Im Auftrag der Fastnacht

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In der Bütt vereint waren die beiden Pfarrer Johannes Opfermann (links) und Harald Christian Röper. Damit die zwei Geistlichen in der kommenden Kampagne wieder mit von der Partie sind, muss der Elferrat des FVCA ordentlich in der Fastenzeit abspecken.

Eppertshausen Personalsorgen, Verletzungspausen, überhöhte Gagen…mit diesen Sorgen auf der großen Fußballbühne muss sich im Kleinen keiner plagen: Im Fußballverein 1920 liefen die Karnevalisten wieder einmal zu Höchstleistungen auf – ganz ohne Gage. Von Ursula Friedrich

170 Akteure entfachten in der Eppertshäuser Mehrzweckhalle am Wochenende ein Feuerwerk der Fastnachtssuperlative. Rund fünf Stunden Programm nonstop auf den Bühnenbrettern wurde dem Publikum geboten – zwei Mal zeigten die FVCA-Aktiven diese Fastnachtsshow vor insgesamt rund 900 Gästen. Unter Regie von Sitzungspräsident Jörg Helfmann und seinem Elferrat – der inzwischen auf 24 Aktive in gelben Sakkos angewachsen ist – legte das Narrenschiff pünktlich ab. „Eppertshause wird Weltstadt - es macht sisch des Kaff, die kriegs auch ein Zoo hier – da hängt schon es Aff‘“, donnerte Protokoller Hans Müller fröhlich aus der Bütt los.

Auch wenn‘s zum Weltruhm nicht ganz reicht, in Sachen Karneval spielt die Narrenschar des Fußballvereins in einer ganz hohen Liga: Das Marathonprogramm wurde nahezu ausnahmslos mit dem eigenen Team gestemmt – nur für den musikalischen Auftakt der ersten und zweiten Sitzungshälfte wurden mit dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Messel sowie den „Icebreakers“ der Stadtgarde Offenbach auswärtige Akteure ins Boot geholt. Sechs Garden und Showtanzgruppen, die furiose Gesangscombo „Los Crachos“, die Haus- und Hofkapelle „Happy-Singers“, etliche Büttenredner und Elferräte in sexy Damendessous stellten ein närrisches Aufgebot, das Kurzweil bot.

Wie pfundig es um die 1972 gegründete Karnevalsabteilung in puncto Nachwuchs bestellt ist, das bewies Tom Helfmann in seiner Rede als Eintracht-Lehrling. „Warum guckt ihr dann so bleed?“ Eröffnete er frech seinen Vortrag – mit zwölf Jahren ist er der jüngste Büttenredner, den der Verein in seiner Historie hervorbrachte. Und: Ein lebender Beweis für die Existenz des Fastnachtsgens. Dies scheint vom Opa, Peter Helfmann, der lange Jahre die Sitzungen leitete, über Papa Jörg nun in dritter Generation weitervererbt worden zu sein. Ausgenommen vom Fastnachtserbe ist Onkel Carsten, der statt der Bütt den Job als Verwaltungschef der Gemeinde wählte.

Aus den Fastnachtsreihen bekam das Gemeindeoberhaupt mindestens soviel Fett weg, wie die benachbarten Einwohner Münsters. „Herr Helfmann, was hat sie geritte?“ brüskierte sich der Protokoller über die neue Lärmschutzmauer im Neubaugebiet Failisch. „Was hat die Geister da getrieben?“, so auch Pfarrer Johannes Opfermann, der entlang des Mauerwalles pilgerte.

Gemeinsam mit dem katholischen Kollegen Harald Christian Röper tauschte Opfermann Kanzel gegen Bütt – und hielt dem Bürgermeister ne Gardinenpredigt: „Der Weg nach Münster wurd verstellt – Barrrieren mittig aufgestellt - grad da wo Röper Kirche hält. Erst eine Mauer Richtung Münster, dann kann das vor der Kirche hier nur Checkpoint Charlie werden.“ Münster abgeriegelt? Der fulminante Vortrag des geistlichen Duos wurde mit Standing Ovations des Publikums gefeiert. Obwohl die Gäste auch ihr Fett wegbekamen: „Da dachte man uns zu entkommen, wenn man sich fernhielt von den Frommen“, grinste Pfarrer Röper.

Elferräte ließen die Hüllen fallen

Um in der kommenden Kampagne ein Wiedersehen mit diesen jungen Sternen am Fastnachtshimmel zu feiern, muss sich der Elferrat nun mächtig ins Zeug legen: Zehn Prozent des Körpergewichts soll der närrische Rat in der Fastenzeit abspecken – „und das so Ersparte wird an Brot für die Welt gespendet“, so die Auflage der Eppertshäuser Geistlichkeit. Ob die Narren nicht auch in der Kirche Abbitte leisten müssen? Denn die Elferräte ließen die Hüllen fallen. Als Kleidi Blum und ihre Supergirls entfachten sie auf dem eigens gezimmerten „Catwalk“ in sexy Dessous Tumulte im Publikum. Ob die Pfunde rollen oder nicht, auf den Bühnenbrettern bewies die Karnevalsabteilung erneut, dass sie als närrisches Schwergewicht viele Stunden Spaß, gute Laune und ein tolles Showprogramm bieten kann.

Quelle: op-online.de

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