Im „Adler“ auf zu ungeahnter Höhe

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LSC-Pilot Andreas Langer mit Fluggast vor dem Rundflug.

Babenhausen - „Das Fliegen ist ein Stück von meinem Leben“, sagt Erich Stegmaier. Seit 57 Jahren ist der gebürtige Offenbacher in luftigen Höhen unterwegs. Von Petra Grimm

Der 82-jährige ist der älteste aktive Pilot des Babenhäuser Luftsportclubs (LSC), der am Samstag sein 60-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür und einer Hallenparty feierte.

Stegmaier zeigt auf ein altes Schwarz-Weiß-Foto, das mit anderen historischen Aufnahmen und Zeitungsartikeln ausgestellt ist: „Das sind mein Vater und mein Bruder mit einem Modellflugzeug. Ich komme aus einer Fliegerfamilie“, erzählt er. 1954 hat er in Egelsbach mit dem Segelflug begonnen. „1958 habe ich den Motorschein gemacht“, sagt Stegmaier, der seit etwa 40 Jahren Mitglied beim LSC ist und in Groß-Umstadt wohnt. Den kleinen Motorflieger, mit dem er noch immer ein- bis zweimal im Monat vom Babenhäuser Flugplatz abhebt, hat er 1996 selbst gebaut. Der Bausatz für die Kitfox kam aus Amerika. Brenzlige Situationen, wie den einen oder anderen Motorausfall, hat er als Flieger erlebt, aber auch gemeistert, ohne größere Blessuren davon zu tragen. „Der Vorteil bei einem kleinen Flugzeug ist ja, dass man auf jedem Acker notlanden kann. Man darf nur nicht in Panik geraten“, sagt der rüstige Senior, der einer der Ehrengäste bei der Party am Samstagabend war.

Gründung des Vereins am 25. April 1951

Drei Männer der ersten Stunde feierten den runden Geburtstag des LSC mit. Der Vereinsvorsitzende Wulf Heintzenberg ehrte die beiden Gründungsmitglieder Herbert Klump und Hans Metzger, außerdem Henry Drescher, der im Gründungsjahr beitrat. Seit 50 Jahren halten Lothar Stang und Heinz Klipper dem Verein die Treue.

25 flugbegeisterte Babenhäuser, darunter auch Helmut Krapp und Heinrich Schäfer, gründeten den Verein am 25. April 1951 in der Gaststätte „Zum Adler“. Eine Kopie des handgeschriebenen Gründungsprotokolls war beim Fest ausgestellt. Mit dem Modellflug ging es los, ab 1956 folgten erste Flüge mit einem Segelflieger, einem „Doppelraab“. Ab 1959 durften Motorflieger starten und im Mai 1965 fand der erste Flugtag unter der Regie der Amerikaner statt. Danach organisierte der LSC diese beliebten Veranstaltungen in regelmäßiger Folge selbst.

1971 wurde eine Flugzeughalle in Eigenleistung gebaut und der erste Motorsegler gekauft. Der Verein richtet seit 1976 Wettbewerbe aus, an denen er sich mit Erfolg selbst beteiligte. Der Flugzeugpark und die Mitgliederzahl wuchsen über die Jahre. Derzeit hat der LSC 240 Mitglieder, davon ist die Hälfte aktiv. Im Vereinsbesitz sind sechs Segelflugzeuge, drei Motorsegler, fünf Motorflugzeuge und ein Ultraleichtflieger. Zwölf ehrenamtliche Fluglehrer bilden in allen Sparten aus. Außerdem gehört eine rund 40 Mitglieder zählende Modellflugabteilung zum Verein.

Segelflieger mit 14 Jahren und Motorflugzeug ab 16 Jahren

„Wenn wir gewusst hätten, dass das Wetter so schön wird, hätten wir die Veranstaltung vielleicht auf zwei Tage ausgedehnt“, sagte Wulf Heintzenberg bei der Begrüßung der Gäste am Samstagabend im Rückblick auf den zu Ende gehenden Tag der Offenen Tür. Neben Infos rund ums den LSC und das Fliegen hatten die Besucher die Rundflüge genossen.

Kunstflug auf höchstem Niveau war auch zu sehen. So zeigte beispielsweise Wolfgang Fuchs, deutscher Vizemeister im Motorkunstflug, beeindruckende Manöver am strahlend blauen Himmel. Seine Loops und Turns ließen den Besuchern beim Blick nach oben den Atem stocken.

LSC-Vorsitzender Wulf Heintzenberg (rechts) ehrte die Gründungsmitglieder Herbert Klump, Hans Metzger und Henry Drescher (von links).

„Flugtage mit Vorführungen auch auswärtiger Piloten waren früher immer sehr beliebt. Der letzte war 2001. Wegen unserer Platzverhältnisse können wir sie leider nicht mehr veranstalten. Die Zuschauertribüne würde vor dem Wald im Naturschutzgebiet stehen. Das geht natürlich nicht. Und auf der anderen Seite an der Kaserne kann die Tribüne auch nicht sein, weil sie da zu nah an der Startbahn steht“, erklärte Heintzenberg, der Interessierte einlädt, an den Wochenenden den Flugplatz in Babenhausen zu besuchen. 15-minütige Rundflüge im Motorflieger werden für 30 Euro angeboten. Im Segelflieger kostet es 20 Euro pro Start. Wer seinen Flugschein machen möchte, kann auf dem Segelflieger mit 14 Jahren beginnen und im Motorflugzeug ab 16 Jahren. „Beim Segelflug dauert die Ausbildung etwa zwei Jahre und beim Motorflug eineinhalb“, sagte der LSC-Vorsitzende, der selbst seit 17 Jahren begeisterter Flieger ist und vom „Rundum-Blick“ aus einem Kleinflugzeug schwärmt: „Das ist mit dem Fliegen in einem Großflugzeug gar nicht zu vergleichen, weil man das komplette Panorama vor sich hat“.

Quelle: op-online.de

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