Bewegungsparcours der Kolpingsfamilie

„Wir nutzen Parcours“

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Eppertshausens Senioren nehmen den von der Kolpingsfamilie aufgebauten und von Eppertshäuser Geschäftsleuten gesponserten Bewegungsparcours gern an. Der Gemeinde obliegt die Instandhaltung.

Eppertshausen - Eppertshausens Senioren nehmen den von der Kolpingsfamilie aufgebauten und von Eppertshäuser Geschäftsleuten gesponserten Bewegungsparcours gern an. Von Michael Just 

„Die Füße am besten in Schrittstellung, den Körper leicht gebeugt, dazu die Schultern zurück und geradeaus gucken“, weist Physiotherapeutin Esther Kraus am sogenannten „Sägewerk“ die Gruppe an. Die Übung an dieser Fitness-Vorrichtung ahmt das Zerteilen eines imaginären Baumstammes nach. Da hier auch zwei Personen gleichzeitig agieren können, wird’s kurz darauf romantisch: „Schau mir in die Augen, Kleines“, sagt einer der Teilnehmer lachend zu seinem weiblichen Pendant in Erinnerung an den großen Casablanca-Filmklassiker.

Zwar gibt es am Bewegungsparcours für Senioren im Eppertshäuser Neubaugebiet auch Hinweistafeln, die die einzelnen Übungen erklären, doch Fehler sind beim Ausführen immer möglich. Jetzt nahm sich die Eppertshäuser Physiotherapeutin Esther Kraus dieser Lücken an. Einem halben Dutzend Senioren demonstrierte sie, wie Körper und Extremitäten an den acht Übungsstationen richtig auszurichten sind. Die Frühgymnastik fand nicht ohne Grund statt: In den letzten Monaten gab es um den Parcours immer wieder lebhafte Diskussionen, weil die Nachbarschaft über Lärmbelästigung klagte. Die käme laut den Anwohnern vornehmlich von Kindern, die die Geräte statt der ausgeschriebenen Senioren benutzen würden.

Heimliche Filmaufnahmen

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Um diesen Vorwurf auch zu beweisen, wurden sogar heimlich Filmaufnahmen gemacht. Seitdem ist im Ort eine Diskussion über „Sein oder Nichtsein“ des Parcours entbrannt, den die Kolpingsfamilie letztes Jahr bei ihrer 48-Stunden-Aktion zum Wohl der Gesellschaft in Eigenleistung aufgebaut und finanziert hatte. Die jüngste Übungsstunde hatten ältere Kolping-Mitglieder initiiert. „Wir wollen zeigen, dass der Parcours genutzt wird“, führt Irmlind Törner (67) an. Mit Esther Kraus konnte sie dafür eine erfahrene Anleiterin gewinnen. Der Kontakt war schnell hergestellt: Kraus ist selbst Mitglied bei der lokalen Kolpingsfamilie und schon von Kindesbeinen an in diesem katholischen Verbund dabei. Ihr Vater gehörte sogar zu den Mitbegründern in Eppertshausen.

Die Physiotherapeutin, die im Krankenhaus in Groß-Umstadt arbeitet, gab zu jedem Gerät wichtige Tipps an die Hand. „Beim Seniorensport geht es vor allem um Koordination, Gleichgewicht und darum, etwas gegen die nachlassende Kraft zu tun“, sagt die 39-Jährige.

Keine lauten Äußerungen

„Drei bis viermal die Woche mache ich einen Spaziergang, um fit zu bleiben. Dabei gehe ich auch auf die Gerätschaften“, erzählt eine ältere Frau, die der Expertin besonders genau zuhörte. Eine andere Besucherin räumte im Gegensatz dazu ein, nach der Eröffnung erst zum zweiten Mal hier zu sein. Das mache aber nichts: „Ich bin heute gekommen, um für den Erhalt des Parcours einzustehen“, sagt sie.

Laut den meisten Kolping-Mitgliedern soll dies leise geschehen. Bewusst halte man sich mit Agitation und lauten Äußerungen zum Streitfall zurück. „Um diese Sache kümmert sich für uns die Gemeinde“, so Irmlind Törner. Die Verwaltung – und die meisten Gemeindevertreter –stehen bislang hinter der Kolpingsfamilie. Zur Sicherheit wurden aber Lärmmessungen veranlasst und Schilder aufgestellt, die Benutzungszeiten vorgeben. Dass die Diskussion um den sogenannten „Senioren-Spielplatz“ immer noch die Gemüter bewegt, bewiesen jetzt auch die Christdemokraten: Bei ihrer Veranstaltung „CDU vor Ort“ sammelten sie am Streitobjekt weitere Eindrücke. Auch wenn man bei Kolping die Diskussion nicht weiter anheizen will, konnte sich ein Teil der Senioren einen kleinen Seitenhieb auf die kritische Nachbarschaft am Parcours nicht verkneifen: „Zumindest wurden wir heute nicht gefilmt“, hieß es da.

Quelle: op-online.de

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