Elsässisch sanfte Intrige

Frankfurt - Die Handlung mag ein wenig schlicht sein; Giuseppe Verdi nannte sie sogar ausgesprochen „dumm“. Ländlich geht es zu in Pietro Mascagnis „L’amico Fritz“, so wie in seiner meistgespielten Oper „Cavalleria rusticana“ - allerdings ganz und gar nicht blutig. Von Axel Zibulski

Statt sizilianischer Glut herrscht in „Freund Fritz“ elsässische Milde. Ein Gutsbesitzer, überzeugter Junggeselle, wird listig für die Liebe gewonnen. Bei der deutschen Erstaufführung soll Mascagnis „lyrische Komödie“ ein großer Erfolg gewesen sein; vor exakt 120 Jahren fand sie im Frankfurter Opernhaus statt.

Am selben Ort, in der heutigen Alten Oper, war „L’amico Fritz“ nun in einer konzertanten Aufführung zu erleben. Ohne Elsass, Land und Kirschen, konzertant vielmehr, in Koproduktion mit der Oper Frankfurt. Und zwar hochkarätig besetzt: Tenor Joseph Calleja sang in dem gerade anderthalbstündigen Dreiakter die Partie des zunächst liebesscheuen Fritz. Mit dem Rabbiner David, gesungen vom ehemaligen Frankfurter Ensemblemitglied und Publikumsliebling Zeljko Lucic, wettet er darum, dass er nie heiraten werde. Eine sanfte Intrige wird eingefädelt, die schöne Suzel auf Fritz angesetzt, Suzels Hochzeit angekündigt, bis der bald eifersüchtige Fritz bemerkt, dass er selbst der Bräutigam sein darf. „Amico Fritz“ war in der konzertanten Aufführung also tatsächlich bestens aufgehoben.

Wiederholung heute um 19 Uhr in der Alten Oper

Denn musikalisch ist das Werk eine hübsche Entdeckung, eher abseitig der Verismo-Strömung, die Mascagni selbst geprägt hat. Zum pastoral-idyllischen Tonfall hätte also nichts weniger gepasst als jenes Wettschreien, zu dem der frühere Generalmusikdirektor Paolo Carignani die konzertanten Opernaufführungen in der Alten Oper gern hochpegelte. Davon war nun Gastdirigent Carlo Montanaro erfreulich weit entfernt; er beflügelte das Opern- und Museumsorchester wie auch den meist dezent stimmungskolorierend eingesetzten Chor zu einer subtilen, lichten und erhellenden Interpretation – ganz ähnlich wie in seinem aktuellen Frankfurter Dirigat von „Adriana Lecouvreur“.

Die Solisten korrespondierten mit Montanaros fein-delikater Musizierhaltung vorzüglich. Als Fritz setzte Joseph Calleja seinen hellen, charakteristisch nasalen, perfekt fokussierten und mit der Kopfstimme unerhört leicht strahlenden Tenor glanzvoll in Szene, ebenso Zeljko Lucic seinen prachtvollen wie hoch kultivierten Bariton. Sopranistin Grazia Doronzio war die fast jugendlich leichte, aber dennoch kraftvolle Suzel, und in der Hosenrolle des Zigeuners Beppe gab Tanja Ariane Baumgartner, wie übrigens alle sieben Solisten, ein fundiert ausgearbeitetes Debüt: Francisco Brito und Vuyani Mlinde ergänzten als Federico und Hanezò die stark gefeierte Aufführung so zuverlässig wie Katharina Magiera als Wirtschafterin Caterina. „Amico Fritz“ klang dabei immer angenehm leicht, aber musikalisch nie seicht – und die bekannteste Nummer, das „Kirschen-Duett“, gab’s da capo als Zugabe.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Fabian Voswinkel/pixelio.de

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