Mordfall Görgü schaurig inszeniert

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Markus Görger (links) von der Kripo Darmstadt erläutert XY-Moderator Rudi Cerne die gar nicht so mageren Ermittlungsergebnisse im Mordfall Nilüfer Görgü.

Eppertshausen/Münster/Dieburg - Dafür, dass die Polizei bislang wenig über den Mörder weiß, schaffte es das ZDF indes brillant, in schockierender Art und Weise den Mord an der 38-jährigen Nilüfer Görgü in Eppertshausen in Szene zu setzen. Von Thomas Meier

Am Mittwochabend wurde dem Zuschauer in der Sendung „Aktenzeichen XY - ungelöst“ ein Drama um den gewaltsamen Tod der Mutter zweier Töchter nachgestellt, das es in sich hatte und unter die Haut ging. Schon Jahre vor den tödlichen Schüssen, die am 25. Januar 2007 auf offener Straße am Arbeitsplatz des Opfers in Eppertshausen fielen, blendet sich das ZDF ein. Mit dem Besuch bei einer Wahrsagerin wird die unheilvolle Geschichte um Scheidung, Männerbeziehungen, Internet-Kontakte und andere Probleme der Muslima eröffnet. Mit einer schwarzen Rose auf dem Grab in Dieburg endet der Beitrag über das brutale Schicksal der in Münster lebenden Türkin, die in Deutschland aufgewachsen und von spirituellen Praktiken fasziniert war. Vor den Bildern über die makabre Grabesidylle hallten die Schüsse, spritzte das Blut des Opfers in Nahaufnahme auf ein Bild der Tochter, das am Innenspiegel des Autos hing.

Auf dem Grab der in Eppertshausen erschossenen und in Münster lebenden Türkin in Dieburg hinterlegte jemand eine schwarze Rose. Das ZDF setzte nicht nur diese Szenerie des grausigen Mordfalls dramatisch um.

Die hyperreale Inszenierung muss sich zumindest für die Polizei bereits gelohnt haben. Markus Görger von der Kripo Darmstadt ist guter Dinge, den Mord an Nilüfer Görgü bald aufklären zu können. „Wir haben einen besonders viel versprechenden Anruf erhalten.“ Kommissar Görger und seine Kollegen hatten in der Sendung Fragen zur Tatwaffe, eine „Cvrena Zastava 99“ und eine sichergestellte „Ceska 75“, an die Zuschauer gerichtet.
Was hinter dem Anruf steckt, darf der Kriminalist freilich noch nicht ausplaudern, Darmstadts Polizeipressestelle verweist auf die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Von der erklärt Bernd Kunkelmann auf Nachfrage, dass bereits am Abend etliche Anrufe zu dem Fall entgegen genommen werden konnten.

Polizei sucht nach Männerbekanntschaften des Opfers

Rund ein Dutzend Hinweise seien direkt in Darmstadt eingegangen, etwas weniger über die Studioleitung in der ZDF-Sendezentrale in München. „Inhaltlich wollen wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht über neue Erkenntnisse äußern“, sagt der Staatsanwalt, der jedoch aus Erfahrung weiß: „XY ist eine Sendung mit hohem Multiplikationsfaktor. Heute reden die Leute darüber, was sie gestern im Fernsehen sahen. Manche denken noch ein wenig darüber nach, und sukzessive laufen die Informationen bei uns noch viele Tage später ein.“

In den Monaten vor ihrem Tod hatte Nilüfer Görgü Kontakt zu mehreren Männern. Sie suchte einen Partner, der auch bereit ist, die Vaterrolle bei ihren beiden Töchtern zu übernehmen. Doch die Bekanntschaften, die sie im Internet schloss, führten nicht zu einer festen Beziehung. Heute hält es die Kripo für wahrscheinlich, dass Nilüfer Görgü sich durch eine Liebschaft in Gefahr gebracht hat.

Informationen nimmt die Kripo Darmstadt unter der Nummer 06151/9694848 entgegen.

Denn nach jahrelangen erfolglosen Ermittlungen stellte sich heraus: Eine Woche nach der Beerdigung auf dem Friedhof in Dieburg, im Februar 2007, muss jemand eine schwarze Rose mit roter Schleife auf das Grab der ermordeten türkischen Mutter gelegt haben. Die Polizei ist überzeugt, dass es sich um einen makaberen Gruß des Täters oder der Täterin an die Ermordete handelt. Die Rose bedeutet: Du hast den Tod verdient. Waren zunächst eher männliche Täter im Fokus der Ermittler, so erscheint es heute mindestens ebenso möglich, dass eine Frau die Tat beging - etwa aus Eifersucht.

Folgende Fragen sind der Polizei besonders wichtig:

  • Wer kann Angaben machen über Nilüfer Görgüs Männerbekanntschaften?
  • Wer hat sie oder ihren Wagen - einen schwarzen Peugeot 307, Baujahr 2005, mit dem Kennzeichen: DA-BE 9193 - am 25. Januar 2007 mittags gesehen?
  • Wer hat im Umfeld des Tatorts verdächtige Beobachtungen gemacht?

Auch über Waffen hofft die Polizei weiter zu kommen:

Tatwaffe war eine serbische Pistole, eine „Crvena Zastava“ CZ 99. Sie wird vor allem beim Militär und bei der Polizei in Serbien genutzt. Sie ist aber auch die Dienstwaffe iranischer Offiziere. Bei den Ermittlungen spielt eine weitere Pistole eine nicht weiter erklärte Rolle, eine „Ceska“, Modell 75.

Quelle: op-online.de

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