Äbbedshaiserisch für Nicht-Oigewaihde

Das „Kleine Eppertshäuser Wörterbuch“ steht vor Neuauflage

Unabdingbare Fibel für Äbbedshaiserisch.
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Unabdingbare Fibel für Äbbedshaiserisch.

Hecklebaasch. Menggenggel. Iwwerzweersch. Nein, das sind nicht die Namen dreier Zwerge aus „Herr der Ringe“, es sind drei Bezeichnungen im Eppertshausener – Verzeihung, natürlich im „Äbbedshaiser“ Dialekt. Und zwar für ein und dasselbe.

Eppertshausen – Mundart-Fremde bringt vielleicht die vierte Version „Dåschenånner“ auf die richtige verbale Fährte zu dem, um was es hier geht: nämlich Chaos oder eben Durcheinander auf hochdeutsch. Acht weitere Ausdrücke in heimischer Mundart stehen davon im „Kleinen Eppertshäuser Wörterbuch“.

Norbert Anton ist einer der drei Autoren des knapp 150-seitigen Werks. 2005 ist es in zweiter überarbeiteter und ergänzter Auflage herausgekommen, sechs Jahre nach dem Erstling. „Die Idee war nicht neu“, verrät Anton. Schon der ehemalige Bürgermeister Franz Gruber sammelte sporadisch Dialektwörter. Die Brüder Carlo und Claus Bernhard Blickhan, wie Anton in Eppertshausen geboren, griffen Grubers Einfall auf und setzten ihn konsequent um.

Anton, der beruflich im grafischen Gewerbe unterwegs war, wurde für die Gestaltung ins Boot geholt, mischte dann aber auch bei der Wortfindung mit. „Es waren hochinteressante Abende“, erinnert er sich. Kaum habe man ein bisschen gebabbelt, Äbbedshaiserisch natürlich, sei man vom Hundertsten ins Tausendste gekommen – 20 neue Wörter mindestens habe jeder von ihnen nach einem Treffen auf seinem Block stehen gehabt.

Knapp eineinhalb Jahre ging das so in Vorbereitung auf die Erstausgabe. Frei nach dem Leitsatz des 2013 verstorbenen Carlo Blickhan: „Sammeln, sichten und in Form bringen“, erzählt der heute 65 Jahre alte Anton. „Manchmal kamen wir wöchentlich, manchmal nur alle 14 Tage zusammen.“ Das Ergebnis in zweiter Auflage waren rund 2 500 Begriffe, nochmal 600 mehr als bei der ersten. Eine launige Sache, die zur Unterhaltung dient. Aber nicht nur, findet Anton. Ihm ist es auch wichtig, auf diese Weise eine sprachliche Epoche zu bewahren. „In zwei Generationen wird es diese Form der Mundart nicht mehr geben“, ist er sich nämlich sicher. Zu groß sei die Einmischung vor allem von größeren Städten. Und so mancher Eugeplackte, also ein frisch Eingebürgerter, nutze den kleinen Ort mit seinen rund 6 000 Einwohnern nur als Schlafstadt, verwurzle jedoch nicht mit dessen Kultur.

Das Resultat: Jahr für Jahr ginge der Charakter der Äbbedshaiser Sprooch ein bisschen mehr verloren. Die Angleichung der eigenen Sprachmelodie und der unterschiedlichen Begrifflichkeiten an die der Nachbardialekte tue ihr Übriges. Und das, obwohl in Zeiten der Globalisierung – wie im Vorwort des Eppertshäuser Wörterbuchs erwähnt – das Heimatgefühl mit all seinem individuell Vertrauten und Eigenen wieder im Kommen sei. Da bleibt nur eines: so viel Dialekt schwätzen wie möglich.

Das tut Anton, der dem traditionsbewussten Odenwaldklub Eppertshausen vorsteht und Bandmitglied der Folkgruppe „Saytensprung“ mit auch mal platt-deutschen Balladen ist. Auch wenn er genauso gut das Hochdeutsche beherrscht. „Sonst hätte mich ja meine Frau am Anfang gar nicht verstanden“, meint er schmunzelnd. Die gebürtige Essenerin spreche jetzt aber fast wie eine Euhåmische.

Mit dem „å“ aus „euhåmisch“ haben wir ein typisches Beispiel für den Äbbedshaiser Wortklang. Der Buchstabe spricht sich wie das „a“ im Englischen „warm“ als offenes o. Ansonsten täten die Äbbedshaiser gern schnoddern, beschreibt Anton die, die ihre Mundart heutzutage noch richtig können. Schnell reden und Endungen verschlucken, heißt das auf gut Deutsch. Nicht leicht für Unkundige, gibt Autor Claus Bernhard Blickhan, seit 1975 Richtung Bayern ausgewandert, in der Einführung des Wörterbuchs zu.

Mit dem Büchlein falle es Nicht-Oigewaihde aber vielleicht einfacher, das „ååne orrer ånnere“ besser zu verstehen. Auch, wieso einer im Ort so genannt wird, wie es eigentlich gar nicht seinem Namen entspricht. „Zum Beispiel gab es in Eppertshausen so viele Hans Müller, dass man sie irgendwie unterscheiden musste“, erklärt Anton. Diese ˝unamen (Beinamen), die sich auf etwas für die Person nicht immer schmeichelhaft Typisches bezogen, seien zum Teil weiterhin in Gebrauch.

15 Jahre ist die zweite Auflage nun her, längst ist sie vergriffen. Zeit für eine neue? Anton, inzwischen in Rente, macht sich dafür stark. Sprach bereits mit den damals Beteiligten über eine neue Kooperation. Als da sind der OWK mit seiner Stiftung, die Gemeinde und die Volksbank. Mit der Eppertshäuser VoBa war es damals „null Problem“, jetzt geht man auf die Volksbank Dreieich zu. Das Wörterbuch wird also ein rein regionales Produkt bleiben.

Und es wird nicht das einzige Projekt des rührigen Anton sein, der einst für die typografische Gestaltung der Eppertshäuser Chronik verantwortlich war. Denn im Moment plant er einen Bildband „Darmstadt-Dieburg in Strich- und Tuschezeichnungen“. Und womöglich ein Buch über sein anderes Lieblingsthema: die alten Mühlen in der Umgebung. (zkn)

Norbert Anton, Mitautor des längst vergriffenen Kleinen Eppertshäuser Wörterbuchs, macht sich für eine Neuauflage stark.

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