Unstillbare Sammelleidenschaft

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Clegg (David Blackwell) will seinem Opfer Miranda (Meghan Treadway) eigentlich gar nicht an die Wäsche.

Frankfurt - Frederick Clegg mag schöne Dinge. Er ist ein Sammler. Vor allem Schmetterlinge haben es dem 28-Jährigen angetan. Von Christian Riethmüller 

Und weil der unscheinbare Verwaltungsangestellte das Glück hatte, im Fußball-Toto ein Vermögen zu gewinnen, kann er sich auch einige besonders prächtige Exemplare an die Wand hängen. Doch seine Bewunderung für die Schönheit geht noch weiter. In Gestalt der attraktiven Kunststudentin Miranda, der Clegg schon länger heimlich hinterhersteigt, ist aus Bewunderung Obsession geworden. Clegg will Miranda gleichfalls „sammeln“. Er betäubt die junge Frau und entführt sie in ein altes Landhaus, das er von seinem Gewinn gekauft hat. Dieses Haus verfügt über einen geräumigen Keller, den Clegg zu einem wohnlichen Verlies umgebaut hat. Dort soll Miranda bleiben, in seiner Nähe. Clegg hofft, seine Beute werde dann schon Gefühle für ihn entwickeln.

Die Geschichte, die der britische Autor John Fowles in seinem 1963 erschienenen Debütroman „The Collector“ erzählt, erinnert an reale Entführungsfälle, die in den vergangenen Jahren immer wieder die Öffentlichkeit schockiert haben. Es gibt sogar direkte Bezüge, weil einige Entführer Fowles’ Buch kannten und von diesem beeinflusst worden sein sollen. Dieser etwas schaurige Aspekt erklärt das ungebrochene Interesse an Fowles’ Debüt, selbst wenn andere Werke des 2005 gestorbenen Schriftstellers wie etwa „Die Geliebte des französischen Leutnants“ bekannter geworden sind. „The Collector“ jedenfalls inspirierte Songschreiber wie Drehbuchautoren und animierte 1998 den Beiten Mark Healy zu einer Bühnenfassung, die nun in einer Inszenierung von Guy Unsworth am English Theatre Frankfurt zu sehen ist.

Die ursprünglichen Monologe des Romans hat Healy zu einem kammerspielartigen Miteinander der Protagonisten umgeschrieben. Clegg, von David Blackwell als leicht linkische, übertrieben korrekte Figur mit autistischen Zügen dargestellt, hat hier in direkter Konfrontation mit der eher zickig als verängstigt wirkenden Miranda (Meghan Treadway) ein Katz-und-Maus-Spiel auszutragen, das die ihrem Entführer intellektuell überlegene Studentin nicht immer nur in der Rolle der Maus zeigt.

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In Unsworths unaufgeregter Inszenierung entwickelt sich der Horror erst ganz allmählich. Lange Zeit erscheint Clegg nur bedauernswert, bevor er sich schließlich entpuppt - und dies nicht als Connaisseur, der die Schönheit verehrt, sondern als Soziopath, der sich zum Herrscher über Leben und Tod aufschwingt und von seiner „Sammelleidenschaft“ nicht mehr lassen kann.

Quelle: op-online.de

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