Urteil über Forderung der Staatsanwaltschaft

Neun Monate auf Bewährung für Busfahrer

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Darmstadt - Ein Busfahrer ist wegen sexueller Übergriffe auf weibliche Fahrgäste vom Landgericht Darmstadt heute zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, teilte eine Sprecherin des Landgerichts mit. Von Silke Gelhausen-Schüssler

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Darmstadt J Vor 20 Monaten startete der Prozess am Amtsgericht Dieburg, nun endlich ist in Darmstadt das Urteil gegen des 37-jährigen Busfahrer A. vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts gefallen. Angeklagt waren sexuelle Übergriffe auf vier weibliche Teenager während seines Dienstes in Groß-Umstadt (wir berichteten). Richterin Andrea Röhrig sanktioniert den vorbestraften Eppertshausener mit neun Monaten Haft auf Bewährung wegen Freiheitsberaubung und Nötigung. Damit folgt sie weitgehend der Staatsanwaltschaft, die sechs Monate gefordert hatte. Die Verteidigerin hatte Freispruch gefordert. Sie warf den Zeuginnen Lügenkonstrukte, „extrem freches Auftreten“, mangelnde Erziehung und den Austausch der Vorkommnisse auf Facebook vor.

Ihr Mandant bestreitet sämtliche Vorwürfe. Die Kammer sieht dies allerdings differenzierter. Der ersten Zeugin B., deren Aussage über Oralverkehr vor dem Amtsgericht den Prozess erst ans Landgericht brachte, schenkte sie ebenfalls keinen Glauben. Die zur angeblichen Tatzeit vor vier Jahren 16-Jährige ging erst drei Jahre nach der angeblichen oralen Vergewaltigung im Busdepot zur Polizei, weil der bei den Schülern beliebte Busfahrer herumerzählte, er habe mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt. „Hier ist Rache ein denkbares Motiv“, so Röhrig. Anders gelagert sind die Fälle der drei weiteren Mädchen, die zum Tatzeitraum im April 2012 zwischen 15 und 18 Jahre alt waren. Sie wurden als voll glaubwürdig eingestuft.

Die Freundinnen D. und A. waren nachts die letzten Fahrgäste, als der gutaussehende Fahrer an der Wiebelsbacher Hauptstraße alle Buslichter löschte und die Türen verschlossen hielt - unter dem Vorwand, mit ihnen noch eine rauchen zu wollen. Dabei näherte er sich beiden Mädchen unsittlich, setzte sich auf deren Schoß und kraulte sie am Nacken. D. drohte mit einem Hilferuf per Handy, daraufhin öffnete er irgendwann die Türen. Auch das jüngste Opfer K. wurde im leeren Bus eingesperrt. Sie schaffte es jedoch, den Türöffner am Fahrersitz zu drücken und zu flüchten. Dass das Gericht in den unsittlichen Annäherungen nur Nötigung sah, ist der Dauer und Intensität der Belästigung geschuldet, die die Schwelle zur sexuellen Nötigung nicht überschritten habe. Hier sieht das Gericht auch eine Mitverantwortung der Freundinnen, die - trotz ihres Wissens um die angeblichen Vorkommnisse bei der ersten Zeugin B. - nach der Endstation freiwillig nachts im Bus sitzen blieben.

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dpa

Quelle: op-online.de

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