Bankkauffrau Ann-Katrin Brockmann war Jahrgangsbeste

„Die Chemie hat sofort gestimmt“

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Ann-Katrin Brockmann (rechts) mit Volksbank-Maingau-Personalchefin Diana Fuchs. 

Eppertshausen - Es sind Momente wie jüngst, in denen Ann-Katrin Brockmann merkt, dass sie wieder das Vertrauen eines Kunden gewonnen hat. Von Jens Dörr

Etwa, indem eine Frau ihr Konto bei der Konkurrenz kündigt, um zu Brockmanns Institut zu wechseln – weil sie nicht nur die Beratung überzeugt, sondern ihr wohl auch die Eppertshäuserin sympathisch war.
Dazu zählt auch der Senior, computertechnisch unbeleckt, der sich im Zuge des Bankgesprächs von der 22-Jährigen auch gleich den nächsten Urlaubsflug buchen ließ. „Das Bankgeschäft ist vor allem vertrauensbasiert“, stellt Brockmann mehrfach heraus. „Das ist entscheidend, gerade weil wir auf die langfristige Kundenbeziehung aus sind.“

„Wir“, das sind die Mitarbeiter der Vereinigten Volksbank Maingau, bei der Ann-Katrin Brockmann 2014 ihre Ausbildung zur Bankkauffrau begann. „Ich hatte mir nach meinem Abitur an der Dieburger Alfred-Delp-Schule eigentlich vorgenommen, dass ich studiere“, erzählt die Eppertshäuserin, die in der Gemeinde auch durch ihr politisches Engagement für die CDU in der Gemeindevertretung sowie im Kreistag bekannt ist und deren Vater Stephan Brockmann gerade zum Nachfolger des verstorbenen Rainer Eder als Vorsitzender der Gemeindevertretung gewählt wurde.

Die Zusage eines anderen Instituts für ein Duales Studium hatte sie bereits, sagte aber für die klassische Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Volksbank zu. „Die Chemie hat sofort gestimmt“, sagt Brockmann und meint damit besonders jene zu Personalchefin Diana Fuchs, die dem Gespräch mit unserer Zeitung ebenfalls beiwohnt. Im Ausbildungsbeauftragten Heiko Holzamer sollte sie an ihrem Ausbildungsstandort Dieburg einen weiteren Ansprechpartner und Förderer finden. „Außerdem liegt mir die Region am Herzen“, fügt sie hinzu. Da lag für sie eine Ausbildung fast vor der Eppertshäuser Haustür näher als etwa in der Bankenmetropole Frankfurt.

Wie die anderen Auszubildenden ihres Jahrgangs (Fuchs: „Wir versuchen, die Ausbildungsplätze hälftig zwischen Realschülern und Abiturienten zu besetzen“) legte Brockmann in der Folge sowohl in verschiedenen Abteilungen der Bank als auch in der Berufsschule in Obertshausen los. „Das Berufsbildungs-Gesetz schreibt vor, was ein Azubi am Ende seiner Ausbildung können muss“, nennt die Personalchefin den Rahmen. Typische Themen seien Rechnungswesen, Steuern, Anlageberatung, Finanzinstrumente und -produkte sowie Kosten-Leistungs-Rechnung. „Aber auch die Ethik ist was Wichtiges“, betont Brockmann, die in fast allen Abteilungen der Volksbank Maingau hospitierte. „Am besten hat es mir bei den vermögenden Privatkunden gefallen“, lächelt sie. Zahlungsverkehr, Baufinanzierung, Datenkontrolle, Marketing – all das streifte sie, saß natürlich auch am Schalter. „Junior-Banking“-Seminare ermöglichten Zusatzschulungen nach der Berufsschule.

Nach einer verkürzten Ausbildungszeit von zweieinhalb Jahren schloss Brockmann die vergangene Winterprüfung der IHK Offenbach im Januar mit 92 Prozent und der Note 1 als Beste ab. Die Bank übernahm sie, seit einem halben Jahr arbeitet die Eppertshäuserin nun am Standort Babenhausen – und hat den nächsten Schritt vor Augen: „In den nächsten vier Jahren möchte ich ein berufsbegleitendes Studium an der Frankfurt School of Finance & Management machen“, blickt sie voraus. Dabei werde sie montags bis freitags auf der Babenhäuser Geschäftsstelle arbeiten und samstags in Frankfurt studieren. Am Ende soll ein Bachelor of Arts (Finance & Management) stehen, verbunden mit noch besseren Aufstiegsmöglichkeiten. Die Volksbank fördere Brockmanns Engagement, indem sie 50 Prozent der fünfstelligen Studienkosten übernehme, sagt Fuchs.

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Ihre Bewährungsphase, nach der der zunächst auf ein Jahr befristete Vertrag entfristet wurde, hat Brockmann also gemeistert, die Weichen für die berufliche Zukunft gestellt. Bleibt noch etwas Raum, um aufs Privatleben zu schauen: Sie will weiterhin bei den Eppertshäuser Settchen tanzen, bei den Hobbykickern im Ort weiter dem Ball hinterherjagen. Auch das politische Ehrenamt soll in der anstehenden Sechs-Tage-Woche weiterhin Raum erhalten. Obgleich das am Arbeitsplatz für die ein oder andere Frotzelei sorge, wie die Powerfrau festgestellt hat: „Unser Vorstandsvorsitzender Michael Mengler meinte mal spaßeshalber, nur die Politiker hätten wohl ein noch geringeres Ansehen als die Banker. Da habe ich gedacht: Jackpot!“

Quelle: op-online.de

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