„Bestimmer zahlt wenig“

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Der rund 500  000 Euro teure Anbau des Kindergartens St. Sebastian wird kommende Woche eingeweiht. Im Vorfeld wurde Unmut über eine notwendige Vertragsveränderung mit dem Bischöflichen Ordinariat Mainz laut.

Eppertshausen ‐ „Die Pfarrei hat zu 100 Prozent die Trägerschaft der Kindertagesstätte St. Sebastian inne, finanziert aber nur zu etwa 15 Prozent diese Einrichtung auch mit. Da gibt es offensichtlich eine Schieflage“, brachte es für die SPD-Fraktion deren Vorsitzender Hans-Joachim Larem auf den Punkt. Von Thomas Meier

Es ging um die Abstimmung eines Nachtrages zum Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Bischöflichen Ordinariat Mainz über die Führung des Kindergartens. Zwar passierte dieser das Gemeindeparlament bei nur einer Stimmenthaltung, doch wurde in der Diskussion über alle Fraktionsbänke hinweg ein Missfallen an der Situation deutlich. Nötig wurde der Nachtrag wegen des in Kürze einzuweihenden Neubaus zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren auf dem Gelände Waldstraße sowie einer einhergehenden Erweiterung der Gruppen von derzeit fünf auf sieben Kinder. Gültig wird der Vertrag zum 21. Juni.

Zwischen der politischen und der katholischen Gemeinde Eppertshausen besteht der jetzt ergänzte Vertrag zur Trägerschaft und Finanzierung seit 2004. Derzeit gibt es in der Kita vier Gruppen mit insgesamt 100 Plätzen, davon zwei Gruppen mit erweiterter Altersmischung mit bis zu sechs Kindern im Alter bis zu drei Jahren.

Kommt hinzu die Hortgruppe mit 25 Plätzen. Dem Erweiterungsbau, der am Dienstag, 25. Mai, offiziell eingeweiht werden soll, werden nach den Sommerferien zwei weitere Gruppen hinzugefügt, darunter eine für die unter Dreijährigen. Für letztere gab es in der Vergangenheit eine große Nachfrage, weshalb das rund 500 000 Euro teure Projekt in Angriff genommen worden war.

„Schmerzgrenze für die Gemeinde erreicht“

Auch die beiden neuen Gruppen gelangen nun in die Trägerschaft des Bistums Mainz, doch bezuschusst deren Pfarrei in Eppertshausen die Betriebskosten der Einrichtung nach Paragraph fünf des neuen Vertrags pro Jahr pauschal mit 1 500 Euro pro Gruppe. Die für die Gruppen entstehenden Verwaltungskosten werden explizit nicht mit in die Abrechnung einbezogen. Das zusätzliche Personal wird voll von der Gemeinde besoldet.

„Die Schmerzgrenze für die Gemeinde ist erreicht“, bekundeten so Hans-Joachim Larem, und auch sein Bruder Andreas kritisierte, dass die Kirche zwar nur 15 Prozent die Einrichtung finanziell mittrage, aber die Ausrichtung des Kindergartens als Träger zu 100 Prozent bestimme. Es stelle sich schon die Frage, ob die Gemeinde nicht selbst auch die Trägerschaft übernehmen solle angesichts dieser Bilanz. Schließlich unterhalte Eppertshausen ja auch den Gemeindekindergarten selbst.

Bürgermeister Carsten Helfmann (CDU) schaltete sich in die Diskussion ein und gab zu bedenken, dass sich die Pfarrei jährlich immerhin mit einem finanziellen Grundstock von 50.000 Euro beteilige. Ohne diese Subvention wäre der Gemeindezuschuss noch höher.

Doch auch Stephan Brockmann von der CDU gab sich nicht begeistert von der Aufrechnung. Auch die Union wünsche sich eine höhere Kostenbeteiligung vom Träger.

Der Liberale Thorsten Weber führte sinkende Einnahmen der Kirche ins Feld und sprach sich für die Erhaltung der Pluralität bei der Kinderbetreuung in der Gemeinde aus. Ins gleiche Horn stieß Unionsabgeordneter Jochen Freibert, sich für das Nebeneinanderbestehen des alternativen Angebots in Eppertshausen aussprechend. Er kritisierte die Sozialdemokraten, die hier einen christlich geführten Kindergarten in Frage stellten.

Die überwiegend sachliche Debatte beendete Bürgermeister Helfmann. Er unterstrich, dass St. Sebastian freilich allen Kindern ungeachtet ihrer Konfession offen stehe. Er würde auch von mehr Kindern mit Migrationshintergrund besucht als der Gemeindekindergarten „Sonnenschein“.

Quelle: op-online.de

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