Applaus schon vor dem ersten Akkord

„Beflügelt ins neue Jahr“: Japaner statt „alter VW Käfer“

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Michael Roth (links am Klavier nebst Helfer zum Umblättern der Noten) spielte solo, aber auch zusammen mit Martha Alof (Eppertshausen, Altflöte, Mitte) und Kathrin Aldinger-Stein (Dieburg, Oboe, rechts).

Eppertshausen - Zum Steinway fehlten zwar 100.000 Euro, trotzdem ist der neue Flügel für die Pianoklänge in der Bürgerhalle schon vor dem ersten Akkord eifrig beklatscht worden: Unter dem Motto „Beflügelt ins neue Jahr“ haben Musiker aus Eppertshausen das von der Gemeinde frisch angeschaffte Instrument eines japanischen Herstellers erstmals bespielt. Von Jens Dörr 

350 Zuhörer verfolgten das Ereignis. Als Bürgermeister Carsten Helfmann zusammen mit den Chorleitern Hans Dieter Müller (unter anderem Männerchor der Eppertshäuser Germania) und Dieter Müller-Herzing (unter anderem Chor St. Sebastian) bei Piano Berg in Darmstadt zu Gast war und die beiden Musiker potenzielle neue Flügel testeten, habe er zugeben müssen, dass der feilgebotene Steinway einen gewissen Unterschied zum schlussendlich ausgewählten Exemplar offenbart habe. Der Haken: Der Steinway hätte 118.000 Euro gekostet, doch nur 18.000 Euro gab der Eppertshäuser Haushalt für die Anschaffung her. So wurde es ein gebrauchter Japaner, bei dem das renommierte Darmstädter Piano-Haus dem Käufer preislich noch etwas entgegenkam. Und auch mit dem deutlich günstigeren Instrument gelang der Gemeinde ein musikalisch weiter Sprung nach vorn.

Der bisherige Flügel, den Eppertshausens vor rund einem halben Jahrhundert anschaffte und der schon damals ein gebrauchter (und in den 30ern erbauter) war, sei Helfmann zufolge zuletzt „wie ein alter VW Käfer“ gewesen. Was meint: Er sah noch ganz schick aus, hatte aber so seine Macken und hätte auch weiter reichlich Geld für Instandhaltungen verschlungen. Angesichts hoher Kosten für die Miete und den Transport eines Flügels entschied sich die Gemeinde statt einer Leihlösung zudem für den Kauf und die feste Stationierung des ganz in Schwarz gehaltenen Instruments in der Bürgerhalle.

Die ersten öffentlichen Töne auf dem Flügel waren am Sonntag Michael Roth, der unter anderem Organist der katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian ist, vorbehalten. Er eröffnete den Abend mit seinen 14 Programmpunkten mit einer Symphonie von Johann Sebastian Bach. Die weiteren Stücke moderierte immer wieder Hans Dieter Müller an, der zugleich Einblicke in die Geschichte und Funktion des Klaviers gab und dabei so einige unterhaltsame Bonmots bereithielt.

„Ein Klavier an sich ist ungefährlich. Die Gefahr geht vom Pianisten aus“, meinte er und erntete dafür viel Geschmunzel im Auditorium. Das Konzert in der Bürgerhalle bezeichnete er darüber hinaus als „zweites Highlight des Jahres nach der Eröffnung der Elbphilharmonie“. Wobei Müller auf Unterschiede verwies: „Der Vergleich hinkt etwas: Wir haben den Preis eingehalten, sind pünktlich und haben einheimische Musiker. Das ist Eppertshausen!“

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Im weiteren Verlauf trat Pianist und Organist Michael Roth auch zusammen mit Martha Alof (Eppertshausen, Altflöte) und Kathrin Aldinger-Stein (Dieburg, Oboe) auf. Hier war das Klavier „nur“ gleichberechtigter Teil eines Trios – in Abgrenzung zu „Oisis und Osiris“ aus Mozarts „Zauberflöte“, wo ein von Hans Dieter Müller gespielter und von Wolfgang Tüncher gesanglich unterstützter Klavierauszug die anderen Teile des Orchesters mit übernahm.

Zu den weiteren Interpreten des Abends zählten Christhard Janetzki (unter anderem Chorleiter des Eppertshäuser Gesangvereins Liederkranz-Frohsinn), Kristina Hensel (Querflöte), Rochus Paul (Klavier), Katja Berker (Gesang), Benedikt Berker (Klavier), Hans Müller (Gesang) sowie der Chor St. Sebastian. Alle Musiker traten ohne Gage auf, ein Eintritt wurde nicht erhoben. Die Zuhörer konnten aber nach ihrem Gusto einen Betrag spenden. Das Geld wird den Eppertshäuser Kindergärten und Schulen zur Verfügung gestellt.

Quelle: op-online.de

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