Klanggewaltige Kosaken

Ensemble aus Weißrussland brilliert in Altheimer Kirche

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Eindrucksvoll trägt Tenor Andreij Voranov in der Altheimer Kirche die Geschichte des Ataman Stenka Rasin vor.

Die sieben Glorreichen – kennt man seit 1960 als Westernhelden aus dem Kino, Vorlage für die Story waren die Sieben Samurai aus Japan, die seit 1954 über die Kinoleinwand flimmern. Ihnen gemeinsam ist, dass es reitende Kämpfer waren. Pferde sind auch das verbindende Element zu den sieben Kosaken, die am Freitagabend die Kirche in Altheim aufsuchten.

Altheim –  Hoch zu Ross eroberten und erschlossen Kosaken das russische Sibirien und den Nordkaukasus. Weit weniger kriegerisch und vor allem ohne Pferde waren sieben der „Maxim Kowalew Don Kosaken“ nach Altheim gekommen, um die Gunst des Publikums zu erobern. Sie taten es, wie wir im Westen es von „Don Kosaken“ gewohnt sind, nämlich mit Gesang. Sieben Sänger aus dem sonst wesentlich größeren, nur zu besonderen Anlässen in seiner gesamten Größe auftretenden Ensemble, waren erschienen, um den mehr als 60 Konzertbesuchern anspruchsvolle russische Vokalmusik zu Gehör zu bringen. Nach Begrüßung der Konzertbesucher durch den Hausherrn, Pfarrer Ulrich Möbus, traten die Sänger im Kosaken-Outfit – schwarze Kleidung, hohe Stiefel, Gürtel und Schultergurt – vor den Altar.

Sie stammen allesamt aus Weißrussland und haben ein abgeschlossenes Gesangstudium. Das dies erfolgreich war, bezweifelte keiner der Zuhörer, denn bereits im ersten Teil des Programms wurden die einzelnen Stücke klanggewaltig und mit große Klangfülle vorgetragen. Und egal, ob tiefe oder hohe Töne; allesamt waren kristallklar und mit einem unglaublichen Timbre verbunden. Das musikalische Ereignis hatte mit sakralen Klängen aus russisch-orthodoxer Tradition begonnen. Die „Seligpreisungen“, die „Klosterlegende“, das Lied „Heiliger Baikalsee“ oder „Suliko“, ein Volkslied aus Georgien, wurden von den Sängern meisterhaft vorgetragen. Es erklangen aber auch das unseren Ohren vertraute „Ave Maria“ von Bach/Gounod und „Vetsherni zvon“, die bekannten Abendglocken. Ein Konzert russischer Sänger ohne die Hymne „Kol slawen nasch“ ist nicht vorstellbar. Die Melodie komponierte 1822 Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski, der deutsche Text stammt aus der Feder des pietistischen Predigers Gerhard Tersteegen. Dieser Choral, bekannt unter dem Namen „Ich bete an die Macht der Liebe“ wird regelmäßig als Bestandteil des Großen Zapfenstreichs der Deutschen Bundeswehr gespielt.

Nach einer kurzen Pause wurden die vorgetragenen Stücke weltlicher, russische Volksweisen standen im zweiten Teil des Programms im Vordergrund. Beim Kosakenmarsch „Hinter dem Don“, meinte man das Hufgeklapper der Pferde herauszuhören, mit „Schneegestöber“ und „Marusja“ entführten die Künstler temperamentvoll in vergangene russische Zeiten.

Melancholisch, romantisch und sanft dagegen das alte Kosakenlied „Stenka Rasin“, das zu Ehren des berühmten Kosaken Atamans Stenka Rasin vertont wurde. Mit dem „Wolgalied“ von Franz Lehar aus der Operette der Zarewitsch wurde es etwas besinnlicher, bevor dank instrumentaler Unterstützung durch ein Bajan (die osteuropäische Form des Chromatischen Knopfakkordeons) auch das Publikum zum Mitsingen beim schwungvoll vorgetragenen „Kalinka“ animiert wurde.

Ohne Zugaben geht so ein Konzertabend natürlich nicht zu Ende. Als letztes erklang „Guten Abend, gut´ Nacht“, bei dem wiederum die Zuhörer in der Kirche zum Mitsingen aufgefordert waren.

VON PETER PANKNIN

Quelle: op-online.de

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