Blick schärfen für das Verborgene

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Tina Rosenfelds Begeisterung für Geschichte steckt an – gerade bei ihren Führungen, auf denen sie gerne den Blick auf Verborgenes lenkt, wie hier die romanischen Mauern in der Gnadenkapelle.

Eppertshausen/Dieburg ‐ Es soll Menschen geben, die Geschichte langweilig finden, doch solche Exemplare haben wohl noch nie eine Führung bei Tina Rosenfeld besucht. Von Jasmin Frank

Die Eppertshäuserin ist begeistert von der Materie: Alte Gebäude, Friedhöfe und Kirchen haben es ihr ebenso angetan, wie Urkunden und Fundstücke aller Art. „Das Besondere bei meinen Führungen ist, dass ich die Besucher gerne auf Dinge hinweise, die sich einem nicht auf den ersten Blick erschließen“, erklärt die Eppertshäuserin und zeigt in der Dieburger Gnadenkapelle anschaulich, was sie damit meint.

Im Hauptschiff sind an den Wänden zwei schlichte Klappen angebracht, die aussehen, als ob sie technische Einrichtungen verdecken sollten. Weit gefehlt – es handelt sich um kleine Tore in die Vergangenheit, denn wenn man sie öffnet, bietet sich dem Betrachter der Anblick der romanischen Grundmauern des Gebäudes, die mit Masken verziert sind und deren Bogenform sich noch unter dem Putz der Wände nachvollziehen lässt – wenn man genau hinschaut.

Rosenfeld bietet auch Dieburger Stadtführungen an

Daten und Fakten kennt die blonde Frau mit den strahlenden Augen ebenso wie anschauliche Geschichten, die sie bei ihren Führungen zum Besten gibt. „Das hier ist die Statue des heiligen Nepomuk, der Schutzpatron der Brücken, Schiffer und Priester. Bei ihm hat die Gattin von König Wenzel gebeichtet, der aber ist neugierig geworden und wollte wissen, was seine Frau dem Priester so alles verraten hat. Doch Nepomuk ließ sich trotz aller Drohungen nicht erweichen und hielt sich strikt an sein Beichtgeheimnis. Dafür wurde er hingerichtet, wie man hier sehen kann: Er wurde in Prag von der Karlsbrücke gestoßen.“

Spannend geht es nicht nur in der Gnadenkapelle zu, Rosenfeld bietet auch Dieburger Stadtführungen an, zeigt den Jüdischen Friedhof und kann für das Schloss Fechenbach gebucht werden. „Die Ausstellung ist mir eine Herzensangelegenheit, weil ich die Vorbereitung mitbetreut habe. So habe ich alle Exponate in der Hand gehabt und ein sehr emotionales Verhältnis zu ihnen. Bei der Konzeption der Ausstellung mitarbeiten zu können, war für mich das Schönste, was ich bisher gemacht habe“, schwärmt die Historikerin.

Region ebenso spannend, wie die großen Städte

Dieses Kompliment an das Schloss Fechenbach will etwas heißen, schließlich hat Rosenfeld zuvor Ausstellungen in der Kunsthalle Schirn und im Darmstädter Wella-Museum betreut und hatte Aufträge in ganz Deutschland. Doch leider ist die Geschichtswissenschaft kein Arbeitsgebiet, von dem es sich üppig leben lässt, deshalb hat die agile Frau noch ein zweites Betätigungsfeld: Sie backt hochwertige Bio-Kuchen nach alten Rezepten für das Catering „Nykke & Kokki“ ihres Lebensgefährten Michael Frank, der auch am Frankfurter Flughafen ansässig ist und die Gastronomie „Table“ in der Schirn-Kunsthalle betreibt.

Wer sich über die vielseitigen Führungen der Eppertshäuserin informieren möchte, die häufig für Familienfeiern, Vereinsausflüge oder von Unternehmen gebucht werden, kann dies unter tina_rosenfeld@yahoo.de gerne tun.

„Wenn man im Bereich Geschichte tätig ist, hat man immer das Gefühl, mit der Arbeit niemals richtig fertig zu sein, denn es gibt immer noch ein Buch, das gelesen werden und eine Quelle, die ausgewertet werden könnte. Wenn ich backe, ist das etwas ganz anderes: Dann weiß ich genau, was zu tun ist und am Ende des Tages stehen die Kuchen fertig auf dem Tisch“, beschreibt Rosenfeld ihre unterschiedlichen Lebensräume. Derzeit ist sie zudem viel in der Region unterwegs und informiert sich über die Geschichte vor Ort, die ebenso spannend sein kann, wie die großer Städte.

Quelle: op-online.de

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