Krötenwanderung

Sechs Tunnel sichern Amphibien Überleben

+
Todesangst müssen nur die Kröten auf dem Bild haben. Zwischen Eppertshausen und Messel auf der Kreisstraße 180 gibt es dagegen sechs Tunnel, durch die die Amphibien sicher auf die andere Straßenseite geleitet werden können.

Eppertshausen - Sich großen Gefahren aussetzen, das kennen Frösche und Kröten. Jedes Frühjahr begeben sich die Amphibien auf einen beschwerlichen Weg zu ihren Laichplätzen. Durch Wälder, Bäche und Felder sowie über gefährliche Straßen.

So auch in der nahen Umgebung: An der Kreisstraße 180 zwischen Eppertshausen und Messel wandern die Amphibien von Februar bis April zum Ablaichen ins Naturschutzgebiet Rallenteich.

Und sie bekommen Hilfe auf ihrem Weg. Die Mitglieder der Naturschutzgruppe Eppertshausen bauten schon seit 1987 bis 1994 jährlich einen Folienzaun von zirka 700 Metern Länge im Februar auf und Ende April wieder ab. Von 1994 bis 2012 war dann ein fester Holzzaun installiert, der in Eigenarbeit gefertigt wurde. Beide Varianten hatten nur ein Ziel: Die Frösche und Kröten nicht einfach auf die Straße zu lassen. Sie sollten sich am Zaun entlang bewegen und dann in 30 eingegrabene Eimer fallen – zu ihrem eigenen Schutz.

Zwischen 2.000 und 5.000 Amphibien beim Überqueren der Straße geholfen

Die in den Eimern befindlichen Frösche und Kröten wurden von den Helfern jeden Tag auf die jeweils andere Straßenseite gebracht – sowohl bei der Hin-, als auch bei ihrer Rückwanderung. Die Anzahl der übergesetzten Amphibien schwankte jährlich zwischen 2.000 und 5.000. So kam seit 1987 eine beachtliche Zahl zusammen: Rund 65.000 Tiere seien seitdem umgesetzt worden, berichtete Norbert Anton, der Vorsitzende des Odenwaldklubs.

Ohne die Hilfe der Menschen wären die Tiere dem fließenden Straßenverkehr ausgesetzt gewesen und hätten beim Überqueren der Straße wohl nur geringe Überlebenschancen gehabt.

Sechs Tunnel unter der Kreisstraße 180

Symbolische Scheckübergabe (von links): Bürgermeister Carsten Helfmann, Naturschutzwart Jürgen Reinecke, Fraport-Mitarbeiterin Thi Quyen-Thuy Nguyen, Karsten Heinrich von der Naturschutzbehörde und der OWK-Vorsitzende Norbert Anton.

Seit dem vergangenen Jahr wird die Arbeit der Helfer nicht mehr benötigt. Bei einer Sanierung der Kreisstraße 180 wurde eine Leiteinrichtung mit sechs Tunneln unter der Straße gebaut, so dass die Amphibien die Straße vom Autoverkehr nun ungefährdet unterqueren können. Eine tägliche Kontrolle und Umsetzaktion ist nicht mehr nötig.
Aus diesem Anlass veranstaltete der Odenwaldklub Eppertshausen nun ein Abschlussessen für die Helfer, um die jahrelange freiwillige Arbeit noch einmal zu würdigen. Zu Beginn begrüßte der Vorsitzende Anton die rund 70 anwesenden Gäste, darunter den Ehrenvorsitzenden Hans Krickser sowie die Ehrenmitglieder Josef Spielvogel und Valentin Freund.

30.000 Euro Fördergeld für die Amphibientunnel

Als externe Gäste waren Bürgermeister Carsten Helfmann, Elke Liem und Jürgen Geist vom Bauamt Eppertshausen, Karsten Heinrich von der Naturschutzbehörde, die Sachbearbeiterin der Fraport-Umweltförderung Thi Quyen-Thuy Nguyen sowie der Dieburger Forstamtsleiter Helmut Seitel gekommen.

All diese Behörden hätten einen Anteil an der neuen Amphibien-Leiteinrichtung, sagte Anton. So förderte beispielsweise die Fraport AG das Projekt auf Antrag des Odenwaldklubs Eppertshausen mit 30.000 Euro. Die Gesamtkosten von rund 100.000 konnte damit auf 70.000 Euro reduziert werden. Am Abend erfolgte eine symbolische Scheckübergabe an den Odenwaldklub und den Kreis Darmstadt-Dieburg. Zudem bedankte sich Anton bei Jürgen Reinecke, dem Naturschutzwart des Odenwaldklubs, sowie den vielen Helfern für ihren ehrenamtlichen Einsatz in den vergangenen Jahren.

7.500 Arbeitsstunden um Amphibienzaun aufzustellen

Einige seien sogar schon von Anfang an dabei gewesen. Anton betonte, wie froh er sei, dass die Amphibienaktionen in den 25 Jahren unfallfrei abgelaufen sind – sowohl für die Tiere, als auch für die Helfer. Bürgermeister Helfmann steuerte einen kleinen Obolus der Gemeinde zum Gelingen der Feier bei. Und Naturschutzwart Reinecke wies vor allem auf den hohen Arbeitsaufwand hin. Immerhin seien insgesamt rund 7.500 Arbeitsstunden investiert worden, um den Amphibienzaun aufzubauen und über die Jahre instand zu halten.

Nun wurde eine endgültige Lösung gefunden, die vor allem einen Vorteil hat: Frösche und Kröten müssen sich durch die neuen Tunnel deutlich weniger Gefahren aussetzen.

Die am stärksten bedrohten Tierarten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

dani

Quelle: op-online.de

Kommentare