Abenteuer plus Prise Wohltätigkeit

In Uralt-Autos vom Allgäu nach Jordanien

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Sie fahren in drei alten Autos in zwei Wochen vom Allgäu bis nach Jordanien: die Eppertshäuser Fabian Tenzer (Dritter von rechts) und Meike Hennlein (rechts) sowie die vier weiteren Teammitglieder Bernhard Simon, Nina Berlet, Laura Voss und Johannes Feldmann, hier beim Spendensammeln auf dem Darmstädter Friedensplatz.

Eppertshausen - Fahre verwegen und tue Gutes dabei: Zwei Eppertshäuser fahren mit vier Freunden in Uralt-Autos eine Rallye Allgäu-Amman mit. Auf dem Weg werden Spenden verteilt, denn Schnelligkeit ist nicht entscheidend.Von Jens Dörr 

3 700 Kilometer: So lang ist laut Routenplaner die direkteste Straßenverbindung zwischen Oberstaufen und der jordanischen Hauptstadt Amman. Wenn sich Meike Hennlein (29) und Fabian Tenzer (28) am 7. Mai im Allgäu hinters Steuer ihres Uralt-Audi 100 C4 setzen, haben sie nicht nur zwei Wochen Fahrt, sondern ob etlicher Umwege an die 7 000 Kilometer vor sich. Das Paar aus Eppertshausen nimmt dann an der inzwischen zwölften Allgäu-Orient-Rallye teil. Zusammen mit ihren Freunden Bernhard Simon (31, stammt aus Mühlheim), Laura Voss (34, Maintal), Johannes Feldmann (27) und Nina Berlet (25, beide Bad Homburg) bilden sie das sechsköpfige Team „Kamelion“, das die Reise mit insgesamt drei Autos, allesamt Audi 100, antritt. Auf sie wie für 900 weitere Rallyeteilnehmer in 450 Fahrzeugen wartet ein großes Abenteuer mit einer Prise Wohltätigkeit.

„Fabian ist die Ursache allen Übels“, feixen drei Frauen und zwei Männer und zeigen dabei auf Tenzer. Der wurde vor drei Jahren erstmals auf die „Allgäu-Orient-Rallye“ des gleichnamigen Vereins aufmerksam. Die federführenden Personen im Verein pflegen freundschaftliche Beziehungen nach Jordanien, weshalb Amman als recht moderne Vier-Millionen-Hauptstadt des Königreichs von Anfang an als Ziel gesetzt war. Die Initiatoren leben wiederum in Oberstaufen, womit vor zwölf Jahren auch über den Startpunkt nicht lange diskutiert wurde.

Die Macher propagieren die Rallye als „eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt“ und als „bezahlbare Alternative“ zu den oft sehr teuren anderen großen Rallyes. 222 Euro lässt sich das Team „Kamelion“ die Teilnahmegebühr pro Person kosten. Hinzu kommen Ausgaben für den Rückflug von Jordanien nach Deutschland, für die Ausgaben während des Trips, zum Beispiel für die Fähre von der Türkei nach Israel, weil Syrien seit ein paar Jahren wegen des dortigen Bürgerkriegs ausgespart wird, und für die Fahrzeuge.

Für die gelten besondere Vorgaben: Zugelassen sind nur Autos, die mindestens 20 Jahre alt und straßentauglich sind sowie vom TÜV auf einen Wert von maximal 1 111,11 Euro taxiert wurden. Motorradfahrer dürfen inzwischen ebenfalls teilnehmen, sind aber in der Minderheit. Pro Übernachtung und Person dürfen die Teilnehmer höchstens 11,11 Euro ausgeben. „Wir nehmen Zelte mit und wollen auch viel im Auto schlafen“, blickt Hennlein voraus. Ein Outdoor-Outlet aus Eppertshausen zählt ebenso zu den bisher gewonnenen Sponsoren des Teams „Kamelion“ wie eine Handvoll anderer Unternehmen. Die geben Geld oder Dinge nicht in erster Linie für die sechs jungen Leute aus dem Rhein-Main-Gebiet. Vielmehr unterstützen sie damit die wohltätige Seite der Rallye.

Denn die nimmt großen Raum der zweiwöchigen Tour ein, auf der Navigationsgeräte ebenso untersagt sind wie die Nutzung von Autobahnen und allen mautpflichtigen Straßen. Um Schnelligkeit geht es bei der Allgäu-Orient-Rallye nicht, die Autos bewegen sich auf den Etappen in relativ kompakten Abständen. Der Sieger wird aufgrund der höchsten Punktzahl für die Lösung bestimmter, unterwegs eingestreuter Aufgaben gekürt. Das könne das Abhalten eines Spontan-konzerts in Istanbul ebenso wie der kurzfristige Bau einer Seifenkiste sein, erläutert Feldmann. Ums Gewinnen geht es nur am Rande, vordergründig derweil um den Spaß und die gute Sache.

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Denn neben dem allgemeinen guten Zweck der Rallye –am Zielort werden alle Fahrzeuge jordanischen Wohltätigkeitsorganisationen gespendet, das Siegerteam übereignet seinen Gewinn (ein Kamel) üblicherweise einer jungen Beduinenfamilie als Existenzgrundlage – verfolgen die Teilnehmer individuelle Benefizpläne. Die genaue Route ist zwar noch geheim, doch weiß das Team „Kamelion“ schon, dass man auch Bulgarien durchfahren wird. Dort wollen Hennlein, Tenzer und Co. einem Waisenhaus Geld- und Sachspenden überbringen. Alete gibt ihnen dafür kiloweise Kinderkost mit auf den Weg.

Zur großen Freude, für die das heimische Team im bulgarischen Waisenhaus sorgen wird, können nach wie vor Privatpersonen und Unternehmen aus der Region mit Geld- oder Sachspenden beitragen. Dies taten Freunde, Bekannte und wildfremde Passanten auch kürzlich in Darmstadt: Da standen die sechs Rallyefahrer mit ihren drei Audis auf dem Friedensplatz gegenüber des Weißen Turms und sammelten. Als kleines Dankeschön gab’s ein Foto des Spenders (zum Beispiel mit einem Stoffkamel), das später samt einer Folie direkt auf den Rallyefahrzeugen aufgebracht wird.

Schon bald geht für Hennlein, Tenzer und Co. das Abenteuer los. Es wird sie durch Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien bis in die Türkei führen, wo das Gros der dann kürzer werdenden Tagesetappen zu fahren sein wird. Ausgenommen eines „günaydin“ („Guten Morgen!“) sind die sechs Teilnehmer des Türkischen zwar nicht mächtig, wollen sich aber mit Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch bestmöglich durchschlagen.

Später geht es per Fähre von der Türkei weiter bis nach Israel und zum Ziel nach Jordanien. Im Gepäck sind neben Ersatzteilen dann auch das Buch „Audi 100 – So wird’s gemacht“ und das Know-how dreier Maschinenbauer im Team. Und natürlich jede Menge Lust auf Reise, Abenteuer und Helfen.

Weitere Informationen zur „Allgäu-Orient-Rallye“ gibt es online unter www.allgaeu-orient.de. Privatpersonen und Unternehmen, die das Vorhaben des Teams mit einer Geld- oder Sachspende unterstützen möchten, können die „Kamelion“-Mitglieder über Facebook (https://www.facebook.com/teamkamelion/) oder E-Mail (team.kamelion@gmail.com) erreichen.

Quelle: op-online.de

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