Ankunft in der neuen Heimat

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Etwas müde und erschöpft ist Familie Klyana bei ihrer Ankunft. Begrüßt werden sie von Pfarrer Harald Christian Röper im grauen Sakko und Domkapitular Hans-Jürgen Eberhard, der eine Bibel in arabischer Sprache als Geschenk dabei hat.

Eppertshausen - Gleich sind sie da, die besonderen Gäste. Es ist Dienstagnachmittag und ein kleines Empfangskomitee hat sich vor dem katholischen Pfarrhaus in Eppertshausen eingefunden. In wenigen Minuten wird die sechsköpfige Familie aus dem Irak, ihr neues Heim in der Gemeinde beziehen. Von Jasmin Frank 

Einer in der wartenden Gruppe ist Thomas Koch, Integrationsbeauftragter des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Er erzählt, dass im Rahmen eines EU-Abkommens insgesamt 2500 Flüchtlinge aus dem Irak von Deutschland aufgenommen werden sollen, ein Teil davon auch in seinem Bezirk. Nachdem nun längere Zeit nichts mehr von dem Projekt zu hören war, ging vor einer Woche der Anruf beim ihm ein, dass die drei ersten Familien für seinen Landkreis angekommen sind.

Sofort wandte ich mich an Pfarrer Röper und fragte nach, ob sein vor einiger Zeit ausgesprochenes Angebot, eine Familie aufzunehmen noch stehe, worauf dieser spontan zusagte“, berichtet Koch. Für die Iraker ist das ein großes Glück, da sie nun eine eigene Wohnung beziehen können und nicht in eine Gemeinschaftsunterkunft müssen.

Doch dann, als die neuen Bewohner endlich eintreffen, herrschen Müdigkeit und Erschöpfung vor. Ihre Erleichterung und Freude sieht man aber trotzdem. Vorsichtig gehen die Eltern mit ihren vier Kindern im Alter von zehn bis 24 Jahren (zwei Mädchen, zwei Jungs) durch das Haus und schauen sich alles in Ruhe an. Vorne weg läuft Pfarrer Harald Christian Röper, der an diesem zwar Tag seinen 68. Geburtstag feiert, sich aber für diesen Termin gerne Zeit nimmt. Neben Gemeindereferent Hermann Danz ist auch die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Sheila Fuchs, mit von der Partie. Sie geht davon aus, dass sich in den nächsten Tagen und Wochen von Seiten der Kirchengemeinde Helfer finden werden, die der Familie den Alltag in Eppertshausen näher bringen können. Nachdem Stück um Stück des Gepäcks der Flüchtlinge seinen Weg ins Dachgeschoss gefunden hat, erläutert einer der beiden Söhne, Jorje Klyana (20), der Einzige der Familie, der ein bisschen Englisch kann, welche Odyssee sie hinter sich gebracht haben. Schon im Jahr 2007 ist die Familie aus dem Irak nach Syrien geflohen, da sie in ihrer Heimat wegen ihres christlichen Glaubens bedroht wurde.

Von dort aus ging es in diesem Jahr nach Deutschland mit dem Zielort Hannover und dann vor 13 Tagen weiter in die Sammelunterkunft Friedland. Danach werden die Ankömmlinge normalerweise in die jeweiligen Bundesländer verteilt und von dort aus wieder einzelnen Gemeinden zugeordnet. Die Familie Klyana kam aber ohne weitere Umwege direkt nach Eppertshausen. In den Irak wie er jetzt ist, wollen sie nicht zurück.

Nach diesen Strapazen berichten die Eltern, Jamil und Maria Klyana, dem ebenfalls in Eppertshausen wohnenden Dolmetscher Aland Hina, dass sie sich ein neues Leben in Deutschland erhoffen. „Wir wünschen uns Arbeit für uns selbst und eine gute Schule für unsere Kinder.“ Die haben Glück, denn jetzt sind erst einmal Sommerferien, so dass das Lernen für sie erst in sechs Wochen beginnt.

Als besondere Willkommensgeste überreichte der eigens angereiste Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt dem stolzen Familienvater eine arabische Bibel, die dieser gerührt entgegennimmt und küsst. Morgen früh dann, wenn sie ausgeschlafen haben, geht es los zur Erkundungs- und Einkaufstour in der neuen Heimat.

Quelle: op-online.de

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