Brötchen vor Hausaufgaben

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Nadine Spatar, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Eppertshäuser Gemeinde ableistet, hilft den Kindern bei den Hausaufgaben.

Eppertshausen ‐ Schon ab etwa 12 Uhr öffnet sich die Tür des Hauses Sebastian hinter der katholischen Kirche in Eppertshausen in steter Regelmäßigkeit: Ein Kind nach dem anderen kommt herein und läuft zielstrebig in den ersten Stock. Von Jasmin Frank

Dort wartet bereits Nadine Spatar auf die Jungen und Mädchen. „Wir bieten hier schon seit langem eine Hausaufgabenbetreuung für die Kinder an, deren Eltern nicht die Zeit oder die Kenntnisse haben, ihnen dabei zu helfen“, erzählt die junge Babenhäuserin, die seit Anfang September in der Pfarrgemeinde ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableistet. „Die meisten Kinder brauchen aber nach der Schule erst einmal eine Pause und fangen nicht direkt mit den Schulaufgaben an. Viele von ihnen haben Hunger und essen erst einmal etwas. Für manche ist das dann die erste Mahlzeit am Tag“, berichtet Spatar.

Die Brötchen für den kleinen Imbiss spendet die „Bäcker-Marie“, den Rest übernimmt die Kirchengemeinde, die aber von der bürgerlichen Gemeinde für ihr Engagement finanziell unterstützt wird. Insgesamt nehmen gut zwanzig Kinder das Angebot wahr.

„Ursprünglich waren vor allem Grundschüler die Zielgruppe. Aber die Kinder, die schon seit der ersten Klasse da sind und nun auf die weiterführenden Schule gehen, können natürlich so lange kommen, wie wir ihnen noch helfen können“, schmunzelt Spatar, die später einmal Gemeindereferentin werden möchte.

„Wir brauchen dringend noch mehr Helfer.“

Unter den Großen ist auch die elfjährige Sagen, die aus Eritrea kommt. „Ich gehe in die fünfte Klasse des Gymnasialzweiges in Münster. Mit den meisten Fächern habe ich keine Probleme, nur bei der deutschen Grammatik hakt es manchmal ein bisschen“, erzählt das aufgeweckte Mädchen. Ihr gefällt vor allem „die Nadine“ am besten und die Tatsache, dass es Leute gibt, die ihre Freizeit gerne mit den Kindern verbringen. Denn von den Freiwilligen lebt das Projekt, so sind derzeit sechs Ehrenamtliche nachmittags zwischen zwölf und 15 Uhr mit von der Partie, darunter Sheila Fuchs. „Die Arbeit mit den Kindern ist schon anstrengend, aber ich komme ja immer nur für ein paar Stunden und auch nicht jeden Tag. So überwiegt der Spaß an der Sache“, schmunzelt die engagierte Eppertshäuserin, während sie in der Küche nach dem Rechten sieht.

Auch Pfarrer Harald Christian Röper hilft den Jungen und Mädchen wo er nur kann und kennt jedes Kind und dessen Werdegang persönlich. „Wir brauchen dringend noch mehr Helfer. Die meisten der Schüler hier bräuchten eine individuelle Betreuung. Wir wollen sie dabei fördern, von einer Zukunft mit Hartz IV wegzukommen“, informiert der Pfarrer. Dass die Hausaufgabenbetreuung positive Auswirkungen auf den Schulunterricht hat, kann die neunjährige Berivan bestätigen: „Meine Eltern gehen beide arbeiten und hatten wenig Zeit, aber ich habe Hilfe bei den Hausaufgaben gebraucht. Jetzt klappt das viel besser. Wir lernen auch für Arbeiten, die anstehen und ich schreibe viel bessere Noten. Ich kann allen Kindern nur raten, hierher zu kommen.“

Da das Projekt noch Helfer sucht, kann sich jeder, der ein- oder zweimal pro Woche mithelfen will, im Pfarrbüro unter Tel.: 06071 31500 melden.

Mit diesem Fazit stimmen alle der Kinder, die aus Ländern wie Thailand, Eritrea, Pakistan, dem Irak, der Türkei und natürlich auch aus Deutschland kommen, überein. „Die meisten Kinder hier haben Migrationshintergrund. Deshalb haben sie Probleme mit der deutschen Sprache und somit auch mit den Schulaufgaben. Aber obwohl hier viele verschiedene Nationen vertreten sind, gibt es wenig Streit“, erzählt Spatar. Sie meint, dass die Kinder so froh sind, eine Anlaufstelle zu haben, dass sie sich gerne an die Regeln halten.

Quelle: op-online.de

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