Backen bald eine brotlose Kunst?

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Am Tag des deutschen Brotes verwies Innungsbäcker Jürgen Kreher mit einem Brotbuffet auf die Vielfalt des Bäckerhandwerks in unserem Land hin. Da staunten einige Kunden nicht schlecht, auch über die Absicht, dass das deutsche Brot schon bald Unesco-Kulturerbe werden soll.

Eppertshausen - Die heimische Brotkultur ist weltweit einzigartig und verdient laut dem Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks mehr Aufmerksamkeit. Deshalb wurde nun der Tag des deutschen Brotes ausgelobt. Von Michael Just

Mit einer Aktion war auch eine Bäckerei in Eppertshausen bei der Premiere vertreten: Jürgen Kreher, seines Zeichens Bäckermeister und stellvertretender Obermeister der hiesigen Bäckerinnung, verdeutlichte in seinem Laden mit einem Brotbuffet die Vielfalt der deutschen Brotbackkunst. Mini-Fähnchen in schwarz-rot-gold schmückten eindrucksvoll die Laiber. Außerdem wurde pro verkauftem Brot 50 Cent als Spende für die Jugendfeuerwehr Eppertshausen abgeführt.

„Der Stellenwert des deutschen Brotes wird derzeit viel zu gering gewürdigt“, sagt Kreher. Er ließe sich weit höher ansiedeln. Dafür genügt seiner Meinung schon ein Blick in die Nachbarländer, wo es in der Regel nur sehr einfaches Weißbrot gibt. Die Verwendung von Roggen oder Dinkel sei dort nahezu unbekannt. Den sinkenden Stellenwert des Brotes führt Kreher auch auf den Verkauf von Backwaren an Tankstellen und in Discountern zurück. Dass man dort von „Backen“ spricht, hält er nicht für gerechtfertigt: „Backen hat für mich etwas mit Herstellen zu tun. Hier wird in der Regel aber nur mit Vorgefertigtem gearbeitet“, sagt er. Richtig Durchgebacken werde nur beim Bäckermeister.

Mehr als 3 000 Spezialitäten

Um das Ansehen der deutschen Brotkultur mit ihren zahlreichen Spezialitäten zu vergrößern, hat der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks nun einen Plan: Die Brotvielfalt in Germanien soll zum immateriellen Unesco-Kulturerbe werden. Dafür läuft bereits das Anerkennungsverfahren für das deutsche Brotregister. Jeder Innungsbäcker wurde aufgerufen, seine Brotrezepte ans Register zu schicken. „Bisher sind schon mehr als 3 000 Spezialitäten eingegangen“, weiß Kreher.

Der Tag des deutschen Brotes kann auch B(r)otschafter vorweisen: In diesem Jahr hat der Zentralverband den ehemaligen Wirtschaftsminister Michael Glos sowie Comedian Simon Gosejohann ernannt. Glos stammt aus einer traditionsreichen Müllerfamilie und hat sich stets für den Mittelstand und das Handwerk eingesetzt. Gosejohann ist das erfolgreiche Gesicht der Ausbildungskampagne des Bäckerhandwerks und wirbt in einem originellen und jugendgemäßen Imagevideo für den Bäckerberuf.

Wie Kreher heraushebt, gehöre das Bäckerhandwerk zu den ältesten Berufen Deutschlands. Für ihn zeigt es sich so gut aufgestellt wie kein anderes Handwerk. Der Marketing-Bereich sei professionell, was das Werben um den Nachwuchs oder die vielfältigen Aktionen – etwa zum gesunden Schulfrühstück –angehe. Für den Bäckermeister verrichten die Innungen und der Zentralverband eine gute und wichtige Arbeit. Gefahr am Horizont für das deutsche Brot sieht der Münsterer derzeit aus Brüssel mit dem dortigen Behördenwahnsinn heranziehen: „Hier will man nun den Salzgehalt im Brot runterfahren und regulieren“, berichtet er. Für Kreher ein Ding der Unmöglichkeit: „Es ist schon unglaublich, dass man Sachen, die seit Jahrhunderten funktionieren, plötzlich abschaffen will.“

Quelle: op-online.de

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