„Beeindruckend sind vor allem die Menschen“

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Fröhlich erinnern sich Elisabeth und Wilfried Jaksche an ihre Reisen. Oft hatten sie Exemplare der Offenbach-Post mit dabei.

Eppertshausen - Wie kommt man zu einem Wohnmobil, wenn man immer Urlaub in Hotels gemacht hat? „Unser Einstieg in diese Art des Reisens war sehr ungewöhnlich, denn wir haben uns das Gefährt zunächst einmal gar nicht für die Freizeit, sondern den Beruf angeschafft“, erinnern sich Elisabeth und Wilfried Jaksche. Von Jasmin Frank

Er war es gewesen, der Bedarf an einem mobilen Dach über dem Kopf hatte, denn als Ingenieur war er nach der Wende häufig auf Baustellen in den neuen Bundesländern eingesetzt und dort mangelte es zu dieser Zeit an einem: ausreichend Hotelzimmern. Deshalb schafften sich die Eppertshäuser Anfang der neunziger Jahre das erste Wohnmobil an, und Jaksches Kollegen freuten sich schon, wenn er mit seinem Wagen an der Baustelle vorfuhr, denn dort war es immer schön warm und eine Tasse Tee gab es auch.

„Wir haben uns dann schon bald gedacht, dass wir auch privat mit dem Wohnmobil verreisen könnten, und sind dann immer wieder mal übers Wochenende in der Nähe weggefahren“, erzählt Elisabeth Jaksche. Doch die beiden haben schnell Feuer gefangen, denn eines war bald klar: Das Gefühl der Freiheit und der Unabhängigkeit, das bei den Reisen mit dem Wohnmobil aufkommt, ist unvergleichlich. Schnell stand fest: Das Fahrzeug sollte besser ausgelastet und zudem endlich eine große Etappe in Angriff genommen werden.

„So wie ein Katholik von einer Reise nach Rom träumt, so ist es für die Wohnmobilfahrer eine Fahrt ans Nordkap und dort führte uns auch unsere erste große Reise im Jahr 1997 hin“, informiert Jaksche, der damals schon im Ruhestand war und die Zeit gut zu nutzen wusste: Er plante die langen Strecken nicht nur perfekt durch, sondern führte auch immer ein Reisetagebuch. Dort wurden sowohl die zurückgelegten Kilometer und die passierten Städte aufgeführt, als auch besondere Erinnerungen festgehalten.

Die Offenbach-Post auf dem Roten Platz

So hat das Paar in den gut sechs Wochen seiner Reise in den hohen Norden etwa 8.000 Kilometer zurückgelegt und am Kap selbst eine wunderbare Erfahrung gemacht: Während es noch neblig war, fuhren sie zum zentralen Punkt, an dem die Sonne – mitten in der Nacht – strahlend schien. Dort spielte ein schweizerisches Paar auf einer Ziehharmonika und einige bayerische Urlauber sangen dazu, was für die beiden Eppertshäuser bis heute unvergessen blieb. „Wir fahren immer nur so viel, dass uns genug Zeit bleibt, auch Landschaft, Kulturdenkmäler oder Städte zu besichtigen. Außerdem kommen wir gerne in Kontakt mit den Menschen vor Ort und das geht nicht, wenn man von morgens bis abends durchfährt“, sind sich die beiden einig.

Für die unternehmungslustigen Eppertshäuser steht fest: Nicht die Sehenswürdigkeiten sind es, die sie beeindrucken, sondern die Menschen: „Gerade in Russland war es wunderbar, dass wir als Deutsche trotz unserer Vergangenheit so freundlich empfangen wurden. Die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen hat uns immer wieder beeindruckt.“

Das Ehepaar Jaksche ist seit Jahrzehnten Leser der Offenbach-Post und weil es immer einmal wieder die Möglichkeit gab, Bilder von sich in einem fernen Land mit einem Exemplar der Zeitung einzusenden, haben die beiden das auch getan: So gibt es Fotos mit unserer Zeitung auf dem Roten Platz und vor dem Regierungspalast in Moskau, oder aber mit einem traditionell gekleideten Reiter in Ungarn.

Schweren Herzens vom Wohnmobil getrennt

Über 20 Länder haben die Jaksches mit ihrem Wohnmobil in 18 Jahren bereist, davon einige auch mehrfach, denn die beiden Zugvögel fuhren fast jeden Februar in Richtung Süden nach Spanien davon und im Herbst ließen sie in Ungarn stets, wie Wilfried Jaksche in seinem letzten Reisetagebuch schreibt, „die morschen Gelenke wenigstens für einige Zeit auf Trab bringen“, wobei Palatschinken mit Slivovitz nicht fehlen durften.

Doch wer nun in dem gepflegten Vorgarten der beiden nach dem Wohnmobil sucht, wird den langjährigen Standplatz leer vorfinden. „Wir mussten uns letzten Herbst schweren Herzens von unserem guten Stück trennen, denn der Aufwand rund um das Reisen ist uns einfach zu viel geworden“, gesteht Jaksche traurig ein. Doch der agile 77-Jährige hat schon einen Ersatz gefunden: Er fährt nicht mehr selbst, sondern lässt steuern und das eine Nummer größer – auf dem Kreuzfahrtschiff. „Ich hatte mir das gewünscht und mein Mann war eher abgeneigt, denn wir hatten beide letztlich falsche Vorstellungen von dem Publikum auf solchen Schiffen. Aber eines Tages hat er mir eine Kreuzfahrt zum Geburtstag geschenkt und nun sind wir wieder viel unterwegs“, freut sich Elisabeth Jaksche sichtlich und bald werden die beiden wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Kofferpacken und in die Ferne ziehen.

Quelle: op-online.de

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