Aufreibende Nächte im Keller

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Zu vorgegebenen Themen hatten die Schüler sich Fragen überlegt, die sie ihren Gästen stellten. Dabei erzählten die Senioren den Kindern auch von ihren schrecklichen Erlebnissen aus dem Zweiten Weltkrieg.

Eppertshausen ‐ Eine Lehrerausbildung kann manchmal ganz schön kniffelige Aufgaben bereithalten, aber gerade diese sind es oft, die zu besonderen Ergebnissen führen. Von Jasmin Frank

So ging es auch Cornelia Lang, Referendarin an der Eppertshäuser Stephan-Gruber-Schule. „Ein Ausbildungsschwerpunkt des Referendariats ist das sogenannte Schulmodul. Wir Referendare sollen an unseren Schulen etwas initiieren, was noch nie da war, aber sowohl der Schule sowie den Kollegen und Schülern in der Zukunft hilfreich sein kein. Gefunden werden muss also ein Projekt mit einem Konzept, das später immer wieder von Dritten leicht umgesetzt werden kann. Ich hatte hierbei die Idee eines Erzählcafes“, informiert die angehende Pädagogin.

Die Idee ist, dass Senioren in die vierten Klassen kommen und dort zu vorgegebenen Themen erzählen. Dabei stehen Erinnerungen aus ihrer Kinder- und Jugendzeit im Vordergrund, zudem können Gegenstände oder Fotos zur Veranschaulichung mitgebracht werden. „Natürlich hatten auch die Schüler etwas zu tun“, lacht Lang. „Die Kinder haben sich vorbereitet, indem sie Fragen formuliert und im Unterricht über die Themen gesprochen haben.“

Und Fragen haben die Jungen und Mädchen, die da im Kreis um einen liebevoll gedeckten kleinen Tisch sitzen, jede Menge. „Konntet ihr nachts denn schlafen?“, will ein Mädchen wissen. „Na, wenn Fliegeralarm war, natürlich nicht. Da mussten wir manchmal vier oder fünf Stunden lang im Keller sitzen“, erzählt die rüstige Lilli Gust, die als Kind in Ulm gelebt hat und dort von massiven Bombenangriffen bedroht gewesen war.

Auch Stefan Euler war als kleiner Junge in Eppertshausen von den aufreibenden Nächten im Keller betroffen gewesen. „Ich hatte noch zwei jüngere Brüder. Meine Mutter weckte mich immer zuerst, dann zog sie die beiden an. Oft habe ich das ausgenutzt und bin noch mal schnell ins Bett geschlüpft und habe heimlich noch ein paar Minuten geschlafen“, schmunzelt er.

Auch das Alltagsleben wird von den Damen und Herren geschildert, zum Beispiel, dass es Essen und Haushaltswaren nur auf Marken gab. „Ich hatte immer Schiebewurst auf meinem Brot. Die kleine Scheibe Wurst habe ich immer weiter nach hinten geschoben, so dass ich bis zum Schluss noch etwas hatte“, erzählt Gust. Doch nicht immer sind die Erinnerungen heiter, Ludger Kirschnik treten die Tränen in die Augen, wenn er an seine Erlebnisse dieser Zeit denkt und daran, dass sein Elternhaus am Ende des Krieges noch stark beschädigt wurde.

Klar ist, dass Zeitzeugen immer auch ein wenig subjektiv berichten: So wird die Frage eines Kindes, wer denn den Krieg begonnen habe, zunächst nur mit einem verlegenen Lachen beantwortet – bis es dann schließlich heißt, nur eine kleine Regierung in Deutschland habe den Krieg begonnen und andere Länder angegriffen. Die Soldaten selbst hätten in den Kampf ziehen müssen, aber natürlich habe das keiner gewollt.

Doch trotz solcher perspektivischen Berichte wird in dem Erzählcafe von Cornelia Lang deutlich, wie wichtig es ist, dass die Generationen miteinander in Kontakt bleiben und sich austauschen. Lilli Gust weiß daher, was sie von den Kindern fordern kann: „Sorgt dafür, dass es hier nie wieder einen Krieg gibt!“

Quelle: op-online.de

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