Vorschulische Förderung: Was ist auffällig?

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Das Aha-Erlebnis beim Griff in einen Berg Rasierschaum wirkt sprachfördernd. Das lernten Erzieherinnen aus über 30 Kitas im Altkreis bei einer Informationsveranstaltung in der Mira-Lobe-Sprachheilschule.

Eppertshausen - Schon alleine im Sinne der Kinder ist es gut, wenn die Erzieherinnen in Kindergärten Entwicklungsdefizite ihrer Sprösslinge frühzeitig erkennen. Von Michael Just

Zu einer Info-Veranstaltung lud jetzt die Sprachheilschule des Landkreises Darmstadt-Dieburg, die Mira-Lobe-Schule (MLS), die Erzieherinnen aus den 75 Kitas im Ostkreis ein. Rund die Hälfte der Kitas nahm teil, was eine gute Resonanz von 70 Personen bedeutete.

Dem Angebot oblag schon deshalb besonderes Augenmerk, da die letzte Veranstaltung dieser Art vor drei Jahren noch am alten Standort in Klein-Umstadt stattfand. Auf dem Programm standen diverse Vorträge, etwa woran man eine übliche und eine auffällige Sprachentwicklung unterscheidet oder welche vor- und außerschulischen Fördermöglichkeiten existieren. Auch gehörte eine Schulbesichtigung zum Angebot. Die war mit der Information verbunden, wie der Weg auf die MLS führt.

Gekommen waren auch Nicole Rühl und Monika Reichenbach von der Dieburger Kita St. Wolfgang. Sie wollten erfahren, wie man Sprachauffälligkeiten differenziert. „Oft stellt sich die Frage, sind die Defizite noch im Rahmen oder nicht?“, führt Nicole Rühl an. Schließlich gebe es Auffälligkeiten, die nach einer gewissen Zeit von selbst verschwänden. Ein weiterer Punkt: Wie geht man mit den betroffenen Eltern um? „Alle Eltern möchten ein normales Kind. Für einige ist dann schwer verständlich, dass ausgerechnet ihr Kind Sprachschwierigkeiten hat“, sagt Rühl. Anderen Eltern gelte es, Ängste zu nehmen, wie es nun weitergeht. Einig waren sich die beiden Frauen, dass es Auffälligkeiten unter allen Umständen mitzuteilen gilt. Keiner Erzieherin sei daran gelegen, später von Eltern oder anderen Institutionen einen Vorwurf gemacht zu bekommen, nichts gesagt zu haben.

Das gilt umso mehr, da immer mehr Kinder verhaltensauffällig sind. Und dies trifft nicht nur auf die Sprachentwicklung, sondern auch auf die Fein- oder Grobmotorik zu. Stellen Erzieherinnen Auffälligkeiten, etwa beim Sprachvermögen fest, ist ihr Handlungsspielraum nicht allzu groß. Neben sprachfördernden Spielen ist es die wichtigste Aufgabe, den Eltern mit Blick auf den Schulstart eine Empfehlung für eine separate Eingangsuntersuchung zu geben. Oft müssen die betroffenen Schüler gar nicht so lange auf der Sprachheilschule verweilen: Obwohl es vielen Schülern in Eppertshausen gut gefällt, können viele von ihnen bei Eintritt der Besserung schon bald wieder zurück auf die Regelschule in ihrem Wohnort.

Bei der Info-Veranstaltung bekamen die Gäste beim Gang durch die einzelnen Klassenräume zahlreiche praktische Anregungen vermittelt, wie sich das Sprachvermögen der Kinder fördern lässt. So wartete in einem Klassenzimmer ein riesiger Berg von Rasierschaum. „Da wagt sich kaum einer, hinein zugreifen, weil es ein ungewohntes Gefühl ist“, sagt Förderschullehrerin Ulrike Lüdicke und ergänzt: „Aber auch dieses Aha-Erlebnis fördert in punkto ,Fühlen und Begreifen’ die Sprache.“

Quelle: op-online.de

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