60 Jahre Kolpingfamilie mit Werksrundgang gestartet

Bundespräses predigt im Wasserwerk

+
Gottesdienst im Lagerraum: Bundespräses Josef Holtkotte kam anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Kolpingfamilie Eppertshausen ins Wasserwerk. Links neben ihm Harald Christian Röper, rechts daneben Friedrich Franz Röper. Rechts im Hintergrund Marcus Schledt und Mitglieder des Chors St. Sebastian.

Eppertshausen - 1. Mai, Tag der Arbeit, der Arbeiterbewegung. Kämpferische Reden prägen vielerorts das Bild, Gewerkschafter überbieten sich trotz sinkenden Organisationsgrads mit ihren Forderungen; manch einer hinterlässt gar den Eindruck, in Deutschland nagten weite Teile der Bevölkerung am Hungertuch. Von Jens Dörr

Im Gruppenwasserwerk Dieburg, gelegen an der K 183 zwischen Hergershausen und Eppertshausen, ist der gleichnamige Zweckverband mit seinen 80 Beschäftigten und einem von Kontinuität geprägten Geschäftsumfeld der prekären Arbeitsverhältnisse unverdächtig. Und nun Schauplatz des 1.-Mai-Gottesdiensts der Kolpingfamilie Eppertshausen: Rund 200 Besucher füllen einen Lagerraum bis auf den letzten Platz, während hinter dem improvisierten Altar Pfarrer Harald Christian Röper und sein Zwillingsbruder Friedrich Franz Röper den prominenten Gast einrahmen, der den alljährlich an außergewöhnlicher Stätte findenden Gottesdienst abhält. Dieser Gast ist Josef Holtkotte, seines Zeichens seit mehr als vier Jahren der Bundespräses und damit der von der Bundesversammlung gewählte höchste Repräsentant des Kolpingwerks.

Der 53-Jährige sammelt nicht nur wegen seiner jugendlichen Ausstrahlung und seiner Bereitschaft für allerlei Fotos nach dem Gottesdienst Pluspunkte bei den Eppertshäuser Katholiken. Der Pfarrer nimmt sich auch nach der 90-minütigen Andacht viel Zeit für den persönlichen Austausch. Mitglieder der Kolpingjugend verlesen Fürbitten, Friedrich Franz Röper zitiert aus dem Evangelium und Eppertshausens Kolpingvorsitzender Marcus Schledt spricht den Gastgebern vom Wasserwerk seinen Dank in Form eine Präsenttüte aus dem Weltladen aus.

In Gesprächen mit Holtkotte stehen dabei andere Aspekte im Vordergrund als bei der angebotenen Besichtigung des Wasserwerks, das die Trinkwasseraufbereitung und -verteilung für 120.000 Menschen im östlichen Landkreis Darmstadt-Dieburg vornimmt. Obgleich auch Betriebsleiter Wittwer mal weniger ans Chemische denkt als an die übertragene Bedeutung: „Wasser ist auch Reinheit.“ Gut und rein ist auch das Ansinnen, das die Kolpingfamilie Eppertshausen, gesanglich unterstützt vom Chor St. Sebastian, stets am 1. Mai verfolgt: „Wir gehen mit unserem Gottesdienst immer in einen anderen Betrieb, waren schon bei Tupperware, AC-Motoren oder auf dem Hof von Manfred Beckmann“, erläutert Vorsitzender Schledt. „Wichtig ist es uns, dabei gerade den Jüngeren zu zeigen, welche beruflichen Möglichkeiten es in der Arbeitswelt alle gibt. Ein Job muss nicht immer am Computer sein.“

Dass der Erlös des Bratwurstverkaufs am Montag zur Anschaffung einer Zisterne durch das Kolpingwerk verwendet und diese später Familien in einem Entwicklungsland zugute kommen soll, passt ins Bild. Als Holtkotte inmitten der beiden Röpers für die nächsten Fotos posiert, blickt Schledt schon wieder auf die nächsten Monate voraus. Schließlich wird die Kolpingfamilie in diesem Jahr 60, ein nicht unwesentlicher Grund für den Besuch durch den Bundespräses. Für den 26. August ist ein Spielfest am Bewegungsparcours am Weg zum Failisch geplant, zu dem auch ein „Integrationsmobil“ Station in Eppertshausen machen soll. Im November ist noch ein Jubiläumsabend in der Bürgerhalle geplant – all dies neben dem regulären Programm der Eppertshäuser Kolpingfamilie, zu dem etwa Vorträge und Jugendfreizeiten gehören, aber auch die Mitwirkung an der Kleidersammlung des Kolpingwerks und das Dauerangebot des Baby-Kleider-Korbs im Keller des Haus’ Sebastian.

Unabhängig vom 60-jährigen Bestehen wird auch die Podiumsdiskussion zur Bundestags-Wahl sein, die im September ein bis zwei Wochen vor dem Urnengang im kleinen Saal der Bürgerhalle stattfinden soll. Die Diskussionen vor lokalen wie hessen-, bundes- und europaweiten Wahlen gehören wie der 1.-Mai-Gottesdienst zur Tradition der Kolpingfamilie und heben sich in ihrem Ton wie auch die Veranstaltung am Montag angenehm von allzu lauter, oft genug unpassender Rhetorik wohltuend ab.

Quelle: op-online.de

Kommentare