Bleibt’s beim Kreisel-Provisorium?

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Die Umwandlung des unschönen Verkehrsrunds an der Waldstraße käme die Gemeinde Eppertshausen zehnmal so teuer wie vor einem Jahr von den Gemeindevertretern vorhergesehen. Jetzt steht die Aufhebung des Beschlusses auf der Tagesordnung.

Eppertshausen - Was die SPD Ende 2011 beantragte und die Gemeindevertreter Anfang Mai vergangenen Jahres beschlossen, wird jetzt erneut das Parlament beschäftigen: die Umwandlung des Rundverkehrs an der Kurt-Schumacher-, Wald- und Beethovenstraße in einen regelkonformen Kreisverkehrsplatz. Von Thomas Meier

Die Verwaltung Eppertshausens setzte sich die vergangenen Monate mit dem Vorhaben, für das bereits 3300 Euro im laufenden Haushaltsplan festgeschrieben wurden, auseinander und kam zu bedenklichen, weil erheblich teureren als angedachten Ergebnissen. Nun soll der Beschluss wieder aufgehoben werden.

Asphaltrund missfällt

Und so wird vermutlich auch weiterhin gelten, was in unserer Zeitung bereits am 9. November 2011 geschrieben stand, als wir das SPD-Ansinnen vorstellten: „Es gibt nichts Beständigeres als ein Provisorium“. Der Behelfs-Kreisel an der Waldstraße, dessen improvisierter Zustand nach Genossenmeinung in einen Kreisverkehr umgewandelt gehört, existiert bereits seit 1986 in seiner jetzigen nicht kreisrunden, sondern eher eiernden Form. Und die Sozialdemokraten beriefen sich bei ihrem Änderungsantrag auf Anlieger und Passanten. Denen missfalle das Asphaltrund mit großteils abgeblätterten weißen Markierungen und den zahlreichen Blumenpflanzkübeln auf der Gass’. Vor allem ästhetisch sei es niemals schön anzuschauen gewesen. Und nachdem Eppertshausen ja auch zwei regelkonforme Kreisverkehrsplätze am Ortseingang bei der katholischen Kirche sowie am neuen Baugebiet Im Eichstumpf habe, stelle das Provisorium, in dem nach wie vor rechts vor links gelte, eine zunehmende Gefahrenquelle für alle Verkehrsteilnehmer dar. So damals die Argumentation, der sich nach einiger Diskussion in der Gemeindevertretung auch die CDU anschloss.

Um also einer weiteren Verunsicherung der Verkehrsteilnehmer zu begegnen und den Knotenpunkt für mehrere Straßen aufzuhübschen, forderten die Politiker den Bürgermeister als zuständige Ordnungsbehörde auf, die Vorfahrtsregel an der Kreuzung durch entsprechende Verkehrszeichen an die eines echten Kreisels anzupassen und auch entsprechend umzubauen. Bereits Mitte Dezember 2011 beschloss die Gemeindevertretersitzung nach mehreren Ausschussberatungen mehrheitlich drei Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation in Front der angrenzenden Kindertagesstätte St. Sebastian.

3300 Euro für einen echten Kreisel

Dieser Beschluss ging zur Prüfung und Stellungnahme an das Polizeipräsidium Südhessen. Bei einem Vorort-Termin erläuterte ein Beamter die Unfalldaten für den Kreuzungsbereich, der sich als relativ ereignislos und sicher erwiesen hatte. Demzufolge ereigneten sich von 2006 bis 2011 lediglich drei Unfälle dort, die auch aufgenommen wurden. Zweimal war falsches Rückwärts-Ausparken Unfallursache, einmal kam es wegen vereister Scheiben zum Zusammenstoß von Auto und Blumenkübel. Nach Meinung des Verkehrssachbearbeiters befindet sich der Kreisverkehrsplatz im Bereich einer Tempo-30-Zone, der nicht als Unfallschwerpunkt ausgewiesen ist. Die vorhandene Beschilderung entspreche der Straßenverkehrsordnung und sei nicht zu beanstanden.

Dennoch: Im Mai vergangenen Jahres wurden die Mittel von 3300 Euro für die Umwandlung in einen echten Kreisel zur Verfügung gestellt. Die Beschlusslage sah vor, in der Mitte der zum Kreisel führenden Straßen Markierungen aufzubringen, die sich trichterförmig verbreitern. Fußgänger sollten nicht mehr mitten durch den Kreisel laufen. Außerdem wollte man Schilder aus allen Zufahrtsrichtungen platzieren, die auf den Kreisverkehr hinweisen. An den Einmündungen hätte dann nicht mehr die Rechts-vor-links-Regelung, sondern Vorfahrt für die Fahrer, die bereits im Kreisel sind, gegolten. Ferner sollte ein absolutes Halteverbot neu eingerichtet werden, das vom Kreisel etwa 50 Meter bis zum Eingang der Kita reichen sollte. So mochte man die Sicherheit für die Kinder erhöhen.

Doch kommt es vielleicht ganz anders. Wie der Verwaltungs-Fachbereichsleiter für Bau- und Grundstücksordnung sowie Räumliche Planungen, Jürgen Geist, erläutert, kostet ein regelgerechter Kreisverkehrsplatz weitaus mehr Geld, als bereitgestellt. Rund das Zehnfache würde die Erfüllung aller Kreisel-Spielregeln verschlingen, mit abgesenkten Bordsteinen, Leitführung, Beschilderung und mehr. Entweder müssen die Gemeindevertreter den Beschluss von vor einem Jahr aufheben und alles belassen, wie es seit 1986 ist, oder aber erheblich Mittel aufstocken. Jetzt kommen die Fakten in den Ausschüssen auf den Tisch, am 7. Mai sollen die Gemeindevertreter über den Verwaltungsantrag beschließen.

Quelle: op-online.de

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