Entzückendes Tanzmärchen

„Lord of the Dance“ steppt durch die Jahrhunderthalle

Frankfurt - Flotte Sohle: „Lord of the Dance“ begeistert einmal mehr in der Jahrhunderthalle. Von Peter Müller

Steppen bis der Arzt kommt. Oder: warum einfach nicht langweilig werden will, dass am Ende immer die Guten gewinnen. Also auch diesmal, in der bestens besetzten Jahrhunderthalle, wieder hellste Begeisterung und Ovationen für Michael Flatleys Dauerbrenner „Lord of the Dance“. Obwohl der Gründer-Urvater des Tap-Dance-Spektakels gleich nach seinem Kurz-Comeback 2010 die speziell gefertigten, „Hard Shoes“ oder „Horn Pipes“ genannten Steppstiefel gegen bequeme Golf-Treter ausgetauscht und sich auf Repräsentations-Aktivitäten verlegt hat. Aber bei einer Kult-Veranstaltung wie dieser drücken die treuen Fans gerne mal ein Auge zu - im „15. Jubiläumsjahr“ (nach germanischer Zeitrechnung), wo es binnen zweier Monate üppige 50 Auftritte zu bestaunen gibt, sowieso.

„Lord of the Dance“, uraufgeführt im Juni 1996 im Dubliner „Point Theatre“, das ist trotz mittlerweile 800 Shows in Deutschland und sagenhaften 75 Millionen Zuschauern weltweit noch immer ein verblüffender Publikumsmagnet. Dabei spielt auch kaum eine Rolle, wer aus den beiden mobilen Tour-Ensembles (eine feste Compagnie ist in Las Vegas zugange) auf der Bühne steht - und wer welchen Part gerade übernimmt. Das verführerisch Verlässliche an diesem energiegeladenen Tanz-Kraftwerk ist nämlich, dass sich die Form nur in Nuancen, der Inhalt gar nie nicht ändert.

Kampf zwischen Gut und Böse

Für die wenigen Tap-Dance-Allergiker: Es geht in der lose, über zwei dramatisch eskalierende Akte erzählten Kelten-Legende um den ewigen, gebührend schlicht erzählten Kampf zwischen Gut und Böse. Die Protagonisten in der „Battle“ um den Titel des Tanz-Meisters: ein lieblicher Lord (James Keegan), meist umrahmt von sehr sympathischer Gefolgschaft, und ein äußerst sinistrer Anti-Lord namens Don Dorcha (Zoltan Papp), meist umgerahmt von einer furchterregenden Soldateska, die den Totenkopf schon am schwarzen Helm vor sich herträgt.

Dazu sorgen, wie könnte es anders sein, eine schöne, reinherzige Blondine (Laura Jones als „Saoirse“) und eine auch schöne, aber diabolisch-brünette Verführerin (Maeve Donaghy als „Morrighan“) für amouröse Verwirrung. Nicht zu vergessen: elf herzallerliebste irische Elfen und eine kleine Magierin (Sophia Ereminovicz als „Little Spirit“) im Harlekin-Kostüm. Viel elementarer aber ist das, was die bis zu 22 Tänzer aus den teilweise rasant arrangierten Folklore-Nummern zaubern. Wenn nicht gerade das Violin-Duo Giada Costenaro/Anne Hatfield oder Mezzo-Sopran Mary-Anne Roddy mit Live-Einlagen glänzen, geben vom Band eingespielte Evergreens wie „Cry of the Celts“, „Warriors“ oder „Hell´s Kitchen“ den Sound für in der Tat atemberaubende Tap-Dance-Demonstrationen.

Gnadenlose Synchronität, perfekte Körperspannung, unglaubliches Tempo, Präsenz, Rhythmus und Takt -„same procedure as last year“ bis zum Happyend des wieder mal entzückenden Tanz-Märchens.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare