WWW-Übertragung aus Evangelischer Friedensgemeinde funktioniert

70 „besuchen“ Online-Gottesdienst

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Erster Online-Gottesdienst aus Eppertshausen: Vorn Bild- und Tonregie, hinten Schulpfarrer Hubertus Naumann und die Musiker Sebastian Strunk und Ilka Staudt.

Eppertshausen - Der erste Gottesdienst in der Evangelischen Friedensgemeinde Eppertshausen, der im Internet auf der Website www. rufnachmir. de live übertragen wurde, hat am Freitagabend im Schnitt etwa 70 „Besucher“ vor den heimischen Rechner oder ans eigene Smartphone gelockt. Von Jens Dörr 

Angesichts der 15 Gottesdienst-Besucher vor Ort führte dies zu einer Vervielfachung jener Menschen, die etwa eine Stunde lang nicht nur den Gedanken von Hubertus Naumann lauschten, sondern sich in Ansätzen auch interaktiv am Geschehen beteiligten. Wo normalerweise meist Pfarrer Johannes Opfermann den Gottesdienst mit seiner Gemeinde feiert, hatte diesmal in erster Linie Naumann das Wort. Er ist Schulpfarrer an der Dieburger Landrat-Gruber-Schule (LGS), wo sich in verschiedenen Gruppen Schüler aus der (mit Protestanten und Katholiken gemischten) Religionsklasse seit einiger Zeit in einer AG dem Projekt „5015 - Ruf nach mir!“ verschrieben haben.

Vier der Schüler waren am Freitagabend in Eppertshausen zugegen, unterstützt von drei jungen Männern, die sich ehrenamtlich im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald engagieren. Dort ist auch der Dieburger Ralf Friedrich in verschiedenen Kirchengemeinden als Prädikant und Notfall-Seelsorger tätig. Weiterhin verfasste Friedrich seine Doktorarbeit über virtuelle Kommunikation und verbindet als Ideengeber des Online-Gottesdiensts Leidenschaft und Expertise gemeinsam mit den Protagonisten im Vorder- und den technischen Unterstützern im Hintergrund.

In Eppertshausen wurde innerhalb des Dekanats am Freitagabend nach mehrere Probeläufen erstmals ein Gottesdienst live ins World Wide Web und damit zu allen Menschen mit halbwegs schnellem Internetzugang geschickt. Der konkrete Ablauf: Finanziert insbesondere aus Spenden, hat die Friedensgemeinde in ihrem Gemeinderaum mit Altar technisch aufgerüstet: Vier Scheinwerfer und drei Kameras sind an der Decke angebracht und ermöglichen ein klares Bild aus verschiedenen Perspektiven. Hinter den Gottesdienst-Besuchern sitzt die Bild- und Tonregie vor zwei Bildschirmen, achtet auf die akustische Übertragung von Worten und Musik aus dem Gottesdienst und mischt die optischen Impressionen zu einem Beitrag, der einer Übertragung im Fernsehen kaum nachsteht.

Etwas abseits der vier Landrat-Gruber-Schüler, die diesen Part nach entsprechender technischer, konzeptioneller Einarbeitung und mehreren Testläufen am Freitag vornahmen, saßen an ihren Notebooks zudem die drei jungen Dekanatsvertreter. Sie verfolgten den Gottesdienst an ihren Bildschirmen und beobachteten auch den Zuspruch bei der Premiere. Bereits fünf Minuten vor Beginn der Übertragung vermeldeten sie 30 Nutzer des Angebots, das neben einem Live-Stream zum bloßen Verfolgen des Gottesdiensts auch die Möglichkeit gab, den Gottesdienst-Inhalt – zur Premiere ging es um „Hoffnung“ – zu kommentieren, aber auch eine Rückmeldung bei technischen Problemen oder Anregungen für eine Optimierung der Übertragung zu geben.

Schulpfarrer Naumann dankte dann auch zwischenzeitlich den „Besuchern“ an den Bildschirmen für ihr Feedback, fragte mit einer am Bildschirm per Klick zu beantwortenden Umfrage beispielsweise auch „draußen“ nach, mit wie viel Hoffnung die körperlich nicht im Gemeindesaal Anwesenden ins Jahr 2017 ausblicken. Derlei Interaktion (so konnten von außen auch die Fürbitten mit eigenen Vorschlägen erweitert werden) reihten sich mit der Übertragung klassischer Elemente der Liturgie wie Orgelspiel, Gebet und Segen sowie einigen Liedern, auch die Sängerin Ilka Staudt und Gitarrist Sebastian Strunk ein.

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

Pfarrer Opfermann blieb bei all dem in der Rolle des Gottesdienst-Besuchers, während Ralf Friedrich neben Naumann vereinzelt in den Ablauf eingriff und sich an die Teilnehmer wandte, ob jene 15 vor Ort oder die schon mit Gottesdienst-Beginn 70 vor den Bildschirmen (von denen mehr als 60 auch nach einer halben Stunde noch dabei waren). „Das Projekt soll sich selbst finanzieren“, sagte Friedrich unter anderem und verdeutlichte, dass es nur dann eine Zukunft haben werde, wenn es die am Gottesdienst interessierten Personen, die vielleicht aber schlicht den Weg in die Gemeinde(n) scheuten, annähmen.

Naumann äußerte die Hoffnung, dass durch das neue Projekt „die Gemeinde wächst“. Von der Eppertshäuser Friedensgemeinde aus sollen in diesem Jahr eventuell noch „sechs, sieben“ weitere Gottesdienste im Internet übertragen werden. Dahinter steckt die Überzeugung, dass auch heute noch viele Menschen das Bedürfnis nach Spiritualität (auch jener des Christentums) haben, obgleich Kirchen und Gemeindesäle nicht immer gerade üppig besetzt sind. Der Auftakt des Online-Gottesdiensts jedenfalls war vom technischen Ablauf wie vom Inhalt und vom interaktiven Ansatz her vielversprechend.

Quelle: op-online.de

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