„Ein Herz und eine Seele“

Begegnungsfest: Lob für Verhältnis von Flüchtlingen und Eppertshäusern  

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Heringssalat oder Dattelaufstrich? Das Buffet beim Begegnungsfest hielt sowohl für Flüchtlinge als auch für Eppertshäuser ungewohnte Geschmackserlebnisse bereit.

Eppertshausen - Zum vierten Mal richteten der Arbeitskreis Asyl und die Gemeinde Eppertshausen ihr Begegnungsfest aus. Bei einem reichhaltigen Buffet hatten Flüchtlinge und Eppertshäuser Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen. Von Michael Just 

Wenn das Begegnungsfest ansteht, funktioniert die Arbeitsteilung: „Das letzte Mal haben die Flüchtlinge für uns gekocht. Diesmal übernahmen wir die Zubereitung der Gerichte“, sagt Lutz Murmann vom Gemeindevorstand am Samstagnachmittag im kleinen Saal der Bürgerhalle. Mit „wir“ meint er den Arbeitskreis Asyl sowie sämtliche Helfer aus den Sozialbereichen des Ortes. Alle vier Monate versucht das Begegnungsfest einen Brückenschlag zwischen Eppertshäusern und Flüchtlingen herzustellen. Jeder ist willkommen. Ergänzend zu Kaffee und Kuchen ist es mittlerweile die Regel, dass es ein großes, selbst zubereitetes Buffet gibt. Für die Kosten kommt die Gemeinde auf. Zum nunmehr vierten Begegnungsfest kamen unter anderem Gulaschsuppe, Chili con Carne, Frikadellen, chinesische Nudel mit Gemüse, Couscous, Hähnchen-Nuggets, Rote Bete-Salat oder Dattelaufstrich auf die Teller. „Ich habe mit meiner Frau Heringssalat und Pellkartoffeln mitgebracht“, erzählt Walter Schledt. Damit dürfte er so manchem Gast aus dem arabischen Kulturkreis eine gänzlich neue Geschmackserfahrung garantiert haben.

Bevor das Buffet eröffnet wurde, sprach Lutz Murmann ein paar kurze Begrüßungsworte. Er lobte das außergewöhnliche Engagement des Arbeitskreises Asyl und dass das Zusammenleben in Eppertshausen zwischen Flüchtlingen und Bürgern hervorragend funktioniere. In einigen Fällen sei das Verhältnis sogar einmalig: „Hier entstanden in den letzten Monaten eine ganze Reihe tiefer Freundschaften“, weiß Murmann. Den Vergleich „Ein Herz und eine Seele“ sieht er für Eppertshausen und seine Flüchtlinge als äußerst passend. Dass sich das Engagement als vielfältig und herzlich zeigt, belegte beim Begegnungsfest der Turn-Athletik-Verein (TAV): Zum dritten Mal baute er einen Spielparcours in der großen Halle für die Kinder auf. „Während die Großen drüben sitzen und sich unterhalten, können die Kleinen hier toben“, so Ellen Dotterweich, die die Sache mit einem Helferteam anging. An die Neubürger ging von Murmann der Hinweis, weiter fleißig Deutsch zu lernen. Wie die Praxis zeige, bedarf es dazu Disziplin, die manchmal besser sein könnte. Walter Schledt gehört zu jenen Eppertshäusern, die Deutsch-Unterricht geben. Jeden Mittwoch von 10 bis 11.30 Uhr ist der Lehrer im Ruhestand, der früher an der Dieburger Goetheschule unterrichtete, ehrenamtlich aktiv. Die Frage, wie viele Personen zum Unterricht kommen, lässt sich für ihn nicht ganz exakt beantworten: „Das ist immer unterschiedlich und stark schwankend. Die Zahl liegt zwischen fünf und 15.“ Manchmal komme es vor, dass um zehn Uhr noch keiner da ist oder der letzte erst um 10.30 Uhr eintrifft.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

„Das macht deutlich, dass das Angebot freiwillig ist und man es mit einer anderen Kultur zu tun hat“, ergänzt Schledt. Zudem falle auf, wenn es dem Nachwuchs nicht so gut geht. Ist ein Kind krank, würden Vater und Mutter meist dem Unterricht fernbleiben. Wie Schledt heraushebt, sei es für eine erfolgreiche Integration unabdingbar, dass Zuwanderer die hiesige Kultur annehmen. Damit meint er Sprache, aber auch Gepflogenheiten wie Verlässlichkeit oder Pünktlichkeit. Von den derzeit rund 120 Flüchtlingen und Asylsuchenden in Eppertshausen schätzt er, dass rund die Hälfte die von der Gemeinde initiierten Sprachkurse besucht. Um die Teilnahme zu fördern, werden bei jedem Begegnungsfest Urkunden verteilt. Mit dieser Form der Anerkennung und Motivation erhalten jene eine Aufmerksamkeit, die beim Deutschlernen die größten Fortschritte erzielten. Für rund zehn Personen hielt Murmann diesmal Urkunden parat. Das Erlernen der deutsche Sprache ist eine Sache. Die Flüchtlinge in Arbeit zu bringen eine andere. Wie schwierig das ist, davon kann Schledt ebenfalls berichten. Die Herausforderung fängt laut seinen Worten oft schon damit an, überhaupt einen Praktikums-Platz zu finden. Hier ist der ehemalige Lehrer von der Bereitschaft vieler Firmen enttäuscht. Selbst das Zurücksenden von Bewerbungssunterlagen klappe nicht reibungslos, sondern dauere oft Monate – obwohl die Papiere für weitere Anfragen dringend benötigt würden.

Quelle: op-online.de

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