Stanislav Roskot verlässt Tschechien, um studieren zu können und verliebt sich auf Teneriffa in eine Eppertshäuserin

Bloß vier Fälle, das ist doch gar nichts

Offenbach-Post

Eppertshausen - Kathrin RosendorffEppertshausen „Stani“ hat zwei Haustüren. Die eine führt die Treppe runter in sein Büro, die andere die Treppe hoch in seine Küche, die nahtlos ins Wohnzimmer übergeht.

„Alle kennen mich hier als Stani“, sagt der 48-Jährige, der eigentlich Stanislav Roskot heißt und dessen Ursprungs-Heimat Litvínov, Tschechien ist. Dann lächelt er, was er viel tut und seine Grübchen blitzen auf.

Er setzt sich an seinen Esstisch. Durch die großen Fenster fällt die Frühlingssonne hinein.

„Ich will nicht, dass meine Geschäftspartner immer durch unsere Wohnräume laufen“, erklärt er die zweite Haustür. Stanislav Roskot ist Geschäftsführer von Derost, seiner Firma, die sich aufs Passivieren von Edelstahlanlagen spezialisiert hat. „Früher war ich selbst viel unterwegs auf Baustellen, heute machen das meine Mitarbeiter und ich kümmere ich mich mehr ums Administrative“, erzählt er.

Dass Roskot gebürtiger Tscheche ist, hört man nicht wirklich. Man merkt es, wenn daran, dass er gerne die Hände zum Betonen seiner Worte zum Einsatz bringt. 1985 ist er aus Tschechien nach Deutschland gekommen. „Um Studieren zu können“, erzählt er. Denn seine Eltern waren nicht in der Partei und somit war klar, dass es keinen Studienplatz für ihn gab.

„Mein ursprünglicher Gedanke war es, nach USA oder Kanada zu gehen und in Deutschland nur eine Zwischenstation einzulegen, aber das Visum für die USA hat ewig gedauert“, so Roskot. „Da dachte ich, wenn ich schon mal da bin, warum nicht gleich Deutsch lernen?“

Am Anfang lebte er in Klein-Auheim. „In Ungarn hatte ich einen deutschen Freund kennen gelernt und er sagte, wenn Du mal eine Weltreise machst, kannst Du zu mir kommen.“ Und tatsächlich nahm er „Stani“ herzlich auf und unterstützte ihn im fremden Land.

„Mir wurde hier so viel geholfen, dass ich mich in Deutschland nie schlecht gefühlt habe. Ich habe auch sehr schnell viele Freunde gefunden. Das war dann auch der Grund, warum ich nicht weiter in die USA gegangen bin.“ In nur einem Jahr lernte er so gut Deutsch, dass Roskot das Sprachdiplom ablegte. „Man sagt ja immer deutsche Sprache, schwere Sprache, aber für mich war die Grammatik nicht so schwer. Allein Tschechisch hat sieben Fälle, Russisch sechs, und Deutsch bloß vier“, begründet er seine schnell erworbenen Deutschkenntnisse und lacht.

Danach besuchte Roskot zwei Semester lang an der Goethe-Uni Frankfurt das Studienkolleg. Eine Art Wiederholung des Abiturs. „Das brauchten damals alle Ausländer, um hier studieren zu können“, sagt Roskot. Anschließend begann er sein Studium in Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Rehabilitation und Prävention.

Parallel zum Studium arbeitete er. „Ich wollte das Bafög ja auch später so schnell wie möglich zurückzahlen.“ Erst half er einem Freund in Tschechien, der eine Oberflächentechnikfirma hatte, Materialen aus Deutschland zu bekommen. 1994, da war er im achten Semester, gründete Roskot seine eigene Firma.

„Zweieinhalb Jahre habe ich kaum studiert, aber dann sobald es ging, habe ich es beendet.“ Die pure Studienzeit an sich vermisst er schon manchmal. „Viel Skifahren, Surfen und immer braun gebrannt war ich da. Das war die schönste Zeit meines Lebens“, sagt er leicht verträumt und braun gebrannt.

Verträumt wirkt Roskot auch, wenn es um seinen entscheidenen Bleibegrund geht: die Eppertshäuserin Ria. Wenn er von seiner Frau spricht, leuchten seine Augen wie die eines Frischverliebten. „Ich habe sie 1988 auf Teneriffa kennen gelernt.“

Lustiger Zufall sei es, dass er seine Taucherausrüstung für den Urlaub ausgerechnet in Eppertshausen gekauft hatte. „Es gab halt nicht so viele gute Tauchgeschäfte in der Nähe.“ Was er da noch nicht wusste war, dass seine Zukünftige 30 Meter vom Geschäft wohnte. 1997 war die Hochzeit. Schnell hat sich der kommunikative „Stani“ auch in Eppertshausen integriert. „Drei Jahre war ich Vorsitzender des Gewerbevereins.“ In dem Moment stürzt Sohn Philipp (11) hinein. Braun gebrannt wie der Papa, der drückt ihn fest an sich. „Ich überlege immer noch zu dem zurückzugehen, was ich studiert habe. Ein Fitnessstudio für Prävention und Rehabiltation, das wäre es.“ Er kann diesen Traum einfach nicht loslassen.

Quelle: op-online.de

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