Befremdlich: Schuluniform und Bier

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Wochenendfahrt an den Strand mit der Familie. Es war das Fest „Petrus, der Fischer“, das Valerie Kramer (zweite von rechts) live miterleben durfte.

Eppertshausen - Kurz vor den Sommerferien standen vier Schülerinnen der Münsterer Schule „Auf der Aue“ auf dem Schulhof beieinander und planten gemeinsam voller Vorfreude ihr lang ersehntes Auslandsjahr. Darunter waren auch Valerie Kramer und Patricia Schledt aus Eppertshausen. Von Jasmin Frank

Während Valeries Begeisterung für Südamerika den Ausschlag für das ferne Chile gab, hatte Patricia andere Gründe, sich für einen Aufenthalt in Australien zu entscheiden. „Ich habe bei einer Wanderung auf dem Jakobsweg eine tolle australische Familie kennen gelernt, die mich aufnimmt, so weiß ich also schon ein wenig, wer und was mich erwartet“, erzählte die Eppertshäuserin vor ihrer Abreise. Nun sind die beiden Mädchen 100 Tage von zu Hause weg und nicht nur ihre direkten Angehörigen fragen sich, wie es den Jugendlichen wohl ergangen sein mag und ob sich ihre Erwartungen erfüllt haben. Beide Mädchen haben einen Internet-Blog eingerichtet, auf dem sie ihre Eindrücke wiedergeben:

So beschreibt Patricia ihren ersten Tag in Australien: „Vormittags habe ich schnell festgestellt, dass es hier irgendwie kälter ist als erwartet - es ist hier tagsüber nie mehr als 15 Grad warm, obwohl der Himmel strahlend blau war, und nachts sind es um die zwei Grad über Null. Da hier die Häuser nur aus dünnen Plastikwänden bestehen, woran bestenfalls zwei Zentimeter dicke Backsteine geklebt sind (das Wort Dämmung kennen die Australier nicht), ist es hier drinnen noch kälter als draußen. Zentralheizungen gibt es hier sowieso nicht, nur eine kleine Elektroheizung! Darum bleibt es auch nicht aus, dass alle Australier - jetzt auch ich – total erkältet sind.“

Aber natürlich zeigte sich für Patricia, die selbst in der Eppertshäuser Gemeinde St. Sebastian aktiv ist und in Australien regen Kontakt zur anglikanischen Gemeinde ihrer Gasteltern Rob und Elaine Cleary in Coffs Harbour, New South Wales, hält, auch bald die Sonne und die Wärme Australiens: Zelten und Lagerfeuer, Spaziergänge im Regenwald und „Wal-Watching“ (Wale-gucken) standen auf dem Programm.

Zum Alltag gehört auch der Schulbesuch, bei dem es doch etwas strenger zugeht, als hierzulande, beschreibt Patricia: „Letzte Woche war SRC-Vorstellung, also die Präsentation der neuen Schülervertretung. Ich durfte aber nicht mit zuhören, da ich an dem Tag eine lange schwarze Hose anhatte und man nur mit voller Schuluniform, also Rock, Bluse und vielleicht noch Pulli in den Saal durfte. Ich fand das zwar nicht schlimm, aber das Gehabe mit der Schuluniform ist voll übertrieben!“

Andere Sitten beim Biergenuss

Auch Valerie hat in La Florida, einem großen Stadtteil Santiago de Chiles, schnell gemerkt, dass dort nicht nur Schule etwas anderes bedeutet, als hierzulande, sondern auch die Jungen eine andere Erziehung genießen und sie empfiehlt: „Mädels, kommt nach Chile, die Männer werden hier zu Gentlemen erzogen! Als wir letztens mit der Schule in die City gefahren sind, sind zuerst alle Mädchen in den Bus eingestiegen und dann erst die Jungs. Und so werden die Buben hier erzogen! Erst dachte ich, ich lerne halt nur die netten Leute kennen, aber die Jungs rennen vor, um einem die Tür aufzuhalten, lassen die Mädchen nie auf der Straßenseite laufen und wissen auch sonst, wie man sich benimmt!“

Patricia Schledt fühlt sich „downunder“ inmitten der dort heimischen Tierwelt sichtlich wohl.

So gerne die Eppertshäuserin ihre Gasteltern Malela und Luis Hanno sowie ihre „Geschwister“ Jacqueline, Luis Alejandro und Natalia mag, so sehr sie das Talent zum Tanzen und das gute Essen der Chilenen bewundert, umso mehr wundert sie sich doch über den Umgang mit Deutschlands Exportschlager und Lebenselixier, dem Bier. Nicht ganz zu Unrecht schreibt sie in ihrem Blog: „Und am jüngsten Tag wird Gott die Chilenen fragen: Wie konntet ihr mit gutem Gewissen das Bier so behandeln? Das soll jetzt nicht zu kritisch-theologischen Diskussionen anregen, sondern ich möchte darauf aufmerksam machen, was hier täglich für Sünden begangen werden! Nachdem eine Freundin zirka ein Achtel des Glases mit Zitrone gefüllt hat, wurde Bier dazu gemischt. Doch das war noch nicht genug! Der Rand des Glases wurde auch mit Zitrone eingerieben und danach Salz draufgestreut (so, wie man in Deutschland mit Zucker einen schönen Cocktail mixt). Und das hat ihr gut geschmeckt! Ich hab’s natürlich auch probiert, aber dass ich das Zeug nicht in hohem Bogen wieder ins Glas befördert habe, bedurfte schon besonderer Disziplin!“

Eines ist also sicher: Valerie und Patricia lernen in ihrem Austauschjahr nicht nur den Schulstoff ihrer Gastländern, sondern erfahren auch so einiges über Land und Leute – und beide Mädchen sind des Lobes voll, was ihren Aufenthalt, ihre Gastgeber und die Menschen vor Ort betrifft.

Quelle: op-online.de

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