Bilder erinnern an Demenz

Groß-Zimmern (bea) ‐ Zweigeteilt war die Ausstellung „Demenz nicht nur ein Wort“, die am Samstag im Rathaus und im Glöckelchen zu sehen war. Im Verwaltungsgebäude konnten die Besucher Bilder von Demenzkranken sehen, die betreut von der Kunstpädagogin Margrid Wagner gemalt entstanden.

Im Glöckelchen zeigten Betreuer von Erkrankten und Jugendliche, die sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben, ihre Werke.

Zwei separate Räumlichkeiten für die Präsentation der sehr unterschiedlichen Bilder haben wir gewählt, weil die großformatigen und teilweise farbintensiven Bilder der Betreuer und Jugendlichen nicht die wesentlich kleineren Bilder der Demenzkranken erschlagen sollten“, erklärte Angelika Seidler vom Mehrgenerationenhaus, die bei der Vernissage die erkrankte Nicole Novak vertrat.

Zu vier Themenbereichen haben wir gemalt“, erläuterte Wagner die einzelnen Zeichnungen. Farbbegegnung hieß etwa eines der Themen.

Die Bilder „Malen mit Musik“ sind deutlich vom Schwung der Musik geprägt. „Musik hat uns auch bei den letzten Maleinheiten Wasser sowie Erinnerung und Reisen begleitet. Dabei konnten sich die Maler besser entspannen und konzentrieren“, so Wagner. Nicht nur sie hat gerne mit den Teilnehmern gearbeitet.

Gravierender Unterschied sticht ins Auge

Die Erkrankten haben sich nach einer Eingewöhnungsphase auf das Malen gefreut und auch über ihre Bilder, die sie teilweise bei Ausstellungen staunend wiedererkannten.“

Groß-Zimmern ist die letzte Station der Wanderausstellung nach einer Tour durch viele Gemeinden des Landkreises. Im Rathaus sind die Bilder noch heute und morgen während der regulären Öffnungszeiten zu sehen.

Bei den großformatigen Werken der Betreuer und Jugendlichen im Glöckelchen sticht ein gravierender Unterschied ins Auge. Die Jüngeren haben fast ausschließlich dunkle Farben für ihre Arbeiten gewählt, während die Bilder der Betreuer teilweise fröhlich und hell gestaltet sind. „Die Krankheit Demenz löst offensichtlich bei jungen Menschen viel Angst aus“, so die Künstlerin Monika Behlke, die die Gruppe betreut hat. Ältere legten eher auch auf die freudigen Augenblicke mit den Erkrankten mehr Gewicht.

„Für mich war das Malprojekt ein großer Gewinn“, sagte Ella Kraus, die im Semder Lichtblick einmal wöchentlich demenziell Erkrankte betreut. Das Malen und die Ausstellung mit ihren unterschiedlichen Bildern haben sie motiviert, mit ihrer Arbeit fortzufahren. „Es war schwierig, man musste sich darauf einlassen“, erklärte Saskia Jonetzko.

Die Schülerin der Albert-Schweitzer-Schule hatte zusammen mit ihrer Klassenkameradin Lara Hualde während einer Projektwoche das Angebot „Alt werden“ belegt.

Die Unterstützung durch Künstlerin Behlke war für die beiden Mädchen sehr hilfreich, schließlich hatten sie, genau wie die meisten Freiwilligen, wenig bis gar keine Malerfahrungen. Einig waren sich die Aussteller, die Betreuer und die Besucher der Ausstellung in einem Punkt: „Das Thema Demenz muss aus der Tabu-Ecke geholt werden“, sagte Bürgermeister Achim Grimm.

Eines hat die Ausstellung auf jeden Fall bewirkt“, erklärte Mitorganisatorin Seidler: „Das Thema Demenz hat sehr viel Öffentlichkeit erfahren.“

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