„Viel mehr als nur Aufbewahrung“

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Mittagessen in der Betreuenden Grundschule in der Mensa der Stephan-Gruber-Schule: In den freundlichen, hellen Räumlichkeiten wird viel mehr als nur eine „Aufbewahrung“ gewährleistet. Thomas Gerhold und die Betreuerinnen sagen: „Wir sind eine Top-Einrichtung.“

Eppertshausen - Seit 20 Jahren gibt es an der Stephan-Gruber-Schule eine Betreuende Grundschule. Eigentlich ein Grund zum Feiern, und dies soll auch nach den Sommerferien so sein. Von Thomas Meier 

Doch derzeit sehen sich die Betreuerinnen und auch der Träger der Institution, der Förderverein der SGS, eher in ein falsches Licht gerückt. Keinesfalls will man sich als „Aufbewahrungsanstalt“ verstanden wissen. Ein Eindruck, der entstehen könne, verfolge man die Diskussion um Hortplätze in der Gemeindevertretung, befinden auch engagierte Eltern. Sie luden unsere Zeitung ein, sich ein Bild der Betreuenden Grundschule zu machen. Das tat dann doch schon mehr als nur ein bisschen weh: In der Diskussion um Hortplätze und deren Standort in Eppertshausen hatte die SPD die Idee, doch für die Übergangszeit bis zur Fertigstellung des neuen Horts die Kinder in der Stephan-Gruber-Schule unterzubringen. Und zwar in Form als Betreuende Grundschule, nicht als Hort, für den die bürokratischen Hürden zu hoch seien. Der Antrag wurde abgelehnt, doch dabei fielen aus liberaler Ecke die schmerzlichen Worte: „Es geht hier nicht um eine Aufbewahrung von Kindern, sondern um qualitativ hochwertige Betreuung.“

„Genau die leisten wir hier seit Jahren“, sind sich die Betreiber der Betreuenden Grundschule sicher. Und sie verweisen auf zwei Jahrzehnte allerbester Reputation. Thomas Gerhold, seit sechs Jahren im Vorstand des SGS-Fördervereins und seit eineinhalb Jahren dort Vorsitzender, betont: „Wir sind keine Auffangstation, sondern eine Top-Einrichtung.“ Der Förderverein steht auf zwei Beinen: Einmal als klassischer Unterstützer schulischer Belange. Er generiert Gelder für Feste und Schulmaterial, wirbt um Sponsoren, seine Mitglieder bauen schon mal mit am von ihm finanzierten Klettergerüst. Dann aber ist der Förderverein aber auch Träger der Betreuenden Grundschule, einer umfangreichen Sache (extra Bericht auf dieser Seite).

Die Stadt unterstützt die Betreuung von derzeit knapp 70 Schülern in der Grundschule mit 12.000 Euro pro Jahr (zum Vergleich: Die Betreuung von 20 Hortkindern belastet den Gemeindesäckel jährlich mit 40.000 Euro). Ansonsten finanziert sich der Betreuungsbetrieb durch die Elternbeiträge von derzeit 95 Euro pro Kind. Und mit unter 90 000 Euro wird für die Kinder einiges auf die Beine gestellt in der Zeit zwischen 7 bis 8.50 Uhr und 11.50 bis 16.30 Uhr. Drei festangestellte Betreuerinnen sorgen sich um die Kleinen der ersten bis vierten Klassen. Zudem stehen drei 400-Euro-Kräfte parat, davon eine als Springerin, wenn mal Not an der Frau ist.

Mit 20 Kindern fing der Betrieb vor 20 Jahren an. Kontinuierlich stieg die Zahl, und mit ihr auch gleichsam die Stunden der Betreuung. Die gewandelte und sich immer weiter verändernde gesellschaftliche Situation erforderte immer mehr auch eine über den Rahmen der Familie hinausgehende Betreuung während des gesamten Tages. Insbesondere in einer Zeit, in der Familienstrukturen aus den unterschiedlichsten Gründen immer mehr großen Belastungen ausgesetzt sind, war es notwendig, stabile und verlässliche Rahmen zu entwickeln. Bis vor vier Jahren etwa wurde an der SGS eine Betreuende Grundschule „nur“ bis 14.30 Uhr angeboten. Seitdem bis 16.30 Uhr. Und der Ruf nach noch längerer Betreuung ist unüberhörbar. Der Grad der Auslastung ist längst erreicht, 14 Kinder stehen auf der Warteliste. „Ohne Betreuende Grundschule hätte Eppertshausen auch einen weit höheren Bedarf an Hortplätzen“, weiß Gerhold. Er kann sich angesichts der politischen Diskussion auch nicht des Eindruckes erwehren, das ganz andere Probleme auf dem Rücken seiner Institution ausgetragen werden sollen.

Quelle: op-online.de

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