Beratung auf vier Rädern

Thema Demenz  im Memory-Mobil

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Bernd Köhler vom Pflegestützpunkt des Landkreises Darmstadt-Dieburg und Angelika Seidler vom Mehrgenerationenhaus in Groß-Zimmern reichten im Bus Informationen weiter.

Eppertshausen - Der demographische Wandel bringt immer mehr Senioren hervor, die ein biblisches Alter erreichen. Parallel sind damit auch altersbedingte Erkrankungen, wie die Demenz, auf dem Vormarsch. Von Michael Just

Demenz betrifft vor allem das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und in besonderen Fällen die Persönlichkeitsstruktur. Doch wie lässt sich Demenz erkennen? Und was kann man präventiv dagegen machen? Diese und ähnliche Fragen werden im Gedächtnismobil beantwortet. Am vergangenen Wochenende stand der Bus einen Vormittag lang auf dem Franz-Gruber-Platz in Eppertshausen.

„Das Gedächtnismobil haben wir im September anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages ins Leben gerufen“, erzählt Martina Müller vom Demenzservicezentrum in Groß-Zimmern. Mit Unterstützung durch den Pflegestützpunkt des Landkreises Darmstadt-Dieburg wurde die Idee umgesetzt. Sie kommt ursprünglich aus Wiesbaden, wo ein sogenanntes Memory-Mobil schon länger existiert.

Unkonventionelle unt entspannte Beratung

Eine neue Bushaltestelle auf dem Franz-Gruber-Platz? Nein, das Gedächtnismobil ist da.

Die südhessische Version ist einmal im Quartal unterwegs, was vier Termine im Jahr bedeutet. An dem betreffenden Tag werden jeweils eine Kommune im Ost- und eine im Westkreis angefahren. Für zwei Stunden steht der Info-Bus dann an einem zentralen Platz. Nach und nach soll dem gesamten Landkreis ein Besuch abgestattet werden.

Das Gedächtnismobil ist eigentlich ein Linienbus von einem Busunternehmer in Groß-Zimmern, der für diesen Tag gemietet und mit Plakaten beklebt wird. Ein Umbau im Inneren ist nicht notwendig. Das lange Vehikel bietet genügend Sitzreihen für eine unkonventionelle und trotzdem entspannte Beratung.

Info-Box auf vier Rädern

Das Demenzservicezentrum in Groß-Zimmern wird vom Diakonischen Werk getragen und vom Landkreis finanziell unterstützt. „Für uns ist das hier ein Stück Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Martina Müller. Dass man für den gesamten Kreis Darmstadt-Dieburg zuständig ist, sei noch nicht überall angekommen. Mit dem Bus zeige die Einrichtung Präsenz und gebe Informationen über die Beratungsstrukturen samt den Angeboten im Kreis weiter. Wichtig ist, dass im Gedächtnismobil keine Diagnosen gestellt werden. Bei Anhaltspunkten wird der Weg zu einem Fachmann, sprich Neurologen, empfohlen.

Wer in die Info-Box auf vier Rädern schaut, erlebt eine lockere und unverkrampfte Atmosphäre. Neben der Beantwortung sämtlicher Fragen zum Thema lässt sich auch ein Gedächtnistest absolvieren, der Frühbetroffene sensibilisieren will. Vor allem deren Unterstützung will sich das Demenzservicezentrum zukünftig verstärkt widmen.

Informationen besorgen sich auch Angehörige stellvertretend für Familienmitglieder

Weitere Informationen gibt es im Demenzservicezentrum, Otzberring 1-3, 64846 Groß-Zimmern, unter der Telefonnummer 06071 618998.

In Eppertshausen wurde das Gedächtnismobil gut angenommen. Die meisten Senioren wollten wissen, wie schlimm die bei ihnen vorliegende Vergesslichkeit denn ist.

„Ist das noch die Regel oder schon dement?“, lautete die am häufigsten gestellte Frage. Meist beginnt das Unbehagen schon mit einem lückenhaften Namensgedächtnis. Die Unsicherheit wird noch dadurch verstärkt, dass die Demenz fließend daherkommt. Informationen besorgen sich auch Angehörige stellvertretend für Familienmitglieder oder Ehepaare, wenn sich ein Teil Sorgen macht. „Gerade im Anfangsstadium ist es oft schwierig, Betroffene zu einem Arztbesuch zu bewegen“, weiß Müller. So schließt ihre Beratung immer wieder das Zusprechen von Mut mit ein, den Weg zum Neurologen nicht zu scheuen und sich dort die letzte Gewissheit zu holen.

Quelle: op-online.de

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