schon gar keine politischen, beschwört jedoch so hanebüchene Situationen herauf, dass sein Publikum gar nicht anders kann, als ihm hellauf begeistert auf seinen verworrenen Gedankenpfaden zu folgen. Und wer sich einmal darauf einlässt, ist Egersdörfers speziellem Humor verfallen.

Quelle: op-online.de

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