Aus Rache einen Mercedes der R-Klasse abfackelt

Bewährungsstrafen für die „fürsorglichen Brandstifter“

Eppertshausen/Dieburg - „Es tut mir unendlich leid.“ Mit dieser Bekundung, übersetzt durch einen Dolmetscher, eröffnete und schloss ein 27-jähriger Rumäne seine Ausführungen zu einem Brandanschlag auf einen Mercedes in der Nacht vom 28. auf den 29. April 2014 in Eppertshausen.

Auch sein 29 Jahre alter Mitangeklagter war jetzt vor Strafrichter Christian Meisinger am Dieburger Amtsgericht geständig. Da er bereits einige Vorstrafen hat, fiel sein Strafmaß höher aus: Ein Jahr und fünf Monate Freiheitsstrafe, auf drei Jahre zur Bewährung, dazu die Auflage, 1500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen. Die Tat des bisher unbescholtenen 27-Jährigen stufte sogar Staatsanwältin Melanie Reuter als minder schweren Fall ein und forderte eine Freiheitsstrafe von nur zehn Monaten, ebenfalls auf drei Jahre zur Bewährung, und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit – ein Vorschlag, dem Richter Meisinger in allen Punkte folgte.

Brandstiftung gehört zu den „gemeingefährlichen“ Delikten, weil die Ausbreitung von Feuer nie hundertprozentig zu kontrollieren ist. Im konkreten Fall hätten Menschen etwa durch eine Explosion des Benzintanks zu Schaden kommen können. Das Strafmaß beginnt bei einem Jahr und reicht bis zehn Jahre, Unterschreitungen sind nur in „minder schweren“ Fällen möglich. Dass die beiden Männer vor ihrer Tat den Standort des Fahrzeugs besichtigt haben, weil ihnen daran gelegen war, keinen weiteren Schaden anzurichten, quittierte Meisinger mit dem Begriff „fürsorgliche Brandstifter“.

Das Verfahren war relativ kurz, weil beide Angeklagten den in Reuters Anklageschrift geschilderten Tatverlauf umfassend und vorbehaltlos einräumten. So konnte auf jegliche Zeugenaussage verzichtet werden. Damit blieb allerdings auch lediglich das „nackte“ Tatgeschehen im Raum stehen, nur ahnungsweise schienen die Hintergründe auf. Klar ist, dass die beiden Männer – der jüngere auf der Suche nach einem Sprachkurs und Ausbildung, der ältere nach einer Insolvenz als Selbstständiger und mit Schulden seit geraumer Zeit in einem festen Arbeitsverhältnis – nicht aus eigener Initiative heraus gehandelt haben, sondern von einem dritten angestiftet wurden.

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Dieser dritte war wohl der Kopf eines Netzwerks von Menschen mit rumänischen Wurzeln, die für ihn arbeiteten, Gelegenheitsdienste verrichteten und ihm Gesellschaft bei Freizeit-Aktivitäten wie einem Besuch des FKK-Clubs in Altheim oder ziemlich regelmäßigen Treffen in einem Lokal am Franz-Gruber-Platz in Eppertshausen leisteten. An einem dieser Abende, nach erheblichem Alkoholgenuss, der sich aber fast drei Jahre später nicht mehr genau quantifizieren ließ, kam das Gespräch auf das spannungsgeladene Verhältnis zwischen dem Patron und einer Eppertshäuserin, der unterstellt wurde, öffentlich den Ruf des Mannes zu schädigen. Es sei an der Zeit, ihr einen Denkzettel zu verpassen, soll es geheißen haben, und die Täter machten sich auf den Weg, erst zum Auto, dann zur Tankstelle, dann zur Brandstiftung.

Nach vollbrachter Tat in die Kneipe zurückgekehrt, wurden sie finanziell belohnt, der eine mit 200, der andere mit 350 Euro, ohne dass dies vorher verabredet gewesen sei, so die beiden unisono vor Gericht. Am Mercedes entstand durch den Brand wirtschaftlicher Totalschaden in Höhe von 19.000 Euro. Richter Meisinger attestierte beiden Delinquenten eine günstige Sozialprognose, machte aber auch mit Nachdruck deutlich, dass eine Bewährung widerrufen werden kann, falls sich die Männer in den nächsten drei Jahren erneut etwas zu schulden kommen lassen. (sr)

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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