Auswärtige Anfragen abgelehnt

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Die Erweiterung des Eppertshäuser Waldfriedhofs um ein Natur belassenes Urnengräberfeld wurde aufgeschoben – aber keineswegs aufgehoben. Eine knappe Kasse drängt die Gemeinde zu diesem Schritt.

Eppertshausen ‐ Immer häufiger entscheiden sich Bürger im Falle ihres Ablebens für die Feuerbestattung. „Im Vorjahr hatten wir 63 Bestattungen, 38 davon in Urnengräbern“, so die Bilanz von Bürgermeister Carsten Helfmann. Von Ursula Friedrich

Diesem Trend will man auf dem Waldfriedhof zwar gerecht werden, kostenintensive Projekte wurden vom Bauausschuss jedoch für die kommenden Monate auf Eis gelegt.

Zum Ausklang eines Rundgangs über den Friedhof entschied sich das Gremium unter Vorsitz von Hans-Dieter Lehnen (CDU) dafür, die Planungen für einen Friedpark erneut zur Diskussion in die verschiedenen Fraktionen zu verweisen. Damit dürfte das rund 108.000 Euro teure Projekt auf 4.000 Quadratmetern Erweiterungsfläche in den kommenden Monaten vom Tisch sein. Hintergrund ist die finanzielle Situation der Kommune, die angesichts von steuerlichen Mindereinnahmen (435.000 Euro) und Mehrausgaben einen bedächtigen Umgang mit dem Geld nahe legt. „Unser Bedarf an Urnengräbern ist für die kommenden drei Jahre gedeckt“, sagt Jürgen Geist, Fachbereichsleiter des Ressorts Bauen und Umwelt, die Politik müsse nun die Prioritäten setzen.

Stelen mit Namen der Verstorbenen und neue Bäume

Über die Notwendigkeit der Friedhofserweiterung war sich der Bauausschuss im Grunde einig. Vorgesehen ist im teilweise noch bewaldeten Areal des Waldfriedhofs Bäume zu entfernen, um im „Friedpark“ die Erdbestattung für Urnen möglich zu machen. Gestalterisch sollten lediglich zwei Stelen mit den Namen der Verstorbenen und einige neue Bäume die Beisetzungsfläche prägen – die Asche der Verstorbenen würde in Bio-Urnen von nicht dauerhafter Konsistenz unter der Rasenfläche beigesetzt.

Unstrittig ist, dass außerdem weitere Urnenwände notwendig sind, um dem Trend der Feuerbestattung gerecht zu werden. Im Bereich der bereits bestehenden Urnenwände sollen weitere dieser Grabflächen entstehen, um die Zukunft für die Beisetzung Verstorbener sicher zu stellen. Eine Urnenwand mit maximal 96 Grabstätten schlägt mit rund 20.000 Euro zu Buche. „Die Urnenbeisetzung ist günstiger und mit weniger Pflegeaufwand verbunden“, erklärte der Bürgermeister den Trend. Dieser zeichnete sich 2009 noch stärker ab als im Vorjahr: Von 31 Beisetzungen erfolgten nur zehn in einem Erdgrab, 21 Mal wurde die Feuerbestattung gewählt.

Grundsätzlich ermöglicht der Waldfriedhof eine Vielzahl von Bestattungsmöglichkeiten, vom anonymen Urnenfeld bis zur klassischen Erdbestattung im Familiengrab. Starre Reglements prägen den Charakter der unterschiedlichen Areale: Die Beschaffenheit von Grabsteinen, Einfassungen und mehr ist streng reglementiert. Da in Zukunft die Zufahrt zum Friedhof für Handwerksbetriebe zunächst verschlossen ist, soll verhindert werden, dass laut Satzung unzulässige Grabsteine einfach eingelassen werden – so wurde in der Vergangenheit mehrfach gegen die Bestimmungen verstoßen.

SPD-Fraktion bringt Antrag für muslimisches Gräberfeld ein

Muslimische Bürger haben aufgrund ihres Glaubens bei der Wahl der letzten Ruhestätte weniger Spielräume. Dies veranlasste die SPD-Fraktion zu einem Antrag für ein muslimisches Gräberfeld, das die vorgesehenen Erdbestattungen mit den Füßen gen Osten ermöglicht. Die Genossen zogen nun ihren Antrag an die Gemeindevertretung zurück. Grund: Kreisweit wird das Thema politisch erörtert, sodass eine überkommunale Lösung gefunden werden kann.

Als Heimat für die letzte Ruhe genieße der Waldfriedhof über die Gemeindegrenzen hinaus Popularität, schloss Lehnen. Auswärtige Anfragen müssten jedoch abgelehnt werden, denn die Bestattungsflächen sind den kommenden Generationen Eppertshäuser Bürger vorbehalten.

Quelle: op-online.de

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