Bodo Bach

Wie war der Comedy-Bodo?

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Bodo Bach in Eppertshausen: Das Programm des Comedian hielt, was es versprach.

Eppertshausen - Bodo Bach alias Robert Treutel zieht auch als 50-Plus-Spaßmacher noch. Bei seinem Auftritt fehlen jedoch die berüchtigten Telefonscherze. Von Michael Just

Manchmal haben Antibiotika in Nahrungsmitteln auch etwas Gutes: „Wenn ich erkältet bin, dann esse ich ein halbes Hähnchen. Das drückt direkt das Fieber.“ Ob das stimmt, muss bezweifelt werden, erst recht wenn die Annahme von Bodo Bach alias Robert Treutel stammt. Der bekannte Comedian, der sich mit seinen Telefonscherzen im Radio bereits ein Denkmal gesetzt hat, war in der Bürgerhalle mit seinem aktuellen Programm „und. . . wie war ich?“ zu Gast.

Eigentlich wird diese Frage nur nach den intimsten Momenten des Lebens gestellt. Für Treutel viel zu schade, weshalb er sie auf die Comedy-Bühne hievte. Wie die Besucher schon bald feststellten, hatte der Titel wenig mit Schlafzimmer-Anekdoten zu tun. Stattdessen offenbarte die inzwischen vierte Solo-Tour des Unterhaltungs-Experten einen Seelenstrip mit einem tabulosen Blick ins Nähkästchen. Die Protagonisten: er selbst, seine Ehefrau Gerda und Sohnemann Rüdiger. Bei ihnen sparte er nicht mit Kritik: So empfahl er seiner besseren Hälfte eine Altbausanierung und das Parfum „Eau de Schabrack“. Sein Sohn musste sich den Vorwurf gefallen lassen, sich im Hotel Mama gegen seine Auswilderung zu wehren und das Taschengeld für eine eigene Währung zu halten.

Bach kann über sich selbst lachen

Mit dem Eingeständnis, dass nur das Aufsetzen eines Motorradhelms ihn verschönern könne, bewies Bach, dass er auch über sich selbst lachen kann. Trotz der vielen familiären Probleme – auch mit der Schwiegermutter – bezeichnete sich der bekennende Offenbacher als glücklich, dass er seine Gerda hat. Einer seiner Tipps für eine lange Ehe: ein Zweitfernseher. Dazu gab’s noch einen Wink speziell für die Männer zum Wahren des Hausfriedens: „Stellt Euch manchmal blöder als ihr seid.“ Unter dem Motto „Alles ist wahr“ folgten noch weitere Episoden zum Thema Wasserbett, dem vorhergesagten Weltuntergang der Mayas oder eine Erklärung zu den Bierflecken auf seiner Couch, die noch vom Jubel über das WM-Endspiel von 1974 stammen.

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Behutsame Auswilderung

Insgesamt zog „B.B.“ 160 Fans in die Bürgerhalle, die damit nur gut zur Hälfte gefüllt war. Vermutlich hielt der Sonntagabend diverse Berufstätige davon ab, kurz vor Wochenbeginn einen Angriff auf das Zwerchfell zuzulassen. Jene, die kamen, bereuten den Kartenkauf nicht. Sie bekamen einen der bekanntesten hessischen Comedians zwei Stunden in Reinkultur. Auch wenn er ein paar ältere Kalauer aufwärmte und einige Zuschauer ein klein wenig enttäuscht waren, dass im neuen Programm keine Live-Telefonate oder zumindest Einspieler seiner berühmt-berüchtigten Anrufe („ich hätte da gerne mal ein Problem“) vorkamen, erlebten doch alle Besucher ein zu jedem Zeitpunkt kurzweiligen Abend.

Frei Schnauze

In typischer Bodo-Bach-Manier plauderte er über seine (kleine) Lebenswelt frei Schnauze und ohne Blatt vorm Mund. Mehr als zwei Stunden währte das Programm mit Zugaben und lieferte die immerwährende Erkenntnis, dass der nächste Lacher garantiert ist. So musste man den liebenswerten, aber einfach gestrickten Hessen aus Offenbach einfach nur gern haben. Das Konzept, urkomische, trockene Sprüche mit hessischem Dialekt zu paaren, ging auch diesmal auf. Zumindest auf hessischem Boden scheint das klare Heimatbekenntnis von Bach schon die halbe Miete zum Erfolg zu sein. Dass er keinen Abend mit hochkarätigem Kabarett abliefert, räumte der Bühnenakteur im Dialog mit dem Publikum selbst ein – was man ihm aber problemlos verzieh. Dafür bot er eine ansprechende und jugendfreie Stand-up-Comedy, die ohne Zoten auskam und sich stets ganz koscher über der Gürtellinie befand.

Nicht ganz koscher war lediglich der Präsentkorb für seinen neuen moslemischen Nachbar Ibrahim in Offenbach, in dem sich ohne Hintergrundwissen ein Presskopp, Griebenschmalz und Hochprozentiges befand. Verschleißerscheinungen zeigte Treutel, der mittlerweile zur reiferen Comedy-Garde gehört, nicht, auch wenn er regelmäßig an seine 55 Jahre erinnerte und reichlich Wasser trank, um keinen trockenen Mund durch sein Gebabbel zu bekommen. Stets spielte er das aufgeweckte Kerlchen und brach dabei noch eine Lanze für die „Best-Ager“ und damit die Generation 50 plus. Die Programmüberschrift „... und...wie war ich?“ ließ sich am Ende recht einfach kommentieren: Auch mit 55 ist Bodo Bach immer noch einen Besuch wert.

Quelle: op-online.de

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