Ansturm auf den Wald

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Förster Seipp markiert einen am Boden liegenden Baumstamm für die Selbstwerber. Jeder der Brennholz-Sammler darf in einem bestimmten Bereich das dafür vorgesehene Holz mitnehmen.

Eppertshausen ‐ In Zeiten steigender Energiekosten kommt zu allem Überfluss auch noch ein besonders kalter Winter hinzu – Grund genug, beim Heizen zu sparen. Von einem hohen Zulauf auf Brennholz spricht daher Förster Lothar Seipp: „Wegen der Verteuerung der Preise von Heizöl und Gas verzeichnen wir einen Ansturm von Selbstwerbern.“ Von Niels Britsch

Selbstwerben bedeutet im Forst-Jargon Brennholz für den Eigenbedarf sammeln, und die Nachfrage steigt stetig: Allein in Eppertshausen sind es laut Seipp ungefähr 40 Personen, die einen Berechtigungsschein zum Selbstwerben haben. Lothar Seipp ist als Förster jedoch nur für den Gemeindewald zuständig; er schätzt, dass es in anderen Revieren wie dem Staatswald noch weitere Eppertshäuser Holzeinsammler gibt.

Der Ansturm auf Brennholz ist gar so groß, dass Seipp die Menge zunächst auf fünf Raummeter pro Interessent begrenzt hat, zumindest was das gefragte Laubholz angeht. „Damit jeder etwas kriegt“, begründet er die Restriktion. „Ansonsten muss man Nadelholz nehmen.“ Da nur das herumliegende Holz zur Verfügung steht, welches von forstlicher Seite nicht verwertet wird, ist der Vorrat begrenzt.

Auch Nadelholz zum Heizen geeignet

Besonders beliebt ist bei den Selbstwerbern Laubholz wie Buche oder Eiche. Der Raummeter hiervon kostet 25 Euro, Nadelholz ist zehn Euro billiger. „Ich versuche den Leuten klarzumachen, dass auch Nadelholz zum Heizen geeignet ist.“

Einer der Eppertshäuser Selbstwerber ist Manfred Beckmann, seit 1983 verbringt er jeden Winter zwei bis drei Samstage im Wald. Das komplette Haus, Erdgeschoss und das erste Stockwerk, beheize er über den Winter mit Holz, erzählt er. „Nur wenn wir länger weg sind, mache ich die Gasheizung an.“ Das Feuern mit dem Kachelofen sei günstiger als herkömmliches Heizen. Er verbraucht dabei zwischen zehn und zwölf Meter Holz. „Außerdem macht es auch Spaß; man ist draußen in der Natur und hat ein wenig Abwechslung.“

Volker Murmann, ebenfalls Selbstwerber, kann dies nur bestätigen: Für den Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung ist der Einsatz im Wald auch ein Ausgleich für die Bürotätigkeit. An mehr als zehn Samstagen im Winter geht er mit zwei Freunden in den Wald. „Man sagt ja, Holz wärmt dreimal: Erstmal im Wald beim Schneiden und Sammeln, dann beim Transport und zuletzt beim Verbrennen.“

Normalerweise verbrauche er zwischen vier und sechs Raummeter pro kalter Jahreszeit, in diesem Winter habe er jedoch schon 20 Prozent mehr verbrannt. „Gerade in einem so harten Winter macht sich der Kostenfaktor bemerkbar.“

Strenge Regeln für das Holzsammeln

Es sei eine angenehme Wärme, die lange gespeichert werde. „Sie soll auch gesünder sein, da die Gefahr von Pilzbefall in der Wohnung geringer ist“. Murmann verweist darauf, dass das Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Baum ökologischer sei: „Beim Holzverbrennen wird nur so viel Kohlendioxid abgegeben, wie der Baum beim Wachsen aufnimmt - es ist klimaneutral. Andere Rohstoffe wie Gas und Öl sind begrenzt, allein Transport und Pipelines sind aufwändig und umweltschädlich.“

Allerdings ist auch Holz begrenzt, denn zur Verfügung steht nur das am Boden liegende Restholz, welches das Jahr über aus Pflege-Eingriffen oder Sturmschäden angefallen ist, erklärt Förster Seipp. Und da die Nachfrage steigt, wird vor allem das Laubholz schnell knapp.

Die Selbstwerbezeit beginnt im Oktober und endet im Frühjahr. „Ende März soll wieder Ruhe im Wald sein, wenn die Brutzeit der Vögel beginnt und das Wild wieder aktiv wird“, so der Förster.

Insgesamt gelten für das Holzsammeln strenge Regeln: Das geschnittene und eingelesene Holz darf nur auf bestimmten, dafür vorgesehenen Gassen an die Gehwege transportiert werden und wer mit einer Kettensäge hantiert, muss vorher einen entsprechenden Lehrgang besucht haben, Schutzkleidung tragen und er darf nur biologisch abbaubares Kettenöl verwenden. Wer keine Säge benutzt, kann zwar auch ohne Fortbildung Holz sammeln, doch der Förster und die beiden langjährigen Eppertshäuser Selbstwerber sind sich einig, dass gewisse Vorkenntnisse notwendig sind: „Es ist sinnvoll, vorher einen Lehrgang für Selbstwerber zu besuchen.“

Quelle: op-online.de

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