Entertainment mit Spaß

Stefan Gwildis in der Hayner Burg

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Stefan Gwildis haucht zusammen mit Tobias Neumann am Piano Blues- und Soulklassikern neues Leben ein.

Dreieich - Wer Stefan Gwildis kennt, der weiß, dass er das Publikum vom ersten Moment an zum Rasen zu bringen vermag. Auch bei seinem Auftritt in der Hayner Burg am Freitag enttäuscht der Hamburger Soulsänger in dieser Hinsicht nicht. Ganz im Gegenteil. Von Maren Cornils

Kaum ist der frenetische Begrüßungsapplaus verklungen und sind die ersten Akkorde von seinem großen Hit „Allem Anschein nach bist Du’s“, der deutschen Version des Bill Withers Hits „Aint’ t no sunshine when she’s gone“ verklungen, steht das Publikum, ganz besonders das weibliche, Kopf.

Verdient ist der immer wieder aufbrandende Zwischenapplaus allemal, gelingt es dem dank vieler Jahre als Straßenmusiker trainierten Künstler doch spielend, mit seinem Mund eine ganze Band zu imitieren. Ob Rassel, E-Gitarre oder Bass – Gwildis wechselt „das Instrument“ innerhalb von Sekunden, heizt dazwischen noch das Publikum an („gleich könnt ihr euch stundenlang entladen“) und gibt dann zum Ende des ersten Songs nochmal alles. Ein begnadeter Auftritt, der Programm ist und hervorragend zum Titel der aktuellen Tournee passt: „Freihändig, vierhändig – akustisch“.

Weiter geht es mit Gute-Laune-Songs wie „Spiel das Lied in Dir“ oder „Sie ist so süß“, bei dem das Publikum – wie bei beinahe jedem Titel – zum Mitklatschen aufgefordert ist. Dass Gwildis auch leiser, ja geradezu melancholische Töne beherrscht, beweist er in der Vertonung von einem kaum bekannten Heinz-Erhardt-Gedicht („Der Einsame“) oder auch in „Fall nicht auf mich rein“, in dem der Frauenliebling von Enttäuschung und dem Verlassen werden singt.

Doch Gwildis kann nicht nur mit seiner souligen, ausdrucksstarken Stimme begeistern. Er erweist sich auch als begnadeter Entertainer und verkappter Kabarettist. Keine Überleitung ohne Witz, gern auch mal auf eigene oder die Kosten des Publikums, das derlei Aufmerksamkeit genießt und geradezu um die Gunst des Charmeurs buhlt.

Aus Hamburg-Bergedorf angereist

Da darf Dieter kurz verlauten lassen, eigens für diesen Abend aus Hamburg-Bergedorf angereist zu sein, Patrizia unter falschem Vorwand Gwildis‘ Hand schütteln und Janine coram publico eine Songzeile des Sängers auf etwas eigenwillige Weise interpretieren.

Wenn Gwildis gerade nicht singt, bemüht er einen Gag, den er schon seit Jahren im Gepäck hat, und der auch diesmal seine Wirkung nicht verfehlt: Er gibt den Gospel-Prediger und tituliert seine Zuschauer im Minutentakt mit „Halleluja, Brüder und Schwestern“.

Am besten ist Gwildis jedoch immer dann, wenn er - zusammen mit Tobias Neumann am Piano - Blues- und Soulklassikern mit seiner unglaublich facettenreichen und wunderbar dunklen Stimme neues Leben einhaucht. Da kommt Billy Pauls sentimentale Barjazz-Nummer „Me and Mrs. Jones“ als „Sie lässt mich nicht mehr los“ daher, Marc Cohns „Walking in Memphis“ als „Gestern war gestern“ und Michel Legrands „Windmills of your minds“ als traurige Ballade von einem, der sich nie mehr verlieben will („Fall nicht auf mich ein“).

Vor romantischer Kulisse und bei herrlich milden Sommertemperaturen vergehen die Stunden mit Gwildis wie im Flug. Das Erstaunlichste aber ist: Von der ersten bis zur letzten Minute dieses beinahe dreistündigen Auftritts strahlt der Hamburger etwas aus, das viele erfolgreiche Künstler längst verloren haben: einen unglaublichen Spaß an dem, was er tut.

Quelle: op-online.de

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