Die Musical-Produktion „Grease“ gastiert erneut in der Mainmetropole - und weiß dennoch zu überraschen

Ensemble wie aus einem Guss

Im aktuellen „Grease“-Ensemble gibt es keine Schwachpunkte.

Frankfurt - Was wäre aus Sandy (Eva Serrarens) und Danny (Daniel Rakasz) geworden, wenn beide, wie geplant, auf verschiedene Klosterschulen gegangen wären? Gut, der Anführer der T-Birds wird ohnehin gelogen haben, als er der naiven jungen Frau in den Sommerferien 1959 von seinen schulischen Plänen erzählte. Von Thomas Ungeheuer

Aber die brave Sandy hätte recht gut in die Obhut von Ordensschwestern gepasst. So ist sie jedoch nach den freien Tagen an der Rydell High School gelandet, wo sie in den frechen Pink Ladies neue Freundinnen findet. Ihnen schwärmt sie von ihrem Ferienflirt Danny vor - nicht ahnend, dass der die selbe Schule besucht wie sie. .

Als die beiden zufällig aufeinander treffen, gibt sich der „Ladykiller“ vor seinen Freuden jedoch plötzlich ziemlich cool gegenüber Sandy. Sie versteht das nicht. In den Ferien war er „noch so nett“. Wird sich Danny in die Blonde mit dem Engelsgesicht verlieben, falls sie sich von Frenchy (Kym Boyson) Ohrringe stechen lässt? Vielleicht mag es den sportlichen T-Bird beeindrucken, wenn die schüchterne Pink Lady eine tolle Cheerleaderin wird? Wer wird wohl am Ende in der Jahrhunderthalle das Duett „You’re The One That I Want“ singen?

Als „Grease“ 1972 in New York als Musical uraufgeführt wurde, gab es noch einige heikle Fragen, bei denen sich so mancher fromme Geist die Ohren zugehalten hat. Derart vulgär und skandalös erschien das Stück. Auch in der heutigen Inszenierung findet man Gesten und Worte, die bedenklich sein könnten, würde über das Ganze nicht der „Grease“-Veteran David Gimore wachen, der das Musical geschmackssicher und mit viel absurdem Witz auf die Bühne bringt.

Sicher mag sich an dem farbenprächtigen Bühnenbild, den schrillen Kostümen und den temperamentvoll entworfenen Tanzchoreografien wenig verändert haben. Was jedoch schon nach wenigen Momenten auffällt, ist ein 21-köpfiges Ensemble, das die pointenreichen Dialoge in Deutsch und die wunderbar melodiösen Songs in Englisch vorträgt. Wohin man auch während des turbulenten Bühnengeschehens schaut, man entdeckt nirgends einen Darsteller oder eine Darstellerin mit blassem Auftreten. Ganz ohne Frage gehört dieses Ensemble zu den stärksten, im Vergleich mit all jenen, die seit 2007 mit „Grease“ in Frankfurt gastierten. In diesem Sinne brauchen Eva Serrarens und Daniel Rakasz, die als Hauptdarsteller bestens harmonieren, gar nicht so arg in den Vordergrund treten.

Zudem überrascht eine famos aufspielende Band, die unter der Leitung von Janice Aubrey nicht wie eine weichgespülte Musical-Kapelle klingt, sondern Lieder wie „Summernights“ oder „Greased Lightnin“ mit knackigem Sound runterrockt. Das angenehm schräge Musical der Autoren Waren Casey und Jim Jacobs amüsiert auf kurzweilige Weise.

Quelle: op-online.de

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