Sammelei mit Spiraldreh

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„Werkbank“ mit Korkenzieher, Flaschenöffner und Stopfen.

Eppertshausen - Sie sind vernickelt, bronziert oder verchromt, Kraft übertragen sie per Muskelzug, durch Hebelwirkung, Drehmoment oder Flügeldreh, es gibt sie als Aufsetzer, mit Federzunge und pneumatisch, sie sind Gebrauchsgegenstand, Kunstobjekt und Sammlerobjekte: Korkenzieher. Von Thomas Meier

Um diesen Gegenstand der Alltagskultur dreht sich im wahrsten Sinne seit Montagabend alles in der Ausstellung im ersten Stock des Eppertshäuser Rathauses. Dort zeigt der Eppertshäuser Sammler Roland Groh in mehreren Vitrinen über 300 seiner ältesten, originellsten und handwerklich aufwändigsten Korkenzieher. .

Wo sich Drahtbrecher und Federzungen, Perpetualmechanik mit Entenschnabel, tanzende Paare oder Schnauzerhunde treffen, sind Korkenziehersammler nicht weit. Und so war unter den Besuchern zur Eröffnung auch Reinhold Berndt aus Egelsbach, Sammler aus Passion und Funktionär im Verein deutscher Korkenzieherfreunde. Das Publikum und Bürgermeister Carsten Helfmann erfuhren so eine Menge über ein im wahrsten Sinne „abgedrehtes“ Utensil.

Roland Groh, 54-jähriger gelernter Büromaschinenmechaniker aus Eppertshausen, der heute in der IT-Branche tätig ist, sammelt seit 30 Jahren Korkenzieher. Dazu auch Stopfen und Verstopfer, schließlich gehören solche zum Verschließen geöffneter Flaschen dazu. Auch einige originelle Flaschenöffner für Kronkorken legte er anbei, sind sie doch ebenfalls zu schön anzuschaun.

Eines der ältesten Glanzstücke unter den klassischen Ziehern ist ein „Kolumbus“, hergestellt ums Jahr 1880. Das dunkle Eisenteil hat die deutsche Patentnummer 70979 eingestanzt, was es besonders wertvoll macht. „Die Nachfolger kamen dann ohne Prägestempel aus“, bedauert der Sammler.

Der einstige Modellbauer hat etwas übrig fürs Handwerkliche. Nicht zuletzt deshalb findet sich unter seinen Ziehern ziemlich viel Tierisches: Zig handgeschnitzte Schnauzer, Dackel und andere Hunde tummeln sich in einer Vitrine. Allen gemein: der Spiralschwanz für den Korkenzug. Diese Menagerie stammt ausschließlich aus dem thüringischen Ort Empfertshausen in der Rhön, einer Holzschnitzerhochburg. Dies gefiel freilich Bürgermeister Helfmann, klingt der Name doch so verwandt.

Neben den ganz alten Stücken aus dem 19. Jahrhundert nennt Groh viele Vor- und etliche Nachkriegszieher sein eigen. Hochwertige aus Westdeutschland und billigere Importe aus der ehemaligen DDR, erinnert der Eppertshäuser an „Dreko made in GdR“,. Das stand für „Drehteile und Korkenzieher GmbH i.G.“. Doch unter Letzterem findet sich auch stets Witziges. Etwa die sexy Barmaid oder der dazugehörige Barmann. Beide gehören zu den „zweiarmigen Hebelkorkenziehern mit Zahnstangenmechanismus“. Sein monumentalster Korkenzieher war für keine Flasche gedacht. Mit dem Fasskorkenzieher ging es dem verschlossenen Spundloch zuleibe.

Roland Groh mit Korkenziehern per Hebelwirkung, Muskelkraft und Scherenzug.

Überhaupt sind Korkenzieher einst nicht nur Weinflaschen vorbehalten gewesen. Lange bevor die verkorkt wurden, waren es Bierflaschen, die vom Naturprodukt befreit werden wollten. „Eigentlich steckten Korken früher auf allen Flaschen“, weiß Sammler Berndt, der sich in der Geschichte des vor etwa 350 Jahren ersonnenen Korkenziehers bestens auskennt und darüber schon Bücher geschrieben hat. Und so hat auch sein Eppertshäuser Sammlerkollege Groh etwa Fingerkorkenzieherchen für medizinische Ampullen oder Parfümflakons im Sortiment.

Besondere Korkenzieher-Techniken kommen aus Frankreich (Scherenkorkenzieher), besonders schöne Weinstopfen fand Groh in Südtirol, wobei die kunstvoll geschnitzten Holzmännchen schon mal den Hut ziehen. Moderne Korkenzieher finden ebenfalls des Sammlers Interesse, etwa solche mit Seilzug. Weniger amüsiert ist er hingegen von Geräten mit CO2-Patronen, viel besser gefallen ihm dann schon Stücke aus der Abteilung Werbegeschenk. Etwa das Allzweckwerkzeug von Maggi, einer stilisierten Messingflasche mit zwei Messerklingen und einem Korkendreher.

Quelle: op-online.de

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