Heftige Kritik von Anwohnern

Angst vor einem „Brennpunkt“ in der Mozartstraße

+
Auf diesem Grundstück im Knick zwischen Mozartstraße und Hüttenstraße will die Gemeinde parallel zur Dreieichbahn ein dreistöckiges Gebäude mit 14 Wohnungen und insgesamt 1000 Quadratmetern Wohnfläche bauen lassen.

Eppertshausen - Auf der Bürgerversammlung war es kürzlich das am emotionalsten besprochene Thema: Das Wohnbauprojekt der Gemeinde in der Mozartstraße. Bürgermeister Carsten Helfmann will die Diskussion versachlichen. Von Jens Dörr

Im Knick zwischen Mozart- und Hüttenstraße will die Gemeinde parallel zur Dreieichbahn auf einem ihr gehörenden Grundstück ein dreistöckiges Gebäude mit 14 Wohnungen und insgesamt 1 000 Quadratmetern Wohnfläche bauen lassen. Dort befürchten einige der Nachbarn die Entstehung eines „Brennpunkts“ und kritisierten auf der Versammlung die Bauweise. Bürgermeister Carsten Helfmann versucht, die Sorgen etwas zu nehmen. Was genau ist auf dem Areal neben den Gleisen, auf dem derzeit nichts als Rasen und eine Tischtennis-Platte aus Stein zu finden sind, geplant? Zunächst einmal: „Es wird keine Flüchtlingsunterkunft“, wie Helfmann herausstellte.

Die monatliche Quadratmeter-Kaltmiete soll in allen Wohnungen maximal 7,05 Euro betragen. Im zu errichtenden Objekt auf dem Grundstück, das derzeit „nur ein Hundeklo“ (Helfmann) sei, sollen Menschen zum Zuge kommen, die sich auf dem deutlich teureren freien Eppertshäuser Mietmarkt kaum eine Wohnung leisten können. Die Gemeinde werde nicht nur Bauherr sein, sondern auch über die Zusammensetzung der Mieter entscheiden. „Wir werden darauf achten, dass der Mix stimmt“, versprach der Bürgermeister. Er könne „aber nicht unterschreiben, dass kein Iraker oder Syrer einzieht“. Strebt der deutsche Staat doch auch für Menschen, die als Asylbewerber anerkannt wurden, den Umzug aus einer Gemeinschaftsunterkunft in eine normale Wohnung an.

So könnte das neue Objekt nach einer Skizze aussehen – betrachtet einmal von der Ost- und einmal von der Westseite her.

Die 14 geplanten Wohnungen auf drei Ebenen sollen allesamt barrierefrei werden. Den Löwenanteil sollen Zwei-Zimmer-Wohnungen einnehmen, von ihnen sind zehn Stück mit rund 65 Quadratmetern Wohnfläche vorgesehen. Eine dieser Zwei-Zimmer-Wohnungen soll sogar rollstuhlfahrergerecht werden. Die größten Wohnungen im Haus sollen bis zu 90 Quadratmeter groß werden. Im Zuge des sozialen Wohnungsbaus durch die Gemeinde würde auch ein Teil des benachbarten und nicht übermäßig genutzten Park-and-Ride-Parkplatzes verschwinden, kündigt Helfmann an.

Für das Projekt veranschlage Eppertshausen 2,0 bis 2,2 Millionen Euro. „Das Objekt rechnet sich nicht, Geld verdienen wird da keiner“, stellte der Rathaus-Chef heraus. Wohl auch um zu verdeutlichen, weshalb man im Zuge der bisherigen Planungen keinen attraktiveren Baustil gewählt habe. Denn nach der Präsentation einer Skizze bezeichneten Anwohner das geplante Bauwerk als alles andere denn schön. Die Urteile reichten von „wie ein Plattenbau“ bis hin zu „wie eine Kaserne“. Auch Helfmann selbst mochte von der vorgesehenen Optik des Objekts nicht gerade schwärmen, erläuterte aber, dass etwas Attraktiveres pro Quadratmeter noch teurer und damit das Budget sprengen würde.

Architekturtrend: Energetisches Sanieren

Einige Anwohner befriedigte diese Aussage nicht. Befürchtungen einer „Ghettoisierung“ machten die Runde, eine Frau brachte sogar den dann doch ziemlich überzogen anmutenden Vergleich mit dem Dietzenbacher „Starkenburg-Ring“ ins Spiel. Schon jetzt würden auf dem benachbarten Parkplatz regelmäßig Partys gefeiert, von weiteren Störungen durch die möglichen neuen Nachbarn und damit eine Verringerung der Lebensqualität in der Nachbarschaft sowie einem Wertverlust der eigenen Immobilie sei sicher auszugehen. Helfmann sah derlei weit weniger drohen: „Ich verstehe, dass Sie Angst haben“, wandte er sich an die Kritiker. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Mozartstraße dadurch zum Brennpunkt wird.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare