Capoeira: Mehr als Kampfsport

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Antonio La Delfa macht die Capoeira-Bewegungen vor, die Kinder der Eppertshäuser Ferienfreizeit machen sie nach (oben). Mit hoher Konzentration nähert sich der Nachwuchs im Schnupperkurs den Abläufen des brasilianischen Kampfsports an (unten).

Eppertshausen - Capoeira ist ein brasilianischer Kampfsport, der afrikanische Wurzeln hat und in erster Linie tänzerisch ausgeübt wird. Von Michael Just

Versteckt im Tanz übten die Sklaven während der Kolonialzeit in Brasilien darin Kampftechniken und Sprünge, um diese später bei der Befreiung gegen die Leibeigenschaft einzusetzen. An diesen äußerst ausdrucksstarken Bewegungen konnten sich nun die Eppertshäuser Ferienspielkinder versuchen. Gestern boten Antonio und Rebecca La Delfa in der Bürgerhalle eine fünfstündige Einführung zum Schnuppern an. Sie gehören dem Verein Sao Salvador Capoeira in Darmstadt an und waren bereits zum dritten Mal bei der Ferienfreizeit dabei. In der Gemeinde ist das Ehepaar nicht unbekannt: In einem Fitnessstudio bieten sie ihr Hobby an. Für den Kurs der Ferienfreizeit trugen sich 15 Jungen und Mädchen ein. Die Frage, was diese an Voraussetzungen benötigen, kann Rebecca La Delfa schnell beantworten: „Eigentlich keine. Lediglich Lust an Bewegung sollten sie haben“, meint die 31-Jährige.

Da die Kampfbewegungen traditionell in tänzerischen Bewegungen versteckt sind, ist Capoeira ohne Musik undenkbar. So lernten die Kinder zu Beginn – neben dem geschichtlichen Hintergrund – auch Instrumente wie den Berimbau, die Trommel oder das Tambourin kennen. Der Berimbau kommt aus dem Nordosten Brasiliens. Er besteht aus einem gebogenen Holzstock, an dessen beiden Enden ein Draht als Saite befestigt ist. Hinzu kommt ein aufgeschnittener, ausgehöhlter Flaschenkürbis, der als Resonanzkörper am unteren Drittel des Bogens über Saite und Bogen befestigt wird. Der Berimbau wird fast nur in Verbindung mit Capoeira gespielt.

Vor sechs Jahren fingen Antonio und Rebecca La Delfa an, Capoeira zu lernen. Zu dieser Zeit öffnete Meister Macaco Apollones seine Capoeira-Schule in Darmstadt, nachdem er von Salvador de Bahia in Brasilien nach Deutschland kam. „Mir hat damals gefallen, dass es für den Capoeira-Einstieg keine Voraussetzungen braucht“, sagt Rebecca La Delfa. Jeder könne mit Capoeira anfangen. Hinzu käme die Musik, die selbst erzeugt wird. Dazu lerne man noch viel über die brasilianische Kultur. „Capoeira ist so viel mehr als Kampfsport“, resümiert die Büroangestellte.

Die Eppertshäuser Kinder beschäftigten sich nach der Theorie zuerst mit dem Basisschritt „Ginga“. Von ihm gehen alle weiteren Bewegungen aus. Darauf folgten diverse Verteidigungs- und Angriffstechniken, zu der auch Tritte gehörten. Auch diese werden in flüssige, tänzerische, fast ästhetische Bewegungsabläufe eingebunden. Vor allem den Mädchen machte die tänzerische Komponente Spaß, während die Jungs Gefallen an den Kampfandeutungen fanden. Auch wenn Capoeira mit Kampfsport überschrieben ist, kommt Körperkontakt selten vor. Es gilt, die eigenen und gegnerischen Bewegung nicht zu unterbrechen. Das geschieht durch Ausweichen oder Ducken. Manchmal wirkt Capoeira regelrecht artistisch, wenn Räder oder Salti gezeigt werden. „Deshalb spricht man davon, Capoeira zu spielen“, so Antonio La Delfa.

Quelle: op-online.de

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