Einsamkeit einer Prinzessin

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Verloren wirkt Prinzessin Markweiß (Aki Hashimoto) im Bühnenbild des Darmstädter Staatstheaters.

Prinzessin Markweiß (Aki Hashimoto) ist 14 Jahre alt und klagt gegenüber Dschemile (Elisabeth Hornung), dem Kindermädchen: „Langweilig! Langweilig ist es mir. “ Dschemile schlägt vor, sich mit „klugen Sachen“ zu beschäftigen. Von Stefan Mangold

Doch den Grund für ihre Ödnis sieht die Prinzessin in der Einsamkeit: „Kein anderer Mensch ist da! Wie eintönig das ist!“.

„Der Prinz von Jemen“ lautet der Titel der Oper, die das Staatstheater Darmstadt im Großen Haus unter dem Dirigenten Ekhart Wycik uraufführte. Das Libretto schrieb Alexander Gruber auf Grundlage des gleichnamigen türkischen Märchens. Die Musik komponierten acht Kinder der Kompositionsklasse der Darmstädter Akademie für Tonkunst, seit zwanzig Jahren von Komponist Cord Meijering (55) geleitet. Die Produktion zum 300-jährigen Bestehen des Staatstheaters ist bisher das größte Projekt der Nachwuchskomponisten.

Prinzessin will den Prinzen ein wenig zappeln lassen

Es ist die Geschichte einer verhinderten Liebe: Die Prinzessin verliebt sich in den Prinzen, als der ihr in traumähnlicher Gestalt erscheint. Der Prinz lehnt zunächst ab und begehrt die Prinzessin schließlich doch, weil er sie nicht als die vormals Verschmähte erkennt. Die Prinzessin will den Prinzen noch ein wenig zappeln lassen und umgibt sich zum Schein mit ihrem Leibarzt (Hubert Bischof), bis der Prinz sämtliche Lebenslust verliert.

Es sei das ähnliche Prinzip „wie Taminos Sicht auf das Bildnis Paminas in der Zauberflöte,“ deutet Librettist Gruber den Inhalt. Es ginge um Projektion, um die Idee vom Gegenüber. Dirigent Ekhart Wycik lobte die homogene Ensembleleistung. Natürlich sei es für ihn und den Regisseur Christian von Götz wesentlich mehr Arbeit gewesen, den Gesamtprozess „auf der Bühne zum Laufen zu bringen, als wenn es Bergs ,Wozzeck" gewesen wäre.“

Weitere Aufführungen am 21. und 29. April. Karten Tel.: 06151 2811 600

Die Musik klingt an manchen Stellen nach Verdi, dann wieder nach Maxwell Davies. In anderen Passagen erklingt im Dreivierteltakt ein Walzer, jeweils in enger Korrespondenz mit der Dramaturgie. Trotz der vielen Komponisten wirkt die Oper auch musikalisch wie aus einem Guss. Das Orchester spielte emphatisch und akzentuiert. Selten passt eine Sängerin so gut zu ihrer Rolle wie Aki Hashimoto. Darstellerisch und gesanglich fantastisch, brillant in höchsten Lagen.

Gelungen ist auch die Schlusspointe von Regisseur Christian von Götz im Zusammenspiel mit Conrad Moritz Reinhardts Bühnenbild: Nachdem sich das Paar endlich gefunden hat, begegnet die Prinzessin zu Hause ihrem Vater (David Pichlmaier). Dabei steht sie vor einer Küchenzeile. Nachdem sich die sehnsüchtigen Träume erfüllt haben, hält der Alltag wieder in ihrem Leben Einzug. Und die Langeweile kehrt zurück.

Quelle: op-online.de

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