Kleine Akrobaten in der Manege

+
Der Zirkus Baldini zeigte, wie sich mit relativ einfachen Nummern eine große Wirkung erzielen lässt.

Eppertshausen - Volle Zirkusränge gibt es derzeit eigentlich nur beim Festival in Monte Carlo oder bei den ganz großen Manegen mit wilden Tieren. Von Michael Just

Die rund 330 kleinen Zirkusse in Deutschland, die oftmals einzig Haustieren kleine Kunststückchen beibringen, spielen meist vor einer handvoll Zuschauer und müssen nicht selten in Fußgängerzonen um Futterspenden bitten.

Anders beim Zirkus Baldini: Am Samstag präsentierte der Veranstalter am Vor- und am Nachmittag ein zum Bersten gefülltes Zelt mit 400 bis 500 Personen – alles Eltern oder Großeltern sowie Freunde und Verwandte der Akteure. Überall wurden Hälse gereckt und Foto- oder Videokameras hochgehalten, um die eigenen Kinder als Stars in der Manege zu sehen.

Zirkus Baldini neben dem Eppertshäuser Sportzentrum

Fünf Tage lang lud der Zirkus Baldini auf die Wiese neben dem Eppertshäuser Sportzentrum zum Ferien- beziehungsweise Mitmachzirkus ein. Das Angebot hatten die Kinder- und Jugendförderungen Eppertshausen und Münster sowie die Volksbank Eppertshausen mit ihrem Jugendclub organisiert.

Die 200 Kinder, die in zwei Gruppen aufgeteilt waren, lernten kleine Kunststückchen, dazu die Dressur und die Kommandos für die Tiere, die bei Baldini vorwiegend aus Ponys und quirligen Hunden bestehen. Christiane Breunig, Betreuerin von der Volksbank, dachte sich mit dem Thema „Raumschiff Enterprise“ sogar eine Rahmenhandlung fürs Programm aus. Als Besatzung machten sich Julia, Mandy und Jens auf die Suche nach der Energie-Perle, mit der die Erde weiter rotieren kann.

„Was mit den Ponys oder den Hunden machen“

„Die meisten Kinder wollen natürlich was mit den Ponys oder den Hunden machen“, weiß Baldini-Chef Rocky Krämer (29) und lacht. Mittlerweile hat er ein Gespür für die Veranlagung der Kinder, weiß, wer in welche Nummer passt und wo sich deren Schwierigkeit vielleicht noch ein wenig erhöhen lässt. „Jedes Kind sollte glücklich sein. Das ist stets das Wichtigste“, so Krämer. Im Vorteil waren vor allem jene Schüler, die im Turnverein sind. Vor allem die Mädchen taten sich hier als „Einsteiger-Akrobatinnen“ nicht nur beim gut gesicherten oder geführten Gang über das Trapezseil hervor. Dass auch Handstände zu einer großen Nummer werden können, dafür sorgten eine gute Choreografie, Musik und die Laser-Lichtshow.

So war der Erfolg des Ferienzirkus" augenscheinlich, ständig gab es Zwischenapp-laus und in den Augen der Eltern spiegelte sich mächtig der Stolz, als sich Sohn oder Tochter in der Manege verbeugten. Dass mit dem Mitmachzirkus das Geheimnis des Überlebens für viele kleine Zirkusse liegt, kann Krämer bestätigen. Doch die Aufgabe sei nicht einfach: „Viele haben es versucht und wieder aufgegeben“, erzählt er. Dahinter stecke harte Arbeit, da jedes Kind anders sei. Geholfen habe es, dass seine Frau Erzieherin von Beruf ist. Und auch das Grundkonzept, das der Groß-Zimmerner Jugendpfleger Tom Hicking für den kleinen Zirkus erarbeitete.

In ganz Hessen gebuchter Mitmach-Zirkus

Heute kann Baldini als ein in ganz Hessen gebuchter Mitmach-Zirkus und mit seinem normalen Programm problemlos überleben. Ylenia (10) hatte das Glück und durfte eine Woche mit den Eseln und den Ponys arbeiten. Zum Kennenlernen von Tier und Zirkusleben gehörte auch das Stallausmisten, was ihr aber Spaß machte. „Ich will das nächste Mal auf alle Fälle wieder dabei sein“, sagt sie.

Laut den Organisatoren will man das alle zwei Jahre stattfindende Gastspiel von Baldini beibehalten. Bei den Kindern ist jetzt schon wieder die Vorfreude da, wenn es erneut heißt „Manege frei für die Eppertshäuser und Münsterer Kinder-Zirkusstars.“

Quelle: op-online.de

Kommentare